China Blue

Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „Saubere Kleidung“ zeigten wir am 2.11.2010 in Kooperation mit dem Arhaus-Kino den Film China Blue. Mit ca. 70 Leuten war die Veranstaltung gut besucht. Die Diskussionen mit Besuchern im Anschluss zeigten, dass der Film Nachdenklichkeit und Betroffenheit hervorgerufen hat aber auch die Frage nach alternativen Einkaufsmöglichkeiten.

Zum Inhalt des Filmes

Hauptdarstellerin ist die 20-jährige Jasmin, die aus der Provinz Szechuan stammt und ins zwei Tagesreisen entfernte südchinesische Shax gelangt ist, wo sie einen Job in der Textilfabrik Lifeng gefunden hat. In dem »Sweatshop« werden Jeans hergestellt. Jasmin stammt vom Lande und hat noch nie ihre Familie verlassen. Ihre Freundin Orchid ist - um Geld zu sparen - zwei Jahre lang nicht nach Hause gefahren. Erst seit vier Monaten arbeitet Jasmin in der Fabrik und kann sich immer noch nicht an die langen Schichten gewöhnen. Freizeit hat sie kaum, gearbeitet wird sieben Tage die Woche, untergebracht ist sie in einer Baracke auf dem Fabrikgelände.


Als sich die amerikanischen Auftraggeber bei Lifeng blicken lassen, preist Fabrikbesitzer Mr. Lam die Vorzüge Chinas mit unüberbietbarer Offenheit: »Wir haben viele Ressourcen, vor allem menschliche Ressourcen.« Lam war zuvor Polizeichef von Shax und hat sich mit der Marktöffnung Chinas selbstständig gemacht. An den 200.000 Jeans, die seine Fabrik im Monat produziert, verdient er umgerechnet 20 Cent pro Stück, insgesamt 40.000 Dollar – ein Vielfaches seiner vorherigen Beamtenbezüge. Den hohen Druck, den die Auftraggeber ausüben, gibt Lam an seine Arbeiter weiter, die teilweise siebzehn Stunden am Stück schuften, ohne Überstunden vergütet zu bekommen. Für monatlich 65 Dollar – der ungefähre Preis einer Jeans im westlichen Einzelhandel.


Den größten Teil ihrer Einkünfte schickt Jasmin zu ihrer Familie. »Erst gehe ich zur Post, um Geld nach Hause zu schicken« , erzählt sie, »dann kaufe ich mir Energietabletten, um mit den andern mithalten zu können«. Manchmal aber fallen ihr während der Arbeit die Augen einfach zu.


Unter den Arbeitern regt sich allmählich Unmut über die Zahlungsmoral von Mr. Lam. Wieder einmal lässt der sich mit der Entlohnung viel Zeit. Die Arbeiter sind auch aufgebracht über im Treppenhaus angebrachte Slogans wie »If you don’t work hard today, you’ll look hard for work tomorrow«(Wenn Du heute nicht hart arbeitest, hast Du morgen harte arbeit bei der nächsten Jobsuche). Schließlich kommt es in der Textilfabrik zum Streik, und die Arbeit wird niedergelegt. Widerwillig zahlt Lam die Löhne aus, um eine weitere Verzögerung des Auftrags zu vermeiden.
»China Blue« zeigt die harte Wirklichkeit in den Sweatshops der chinesischen Textilindustrie. Der Film verändert die eigene Haltung zum Konsum. Während der Dauer des 85-minütigen Dokumentarfilms haben die fünfzehn Kollegen von Jasmin fünfzig Jeans hergestellt und zusammen 1,45 Dollar verdient. Das ist die eine Seite des Phänomens globaler Märkte. Die andere Seite spart der Dokumentarfilm ebenso wenig aus: den ernorm hohen Druck, unter dem ein Fabrikbesitzer wie Mr. Lam steht. Werden die strikten Erwartungen von Auftraggebern wie der Wal-Mart-Kette nicht erfüllt, die Stückpreise gesenkt und die Zahl der Überstunden erhöht, dann wechseln die Auftraggeber zu einer anderen Fabrik.


»China Blue« ist unter extrem schwierigen Bedingungen entstanden. Teilweise musste das Team von Micha X. Peled heimlich drehen, um nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen. Die Dreharbeiten wurden durch die chinesischen Behörden unterbrochen, Mitarbeiter der Filmcrew inhaftiert und verhört, Videobänder beschlagnahmt. Offenkundig haben weder der wilde Kapitalismus Chinas noch die Markenlabel im Westen ein Interesse daran, die Bedingungen, unter denen unsere Kleidung entsteht, an die Öffentlichkeit dringen zu lassen.

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