„Er hat das Monster beim Namen genannt“

Genf, 1964: Ernesto Che Guevara, der zu einer UN-Konferenz zu Gast ist, zeigt aus dem Fenster auf die Leuchtreklamen der Banken und Juweliere und sagt zu dem jungen Schweizer an seiner Seite: „Da musst du kämpfen, da ist das Gehirn des Monsters.“ Der junge Mann wollte ihm nach Kuba folgen, doch er blieb. Und tat, was ihm aufgetragen war: sechzig Jahre lang.
Jean Ziegler, 1934 in Thun als Hans geboren – den Vornamen Jean gab ihm später Simone de Beauvoir – ist am 10. Juni in Genf gestorben. Er wurde 92 Jahre alt.
Er war 27 Jahre lang Nationalrat der Schweizerischen Sozialdemokratischen Partei und von 2000 bis 2008 UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Ziegler war der Soziologe, der die schöne, saubere Schweiz von innen anklagte – die Banken, das Gold, die Toten. Sein Satz, den niemand vergisst, der ihn einmal gehört hat, lautet: „Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet.” Der Hunger sei kein Schicksal, sondern das Ergebnis einer Strategie.
Das ist die Sprache, die uns verbindet. Ziegler gehörte zu den Stimmen, von denen die globalisierungskritische Bewegung lebte: Porto Alegre, das Weltsozialforum und die Überzeugung, dass eine andere Welt möglich ist. Für Attac war er ein Weggefährte, dessen Bücher man weiterreichte, ehe man sie selbst zu Ende gelesen hatte. Er hat das Monster beim Namen genannt, während die meisten noch von Sachzwängen sprachen.
Seine Stimme wird uns sehr fehlen!