21. August 2011 - Luz Maria de Stefano de Lenkait:

Die Süddeutsche Zeitung, man möchte fast meinen das Zentralorgan des Pentagon in Deutschland, gibt zum wiederholten Mal einem US-Akademiker den Auftritt, internationale US-Interessenpolitik zu verkaufen, Anlass zu folgender Stellungnahme zu

Süddeutsche Zeitung (SZ) vom 16.8.2011, Rubrik Außenansicht:
„Die amerikanische Krankheit“ von Christopher Hill

Den Weg zu Frieden und Normalität wiederfinden

Aus dem andauernden Kampf „gegen den Terrorismus“ wird ein endloser Krieg, der die bereits entstandene enorme finanzielle Belastung auf Jahre hinaus weiter treibt. Seit Korea und Vietnam bestehen die Amerikaner auf Kriegen und Konfrontation. Der frei erfundene neue Krieg gegen „den islamischen Terror“ ist nach dem Feindbild im Kalten Krieg ein weiteres perfides Konstrukt der militaristischen US-Mafia, welche die Politik der USA immer noch bestimmt. Der amerikanische Dozent Christopher Hill stellt sich unkritisch und bedenkenlos hinter diesen brandgefährlichen Unsinn, (SZ vom 16.8.2011, Rubrik Außenansicht: „Die amerikanische Krankheit“). Anstatt dagegen zu argumentieren und die damit verbundene Interessenlage des Industrie-Militärkomplexes zu entlarven, klebt er an der Propaganda-Masche zu 9/11, als ob dieser unaufgeklärte Angriff dem Islam und nicht den USA selbst anzulasten wäre - allein schon wegen der beeindruckenden forensisch-wissenschaftlichen Indizienlage und das zugehörige Verhalten der zuständigen US-Organe.

(siehe auf Deutsch:
http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=24283,

auf Englisch:
http://tv.globalresearch.ca/2011/08/911-explosive-evidence-experts-speak-out,
http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=24721
http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=23115
http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=25762 )

Aufgrund der amerikanischen Finanzkrise werden jetzt endlich grundlegende Standpunkte der US-Politik insistierend hinterfragt, vor allem der Militäreinsatz in Afghanistan. Anstatt sich kritisch begründet mit dem kriegerischen Wahn der USA zu konfrontieren verliert sich der Autor in Ausschweifungen über Isolationismus als mögliches Come-back. Wo er damit hinaus will, bleibt sein Rätsel.

Der SZ-Journalist Reymer Klüver befasste sich ernsthafter mit dem Thema in seinem Artikel: „Der Kriege müde“ (SZ vom 28.7.2011). Zutreffend und intelligent bemerkt Reymer Klüver, was Christoffer Hill nicht einsieht oder nicht einsehen will:

Auch finanziell sind die Kriege für Amerika ein Desaster. Der Congressional Research Service beziffert die direkten Ausgaben fürs Militär bisher auf nicht weniger als 1,3 Billionen Dollar.

Die wahren Kosten des militärischen Engagements seit dem 9/11 dürften sogar noch höher liegen, mittlerweile mehr als drei Billionen Dollar. Forscher der Brown University prognostizieren sogar, dass die Kriegskosten sich am Ende auf etwa 3,7 Billionen Dollar belaufen werden – Zinszahlungen noch nicht mit einbezogen. Damit wäre nur der Zweite Weltkrieg noch teurer gewesen (=vier Billionen Dollar).

Aufgrund dieses hellen Wahnsinns ist es kein Wunder, dass sich die USA und ihr Schoßhund Großbritannien am Rande des Bankrotts bewegen. Ohne diese Kriege ginge es heute der Wirtschaft dort und weltweit zweifellos besser.

Das gegenwärtige Wirtschaftsdebakel hat viele Ursachen. Eine der wichtigsten ist in den horrenden Ausgaben für Militär, Rüstung und Krieg zu finden, die ungekürzt bleiben und zu weiterer Erosion der Weltwirtschaft führen. Seit 2001, als Präsident George W. Bush der Welt „den Krieg gegen den Terror“ erklärte, verpulverte die US-Regierung bis 2010 insgesamt 5.500 Milliarden Dollar für Militär und Waffen (nach SIPRI).

2011 steigen die Militärausgaben auf 720 Milliarden Dollar und sind damit fast doppelt so hoch wie vor zehn Jahren. Kein Wunder, dass sich die Staatsverschuldung binnen acht Jahren verdoppelt hat.

Dabei sind im Rüstungsetat noch gar nicht alle Kosten der US-Kriege enthalten. Jede weitere Woche Krieg in Afghanistan kostet die USA zwei Milliarden Dollar. Dazu hat die „einzige Supermacht“ (Brzezinski) das Geld nicht mehr. Sie ist das Opfer ihres „imperial overstretch“, der imperialen Überdehnung ihrer Macht.

750 größere Stützpunkte rund um den Globus, waffenstarrende Flottenpräsenz auf allen Weltmeeren und ein Dutzend Kriege in den vergangenen zwanzig Jahren haben die finanzielle und ökonomische Macht der USA ausgezehrt. Doch eine Kürzung der Militär- und Rüstungsausgaben sind bisher bei Demokraten und Republikanern kein Thema. Im Gegenteil: Präsident Obama erhöhte die Rüstungsausgaben in neuen US-Haushalt um weitere 17 Milliarden Dollar. Die politische Kaste ist unbelehrbar und repräsentiert nicht mehr die Interessen der amerikanischen Gesellschaft.

Die Grundfreiheiten der amerikanischen Gesellschaft sollten auf einmal nicht mehr für alle gelten: Amerikas Krieg gegen den Terror ist „ein klassisches Beispiel dafür, wie ein Krieg in der Fremde auch die Freiheiten in der Heimat einschränkt.

Fast zwei Drittel aller Amerikaner finden zu Recht, dass die US-Soldaten schleunigst aus Afghanistan abziehen sollten, aus Irak sowieso. Ein Universitätsdozent konstatiert, „Wir lassen unsere Schulen, unser Kulturleben und unsere Städte allmählich verkommen.“ (Gastbeitrag für den Oregonian, der ältesten US-Zeitung an der West-Küste). Klagen wie diese finden sich inzwischen in Stadtzeitungen quer durch die USA, in Bloggs und in Diskussionsforen. Die Washingtoner Politik reagiert allmählich. Mittlerweile stellt selbst ein Bewerber um die republikanische Präsidentschaftskandidatur, Jon Huntsman, den Sinn des Feldzugs in Afghanistan in Frage.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Senat, der Demokrat John Kerry, empfiehlt eine Beschleunigung des Abzugs, weil der Krieg „nicht mehr durchzuhalten ist“. Sein Kollege aus West-Virginia stellt lapidar fest: Es sei an der Zeit, „Amerika wiederaufzubauen, nicht Afghanistan“. (Ende des Zitats)

Aber der Dekan der Korbel School of International Studies der University of Denver [Christopher Hill ] sprengt den Rahmen der Vernunft. Er muss sich besinnen und auf die vernünftigen Stimmen seines Landes hören. Vor allem muss er die sinnlose Realität von Krieg und Konfrontation seines Landes erkennen, so dass er seine Studenten nicht in die Irre treibt und zu Befürwortern des wahnhaften Missionsgeistes mit weltweiter Drohung und US-Terror manipuliert. Stattdessen sollte ein Professor seine Studenten in der internationalen Politik zur Normalität und Frieden anhalten. Amerika muss dringend den Weg zum Frieden und zur Normalität wiederfinden. Das ist kein Isolationismus, sondern das Pflegen normaler Beziehungen mit den anderen Staaten der Welt und ihren Menschen, ohne Erpressung, ohne Drohung, ohne Einmischung in die eigenen Angelegenheiten anderer Staaten, ohne Manipulation der öffentlichen Meinung, ohne den Wahn, die Welt beherrschen und kontrollieren zu wollen, ohne die wirtschaftliche Abhängigkeit von einem industriellen Militärkomplex und einer unverhältnismässig reichen Oligarchie, wie unter anderen den Rockefellers. Eine zivilisierte internationale Ordnung auf der Basis der militärischen Gewalt ist schlicht unvorstellbar.

Europa muss sich auch endlich bewegen, um aus der Falle des Krieges herauszukommen. Ein ähnliches Handlungsmuster, ein ähnlicher Brutalisierungsfaktor wurde hier von Amerika hineingetragen und Europa macht mit. Auch Europa trägt die Folgen dieses Irrwegs. Der Hass auf den Islam und die paranoiden Ängste vor einer islamischen Unterwanderung Europas laufen in der gesellschaftlichen Mitte auf Hochtouren.

Der Werteverfall Europas, Bildungsdefizite und andere Mängel wurden in einer unfruchtbaren und überaus hässlichen Islamdebatte verdreht, so dass sie am Ende selbst erstickte. „Bevor die bürgerliche Mitte nach allen möglichen Verboten ruft, sollte sie sich die eigene Fremdenfeindlichkeit verbieten, und sich ihre nicht nur klammheimliche, sondern unheimliche Freude an aggressiv anti-islamischen Schriften versagen. In fast allen europäischen Gesellschaften greift so etwas wie eine anti-koranische Tollwut um sich. Dagegen sollte man sich impfen.“ (Der Ausschaltknopf gegen Islamhass“ SZ-Kommentar von pra – 29.7.2011)

Nicht nur eine Konfrontationsmentalität exportiert ein dekadentes Amerika nach Europa. „Die USA und Europa leiden unter dem gleichen Syndrom: Es ist das der Gesellschaften, die zu gut gelebt haben und die sich nun mit der Anpassung an eine Welt schwertun, in der es den Lebensstandard zu senken gilt.“ (Le Figaro, 29.7.2011)

Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

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