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Was tun gegen den Rechtsruck?

Auf Einladung von Attac Tübingen-Reutlingen referierte am 11. Dezember Tobias Kaphegyi vor etwa 30 Interessierten im Gemeindehaus Lamm, über den Rechtsruck unter Arbeiter:innen. Der DGB-Gewerkschaftssekretär promoviert zu den wirtschafts- und sozialpolitischen Einstellungen rechter Arbeiter*innen.

Anhand von etablierten Datensätzen beobachtet Kaphegyi, dass rechtspopulistische und rechtsradikale Parteien wie die AfD bei Arbeiter*innen, Unternehmer*innen und Menschen, die in ihrem Alltag Marktlogiken besonders stark ausgesetzt sind, überdurchschnittlich zustimmungsfähig sind. Und das, obwohl diese Parteien für eine Politik stehen, die Arbeiter*innen benachteiligt. Diesen Widerspruch untersucht Kaphegyi anhand von Interviews, teilnehmender Beobachtung und Daten über AfD-nahe Arbeiter*innen. Neben der für AfD-Anhänger*innen überdurchschnittlich ausgeprägten gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, konstatiert er vor allem einen Hang zu autoritären Einstellungen und eine starke Betonung eines sozialdarwinistischen Leistungsdenkens. Die eigene prekäre Situation wird nicht durch ein mangelhaftes Durchsetzungsvermögen von Arbeiter*inneninteressen gegenüber Kapitalinteressen erklärt. Gewerkschaftliche Organisation wird als ungehörig, unpatriotisch und nationale Schwächung im Wettbewerb der Nationen abgelehnt. Stattdessen wird in der Welterklärung auf Verschwörungsmythen zurückgegriffen: „Geheime, manchmal auch wieder als jüdisch konnotierte Eliten, die Woken,  Ausländer*innen und Leistungsunfähige sind schuld, dass ich nicht bekomme was mir für meine harte Arbeit zusteht." Deshalb ist die Antwort auf den berechtigten Frust nicht etwa Solidarität unter Beschäftigten oder gewerkschaftliche Organisierung, sondern der Wunsch nach einer Führung, die „meine Leistung erkennt und mir ohne gesellschaftlich-pluralistische Interessenskonflikte von oben heruntergibt, was mir zusteht."

Der Referent sieht dies als Produkt der alltäglichen Entsolidarisierung und der markt- und standortnationalistischen Prägungen in 40 Jahren Neoliberalismus. In der Diskussion wurden soziale Verbesserungen und ein Mentalitätswandel hin zur Akzeptanz sozialer Menschenrechte und breite demokratische Bündnisse als Gegenstrategien genannt. Ebenfalls rät Kaphegyi, die Brandmauer gegen rechtsextreme Parteien  aufrecht zu halten aber mit Menschen immer privat im Gespräch zu bleiben. Das könne man z.B. bei sogenannten Stammtischkämpfer*innen-Ausbildung der Organisation „Aufstehen gegen Rassismus" üben. Dafür wollen wir auf die tollen Flyer von Aufstehen gegen Rassismus aufmerksam machen, die eine gute Hilfe für Diskussionen auch über die Feiertage im Umfeld sein können: www.aufstehen-gegen-rassismus.de/material/flyer-etc