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Date: Wed, 23 Apr 2008 12:15:12 +0000 (GMT)
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Subject: [Attac-er] WG: Re: EU weiterhin in schlechter Verfassung
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<table cellspacing=3D'0' cellpadding=3D'0' border=3D'0' ><tr><td style=3D'f=
ont: inherit;'>Hallo!<br>
Zum besseren Vest=C3=A4ndnis: "die Stellungnahme von attac", auf die sich
Renate Schmidt bezieht ist nicht die von attac-Erlangen, sondern das
war eine bundesweite Online Aktion von attac. Normal bekommt man auf
solche Mails nur eine kurze Best=C3=A4tigung. Es ist interessant was Frau
Schmidt da antwortet.<br>
Viele Gr=C3=BC=C3=9Fe,<br>
Lutz<br><br>--- Renate Schmidt <i>&lt;renate.schmidt.lt@bundestag.de&gt;</i=
> schrieb am <b>Mi, 23.4.2008:<br></b><blockquote style=3D"border-left: 2px=
 solid rgb(16, 16, 255); margin-left: 5px; padding-left: 5px;"><b>Von: Rena=
te Schmidt &lt;renate.schmidt.lt@bundestag.de&gt;<br>Betreff: Re: EU weiter=
hin in schlechter Verfassung<br>An: l.wettig@yahoo.de<br>Datum: Mittwoch, 2=
3. April 2008, 13:49<br><br></b><pre><b>Sehr geehrter Herr Wettig,<br>viele=
n Dank f=C3=BCr Ihre E-Mail, in dem Sie mir die Stellungnahme von Attac <br=
>zum EU-Vertrag von Lissabon zugesandt haben. Mit Ihrem Schreiben tragen <b=
r>Sie zur notwendigen =C3=B6ffentlichen Debatte =C3=BCber den Nutzen der <b=
r>Europ=C3=A4ischen Union (EU) und ins-besondere die ge=C3=A4nderten Regelu=
ngen des <br>Vertrages von Lissabon bei.<br><br>Hintergrund / Ratifizierung=
 durch den Deutschen Bundestag<br>Das Gesetz zur Ratifizierung des Vertrage=
s von Lissabon wurde am <br>Donnerstag, 13. M=C3=A4rz 2008 in 1. Lesung in =
die
 parlamentarische Beratung <br>des Deutschen Bundestages einge-bracht; f=C3=
=BCr den 24. April 2008 sind die <br>2. und 3. Lesungen des Gesetzes zur Ra=
tifizierung des Vertrags von <br>Lissabon vorgesehen. Nachdem der Bundestag=
 dem Gesetz und damit dem <br>Vertrag von Lissabon mit Zweidrittel-Mehrheit=
 zugestimmt hat =E2=80=93 und davon <br>gehe ich aus =E2=80=93 muss auch de=
r Bundesrat dem Vertrag mit <br>Zweitdrittel-Mehrheit zustimmen (Art. 79 Ab=
s. 2 GG); daraufhin muss der <br>Bundespr=C3=A4sident das Gesetz unterzeich=
nen; erst wenn die Urkunde der <br>deutschen Ratifizierung bei der italieni=
schen Regierung hinterlegt ist, <br>ist das Ratifizierungsverfahren f=C3=BC=
r Deutschland abgeschlossen (vgl. Art. <br>6 der Schlussbe-stimmungen des V=
ertrags von Lissabon). Dadurch und durch <br>den Gebrauch des Begriffs =E2=
=80=9EHohe Vertragsparteien=E2=80=9C (Art. 1 des <br>EU-Vertrags [neu]) wir=
d deutlich, dass es sich beim Vertrag von Lissabon <br>und somit auch bei d=
en EU-Vertr=C3=A4gen um
 v=C3=B6lkerrechtliche Vertr=C3=A4ge <br>handelt.<br><br>Die Ratifizierung =
des v=C3=B6lkerrechtlichen EU-Reformvertrages durch die <br>EU-Mitgliedstaa=
ten ist der letzte Schritt eines Prozesses, der mit der <br>Laekener Erkl=
=C3=A4rung der Staats- und Re-gierungschefs zur Zukunft der EU <br>im Jahre=
 2003 begann und =C3=BCber den Verfassungskon-vent und dessen Entwurf <br>e=
ines Vertrages =C3=BCber eine Verfassung f=C3=BCr Europa zum jetzigen Vertr=
ag von <br>Lissabon f=C3=BChrte. Der Vertrag von Lissabon gliedert sich, wi=
e Sie wissen, <br>an-ders als der Entwurf des EU-Verfassungsvertrags in zwe=
i <br>Vertragsteile: den Vertrag =C3=BCber die Europ=C3=A4ische Union (im F=
olgenden EUV) <br>und den Vertrag =C3=BCber die Arbeitsweise der EU (im Fol=
genden AEUV).<br><br>Der gescheiterte EU-Verfassungsvertrag wurde nicht nur=
 im <br>EU-Verfassungskonvent, sondern auch in den =C3=96ffentlichkeiten de=
r <br>EU-Mitgliedstaaten ausf=C3=BChrlich diskutiert. Die Ratifizierung des=
 <br>EU-Verfassungsvertrags war bis 2006 in 18
 der 27 Mitgliedstaaten =E2=80=93 <br>darunter Deutschland =E2=80=93 erfolg=
reich verlaufen (in Spanien und Luxemburg <br>per Volksab-stimmung). Mittle=
rweile haben bereits die Parlamente von <br>neun EU-Mitgliedstaaten  und da=
s Europ=C3=A4ische Parlament dem Vertrag von <br>Lissabon zugestimmt.<br><b=
r>Das Thema Reform der EU stand also mit der Debatte =C3=BCber eine <br>EU-=
Verfassung seit Jah-ren auf der europapolitischen Tagesordnung und <br>erfu=
hr gro=C3=9Fe Aufmerksamkeit. Dennoch =E2=80=93 das zeigen Umfragen =E2=80=
=93 ist die <br>Europapolitik in den Medien weit weniger pr=C3=A4sent als n=
ati-onale Themen <br>wie die deutsche Gesundheitsreform. Au=C3=9Ferdem vers=
tehen immer weniger <br>Menschen, wie die EU funktioniert =E2=80=93 auch we=
nn die Zustimmung zur EU Ende <br>2007 so hoch war wie seit zehn Jahren nic=
ht mehr. In der Bev=C3=B6lkerung <br>besteht demnach gro=C3=9Fer Erkl=C3=A4=
rungsbedarf, trotz einer grunds=C3=A4tzlich <br>positiven Einstellung zur E=
U.<br><br>Warum brauchen wir den Vertrag von
 Lissabon?<br>Seit der letzten Anpassung der EU-Vertr=C3=A4ge in Nizza im J=
ahr 2001 sind <br>zw=C3=B6lf Staaten der EU beigetreten. Die EU hat sich da=
durch von 15 auf 27 <br>fast verdoppelt. Ein effektives und effizientes Han=
deln wurde der EU <br>dadurch erschwert. Es ist leicht verst=C3=A4ndlich, d=
ass 15 Staaten <br>Entscheidungen einfacher treffen k=C3=B6nnen als 27 Staa=
ten. Zumal die EU vor <br>allem aufgrund des Beitritts der zehn ost- und mi=
tteleurop=C3=A4ischen <br>Staaten heute heterogener ist als noch vor vier J=
ahren. Ich m=C3=B6chte <br>betonen, dass die Entwicklung der EU seit dem En=
de der <br>Blockkonfrontation und insbesondere die Erweiterung um 15 <br>Mi=
tgliedstaaten ein fast unglaublicher Erfolg ist.<br><br>Vor dem Hintergrund=
 dieser Entwicklung bringt der Vertrag von Lissabon <br>der Europ=C3=A4i-sc=
hen Union mehr Handlungsf=C3=A4higkeit, mehr Demokratie und =E2=80=93 <br>w=
enn auch nicht im Ver-tragstext =E2=80=93 mehr Transparenz. Die <br>Grundre=
chtecharta wird rechtsverbindlich,
 das Europ=C3=A4i-sche Parlament <br>(EP) wird in der Gesetzgebung gleichbe=
rechtigt, und die nationalen <br>Par-lamente bekommen eine eigenst=C3=A4ndi=
ge Rolle in Subsidiarit=C3=A4tsfragen. <br>Drei wichtige Fort-schritte des =
Vertrags von Lissabon.<br><br>Verst=C3=A4ndlichkeit des Vertrages von Lissa=
bon<br>Der Vertragstext selbst ist nicht leicht zu lesen. Es handelt sich u=
m <br>einen =C3=84nderungsver-trag, in dem lediglich die =C3=84nderungen de=
r geltenden <br>Vertr=C3=A4ge aufgef=C3=BChrt sind. Der Verfas-sungsvertrag=
 lag als verst=C3=A4ndlicher <br>Flie=C3=9Ftext vor, ist aber bekanntlich t=
rotz seiner besseren Lesbarkeit <br>gescheitert. Die Verf=C3=BCgbarkeit der=
 Ihnen bekannten konsolidierten <br>Fassung der ge=C3=A4nderten EU-Vertr=C3=
=A4ge in der Fassung von Lissabon ist daher <br>umso erfreulicher.<br><br>D=
er Vertragstext steht allerdings nicht im Gegensatz zum Ziel, <br>Entscheid=
ungen so offen und b=C3=BCrgernah wie m=C3=B6glich zu treffen. Die <br>ents=
cheidende Formulierung ist eben =E2=80=9Ewie m=C3=B6g-lich=E2=80=9C:
 es gibt angesichts <br>von 27 Mitgliedstaaten, mehreren EU-Institutionen u=
nd einer Viel-zahl <br>komplexer Politikbereiche eine Grenze, verst=C3=A4nd=
lich sein zu k=C3=B6nnen. Aber <br>auch wenn es w=C3=BCnschens- und erstreb=
enswert ist, dass alle Menschen in <br>Europa alles verstehen, m=C3=BCssen =
wir hinnehmen, dass Detailfragen nur von <br>Experten beantwortet werden k=
=C3=B6nnen. Vor diesem Hintergrund finde ich es <br>umso bemerkenswerter, d=
ass Sie sich die M=C3=BChe ge-macht haben, sich <br>inhaltlich und ausf=C3=
=BChrlich mit dem Vertragsinhalt und dessen <br>Auswir-kungen zu befassen.<=
br><br>Der Vertrag von Lissabon als europ=C3=A4ischer Verfassungsvertrag<br=
>Richtig ist, dass der Inhalt des Vertrags von Lissabon weitgehend mit <br>=
dem Inhalt des Ent-wurfs eines Vertrages =C3=BCber eine Verfassung f=C3=BCr=
 Europa <br>=C3=BCbereinstimmt. Auch wenn der Vertrag von Lissabon einige M=
erkmale einer <br>Verfassung aufweist und somit durchaus als europ=C3=A4isc=
he Verfassung gelten <br>kann, wurde das
 Wort =E2=80=9EVerfassung=E2=80=9C nach dem Scheitern der Referenden in <br=
>Frankreich und den Niederlanden bewusst vermieden. Allerdings nicht, um <b=
r>die B=C3=BCrgerinnen und B=C3=BCrger zu t=C3=A4uschen, sondern um Klarhei=
t zu schaffen: <br>der jetzige Titel =E2=80=9EVertrag von Lissabon=E2=80=9C=
 ist eindeutiger und <br>unmissverst=C3=A4ndlicher als der vorherige Titel =
=E2=80=9EEntwurf eines Vertrages <br>=C3=BCber eine Verfassung f=C3=BCr Eur=
opa=E2=80=9C.<br><br>Der Bielefelder Rechtsprofessor Dr. Franz Mayer hat ni=
chtsdestotrotz in <br>einer Anh=C3=B6rung vor dem EU-Ausschuss des Bundesta=
ges im M=C3=A4rz 2008 <br>ausdr=C3=BCcklich darauf hingewiesen, dass bereit=
s die Zustimmungsgesetze des <br>Bundestages zu den Vertr=C3=A4gen zur Gr=
=C3=BCndung der EGKS (1951) und zur <br>Europ=C3=A4ischen Wirtschaftsgemein=
schaft (1957) festgestellt ha-ben, dass <br>mit den Vertr=C3=A4gen ein euro=
p=C3=A4isches Gebilde verfassungsrechtlicher <br>Gattung ins Leben gerufen =
wurde. Materiell habe die europ=C3=A4ische <br>Integration auch ohne einen
 Verfas-sungsvertrag verfassungsrechtlichen <br>Charakter, so Professor May=
er. Das zeige sich an dem <br>ebenen=C3=BCbergreifenden Grundrechtsschutz, =
der Kompetenzabgrenzung und dem <br>Vor-rang des EU-Rechts vor nationalem R=
echt.<br><br>Der Vorrang des EU-Rechts ist in Artikel 23 Grundgesetz, dem E=
U-Artikel, <br>ausdr=C3=BCcklich verankert, da Bundestag und Bundesrat die =
M=C3=B6glichkeit <br>einger=C3=A4umt wird, Hoheitsrechte an die EU zu =C3=
=BCbertragen: =E2=80=9EDer Bund kann <br>(=E2=80=A6)durch Gesetz mit Zustim=
mung des Bundesrates Hoheitsrechte <br>=C3=BCbertragen.=E2=80=9C Au=C3=9Fer=
dem entspricht der Vorrang des EU-Rechts vor <br>nationa-lem Recht der Natu=
r der EU und der Rechtsprechung des EuGH (vgl. <br>Rechtssache 6/64, Costa =
gegen ENEL, 15. Juli 1964). Dieser Vorrang ist <br>erforderlich, da das mit=
 den EU-Vertr=C3=A4gen beschlossene Recht <br>anderenfalls keinerlei Wirkun=
g in den EU-Staaten entfalten w=C3=BCrde. Da <br>alle EU-Mitgliedstaaten un=
d das Europ=C3=A4ische Parlament sowohl an den
 <br>EU-Vertrags=C3=A4nderungen als auch an den EU-Entscheidungsverfahren <=
br>beteiligt waren und sind, ist der Vorrang hinreichend legitimiert.<br><b=
r>Der franz=C3=B6sische Verfassungsrat (das Pendant zum <br>Bundesverfassun=
gsgericht) hat be-reits im Dezember 2007 die <br>Vereinbarkeit des Vertrags=
 von Lissabon mit franz=C3=B6sischem <br>Verfassungsrecht gepr=C3=BCft und =
ist zu dem Schluss gekommen, dass der <br>Vertrag mit franz=C3=B6-sischem V=
erfassungsrecht vereinbar sei. Auch der <br>EU-Ausschuss des Bundestages ha=
t bisher mehrheitlich keinerlei Bedenken <br>ge=C3=A4u=C3=9Fert. Ich bin mi=
r sicher, dass der Vertrag von Lissabon =E2=80=93 ebenso wie <br>die gelten=
den EU-Vertr=C3=A4ge und der EU-Verfassungsvertrag =E2=80=93 mit dem <br>Gr=
undgesetz vereinbar ist.<br><br><br><br>Notwendigkeit von Verfassungs=C3=A4=
nderungen durch den Vertrag von Lissabon<br>Der Vertrag von Lissabon kann n=
ationale Verfassungs=C3=A4nderungen erfordern. <br>Das Begleit-gesetz zur R=
atifizierung des Vertrages von Lissabon, das
 dem <br>Bundestag vorliegt, sieht eine =C3=84nderung von Artikel 23 Grundg=
esetz vor. <br>Verfassungs=C3=A4nderungen erfordern im Bundestag eine Zweid=
rittelmehrheit, <br>die H=C3=BCrde ist also hoch. Auch der Bundesrat wird d=
em Begleitgesetz, mit <br>dem der Vertrag von Lissabon ratifiziert wird, zu=
stimmen m=C3=BCssen. Falls <br>eine B=C3=BCrgerin oder ein B=C3=BCrger sich=
 durch eine Regelung des Vertrags in <br>seinen Grund-rechten verletzt sehe=
n sollte, besteht die M=C3=B6glichkeit <br>einer Klage vor dem Bundesverfas=
-sungsgericht. Sie sehen, dass die <br>Ratifizierung kein einfaches Verfahr=
en unter Ausschluss der <br>=C3=96ffentlichkeit ist.<br><br>Durch die =C3=
=84nderung des Art. 23 GG werden u.a. die Rechte des Bundestages <br>bei de=
r Subsidiarit=C3=A4tskontrolle gest=C3=A4rkt. Zuk=C3=BCnftig soll bereits e=
in <br>Viertel der Mitglieder des Bun-destages eine Klage des Parlaments vo=
r <br>dem Europ=C3=A4ischen Gerichtshof ausl=C3=B6sen k=C3=B6nnen, falls di=
e Abgeordneten der <br>Meinung sind, die EU versto=C3=9Fe
 mit einem erlassenen Rechtsakt gegen das <br>Subsidiarit=C3=A4tsprinzip .<=
br><br>Ich m=C3=B6chte auch darauf hinweisen, dass der Deutsche Bundestag u=
nd die <br>SPD-Bundestagsfraktion im Jahr 2006 jeweils Verbindungsb=C3=BCro=
s in Br=C3=BCssel <br>geschaffen haben. Diese B=C3=BCros sollen dazu beitra=
gen, den Bundestag, <br>konkret die betreffenden Aussch=C3=BCsse und Abgeor=
dneten m=C3=B6glichst <br>fr=C3=BChzeitig =C3=BCber Diskussionen und geplan=
te Rechtsakte der EU zu <br>informieren. Dadurch werden die Einflussm=C3=B6=
glichkeiten des Bundestages <br>auf die Rechtsetzung der EU gest=C3=A4rkt.<=
br><br>=C3=9Cbertragung von Zust=C3=A4ndigkeiten an die EU<br>Die =C3=9Cber=
tragung vormals nationaler Zust=C3=A4ndigkeiten an die EU ist der <br>Kern =
der europ=C3=A4i-schen Integration und im bereits genannten Art. 23 Abs. <b=
r>1 GG vorgesehen: =E2=80=9EDer Bund kann (=E2=80=A6) durch Gesetz mit Zust=
immung des <br>Bundesrates Hoheitsrechte =C3=BCbertragen.=E2=80=9C Schon mi=
t der Gr=C3=BCndung der <br>Europ=C3=A4ischen Gemeinschaft f=C3=BCr Kohle u=
nd Stahl (EGKS)
 im Jahr 1951 <br>=C3=BCbertrugen die sechs Gr=C3=BCndungsstaaten die Kompe=
tenz der Zollpolitik f=C3=BCr <br>die G=C3=BCter Kohle und Stahl an eine ih=
nen =C3=BCbergeordnete Beh=C3=B6rde. Das Ziel <br>war damals wie heute, ein=
en gemeinsamen europ=C3=A4ischen Markt zu schaffen, <br>Vertrauen durch Zus=
ammen-arbeit zu stiften und infolgedessen Frieden und <br>Wohlstand in Euro=
pa zu f=C3=B6rdern. Die =C3=9Cber-tragung von Zust=C3=A4ndigkeiten an <br>d=
ie EU ist also nicht neu und hat sich bew=C3=A4hrt. Wer jetzt den Vertrag <=
br>von Lissabon daf=C3=BCr kritisiert, dass er das Prinzip der europ=C3=A4i=
schen <br>Integration best=C3=A4tigt, stellt den Jahrzehnte alten Prozess u=
nd Erfolg <br>der europ=C3=A4ischen Einigung in Frage. F=C3=BCr mich w=C3=
=A4re damit ein Punkt <br>erreicht, an dem eine Diskussion zwecklos wird.<b=
r><br>Zumal der Vertrag von Lissabon nicht grunds=C3=A4tzlich etwas an den =
<br>Zust=C3=A4ndigkeiten =C3=A4ndert: Es gilt (weiterhin, wie schon im gelt=
enden <br>Nizza-Vertrag) Artikel 5 Absatz 1 EUV i.V.m. Art. 3-6 AEUV:
 =E2=80=9EF=C3=BCr die <br>Abgrenzung der Zust=C3=A4ndigkeiten der Union gi=
lt der Grundsatz der <br>be-grenzten Einzelerm=C3=A4chtigung.=E2=80=9C Das =
hei=C3=9Ft, die EU ist nur in den <br>Bereichen zust=C3=A4ndig, die ihr dur=
ch die Vertr=C3=A4ge =C3=BCbertragen worden sind <br>(die ausschlie=C3=9Fli=
chen und geteilten Zust=C3=A4n-digkeitsbereiche der Union <br>sind in den n=
euen Artikeln 3 und 4 AEUV aufgef=C3=BChrt; aus-schlie=C3=9Flich <br>zust=
=C3=A4ndig ist die EU vor allem bei der Wettbewerbs-, Zoll- sowie <br>Hande=
ls- und W=C3=A4hrungspolitik).<br><br>Eine =E2=80=9EGeneralvollmacht=E2=80=
=9C (die sogenannte Kompetenz-Kompetenz) hatten die <br>Europ=C3=A4ische Ko=
mmission noch der Ministerrat oder das Parlament nie und <br>werden sie auc=
h zuk=C3=BCnftig nicht haben. Welche Zust=C3=A4ndigkeiten die EU <br>aus=C3=
=BCben darf, steht abschlie=C3=9Fend in den EU-Vertr=C3=A4gen. Und die Vert=
r=C3=A4ge <br>werden von den mittlerweile 27 EU-Staaten verhandelt, un-terz=
eichnet und <br>m=C3=BCssen schlie=C3=9Flich von 27 nationalen Parlamenten =
sowie dem EP <br>ratifi-ziert
 werden.<br><br>Demokratische Legitimit=C3=A4t im Vertrag von Lissabon<br>D=
ie demokratische Legitimit=C3=A4t der EU ist kompliziert, da sie nicht <br>=
allein durch eine Instituti-on gew=C3=A4hrleistet wird, sondern durch <br>m=
ehrere. Die nationalen Parlamente legitimieren und kontrollieren ihre <br>j=
eweiligen Regierungen in den Ministerr=C3=A4ten und dem Europ=C3=A4ischen R=
at. <br>Die direkte Mitwirkung als Gesetzgeber und die Kontrolle von Rat un=
d <br>Kommission erfolgt durch das Europ=C3=A4ische Parlament.<br><br>Die g=
leichberechtigten Mitentscheidungsrechte des Europ=C3=A4ischen <br>Parlamen=
ts werden durch den Vertrag von Lissabon ausgeweitet. Das <br>bedeutet eine=
 St=C3=A4rkung der Demokratie. Auch die Kommission wird st=C3=A4rker <br>an=
 das Europ=C3=A4ische Parlament gebunden: der Kommis-sionspr=C3=A4sident wi=
rd <br>zuk=C3=BCnftig im Lichte des Ergebnisses der Europawahl vom Rat <br>=
vorge-schlagen und vom Europ=C3=A4ischen Parlament gew=C3=A4hlt; die ganze =
<br>Kommission muss sich dem Votum des Parlaments
 unterwerfen.<br><br>Das Europ=C3=A4ische Parlament kann au=C3=9Ferdem k=C3=
=BCnftig =C3=BCber alle <br>Ausgabenbereiche mitent-scheiden (Budgetrecht).=
 Die bisherige <br>Beschr=C3=A4nkung seines Einflusses auf die nicht-obliga=
torischen Ausgaben <br>entf=C3=A4llt.<br><br>Auch die nationalen Parlamente=
 erhalten mehr Einwirkungsm=C3=B6glichkeiten. <br>Mit einer Subsi-diarit=C3=
=A4tsr=C3=BCge kann die Regelungskompetenz der EU zu <br>Beginn eines Geset=
zgebungspro-zesses kritisch =C3=BCberpr=C3=BCft werden. Die <br>Frist f=C3=
=BCr die Subsidiarit=C3=A4tspr=C3=BCfung durch die nationa-len Parlamente <=
br>wird von sechs auf acht Wochen verl=C3=A4ngert. Nach Abschluss eines <br=
>Ge-setzgebungsprozesses k=C3=B6nnen nationale Parlamente gegen die <br>Mis=
sachtung der Subsidi-arit=C3=A4t vor dem Europ=C3=A4ischen Gerichtshof (EuG=
H) <br>klagen.<br><br>Wenn im Rat der EU zus=C3=A4tzliche Bereiche von der =
Einstimmigkeit in die <br>Mehrheitsent-scheidung =C3=BCbergehen sollen, hab=
en die nationalen Parlamente <br>hier ein Widerspruchs-recht. Bereits die
 Ablehnung eines nationalen <br>Parlaments f=C3=BChrt endg=C3=BCltig dazu, =
dass der =C3=9Cbergang zu <br>Mehrheitsentscheidungen blockiert ist.<br><br=
>Todesstrafe / Grundrechtecharta /<br>Beitritt der EU zur Europ=C3=A4ischen=
 Menschenrechtskonvention (EMRK)<br>Ehrlich gesagt finde sich es sehr =C3=
=BCberraschend, wenn nicht sogar <br>erschreckend, dass ei-nige B=C3=BCrger=
innen und B=C3=BCrger, die sich mit dem <br>Vertrag von Lissabon besch=C3=
=A4ftigt haben, die Einf=C3=BChrung der Todesstrafe <br>f=C3=BCr den Fall d=
es Inkrafttretens der ge=C3=A4nderten EU-Vertr=C3=A4ge bef=C3=BCrchten. <br=
>Deshalb m=C3=B6chte ich eines ganz klar sagen: die Todesstrafe bleibt <br>=
abgeschafft. Der Artikel 102 Grundgesetz wird weiterhin gelten und ist <br>=
weder vom Vertrag von Lissabon noch vom zu dessen Ratifizierung <br>notwend=
igen Begleitgesetz betroffen.<br><br>Richtig ist, dass v=C3=B6lkerrechtlich=
e Vertr=C3=A4ge (z.B. die EU-Vertr=C3=A4ge und <br>auch die EMRK) von den j=
eweiligen Mitgliedstaaten, die diesen Vertr=C3=A4gen <br>beigetreten
 sind, diese Vertr=C3=A4ge grunds=C3=A4tzlich im Einklang mit dem <br>V=C3=
=B6lkerrecht k=C3=BCndig k=C3=B6nnten. Wenn also ein Staat Ver-tragspartei =
der EMRK <br>ist, aber die Todesstrafe wieder einf=C3=BChren m=C3=B6chte, w=
=C3=A4re ihm das im <br>Einklang mit dem V=C3=B6lkerrecht m=C3=B6glich, ind=
em er den Vertrag =C3=BCber seine <br>Zugeh=C3=B6rigkeit zur EMRK k=C3=BCnd=
igte. Das gleiche gilt auch f=C3=BCr die <br>EU-Vertr=C3=A4ge: durch den ne=
uen Art. 50 Abs. 1 EUV wird sogar das Recht der <br>EU-Mitgliedstaaten fest=
geschrieben, aus der EU auszutre-ten. Das war <br>zwar auch vor dem Vertrag=
 von Lissabon schon m=C3=B6glich, doch durch den <br>Art. 50 Abs. 1 EUV wir=
d dieses Austrittsrecht nun vertraglicher Inhalt.<br><br>Diese der Souver=
=C3=A4nit=C3=A4t der Staaten geschuldeten und allgemein <br>anerkannten Gru=
nds=C3=A4tze des V=C3=B6lkerrechts bedeuten jedoch nicht, dass <br>Deutschl=
and durch den Vertrag von Lissa-bon die Todesstrafe wieder <br>einf=C3=BChr=
en muss.<br><br>Im Gegenteil: durch die Aufnahme der EU-Grundrechtecharta i=
n den
 Vertrag <br>von Lissabon wird der EU-Grundrechtsschutz weiter ausgebaut. U=
nd Artikel <br>2 Absatz 1 der EU-Grundrechtecharta legt eindeutig fest, das=
s in den <br>Vertragsstaaten niemand zur Todes-strafe verurteilt oder hinge=
richtet <br>werden darf.=E2=80=9C<br><br>F=C3=BCr das Handeln der EU-Instit=
utionen, insbesondere f=C3=BCr ihre <br>Gesetzgebung, liegt mit der Grundre=
chtecharta erstmals ein in <br>geschlossener Form schriftlich niedergelegte=
r Grund-rechtskatalogs vor. <br>Bisher fu=C3=9Fte die Grundrechtsbindung al=
leine auf der vom EuGH aus den <br>Traditionen und Konzepten der Mitgliedst=
aaten entwickelten <br>Rechtsprechung. Der Schutz der Grundrechte durch das=
 Grundgesetz und das <br>Bundesverfassungsgericht wird somit erg=C3=A4nzt.<=
br><br>Sollte sich eine B=C3=BCrgerin oder ein B=C3=BCrger durch einen Rech=
tsakt der EU <br>in seinen bzw. ihren in der EU-Grundrechtecharta festgesch=
riebenen <br>Rechten verletzt f=C3=BChlen, kann er bzw. sie zuk=C3=BCnftig =
Klage beim <br>zust=C3=A4ndigen
 Gericht erheben. Durch die Pflicht der nationa-len Gerichte, <br>strittige=
 Fragen der Auslegung von EU-Recht beim EuGH vorzulegen, kann <br>dieser al=
s zust=C3=A4ndiges Gericht in seiner Vorabentscheidung die <br>Grundrechtsc=
harta be-r=C3=BCcksichtigen und ihr Geltung verschaffen. Ist die <br>B=C3=
=BCrgerin bzw. der B=C3=BCrger der Auffas-sung, sie bzw. er sei individuell=
 <br>und unmittelbar betroffen, kann sie bzw. er direkt beim EuGH Klage <br=
>einreichen und sich auf die EU-Grundrechtecharta beziehen.<br><br>Auch der=
 Artikel 1 des Protokolls Nr. 6 zur EMRK legt fest, dass die <br>Todesstraf=
e abge-schafft ist. Das bedeutet, dass neben den Regelungen im <br>Grundges=
etz und der EU-Grundrechtecharta ein weiterer Artikel eindeutig <br>und unm=
issverst=C3=A4ndlich festlegt, dass die Todesstrafe abgeschafft ist.<br><br=
>Deutschland m=C3=BCsste also das Grundgesetz nach den verfassungsrechtlich=
 <br>erforderlichen Verfahren und Mehrheiten =C3=A4ndern, aus der EU austre=
ten und <br>die EMRK
 und andere inter-nationale Menschenrechtsvertr=C3=A4ge der Vereinten <br>N=
ationen k=C3=BCndigen, um die Todesstrafe rechtm=C3=A4=C3=9Fig wieder einf=
=C3=BChren zu <br>k=C3=B6nnen. Es gibt derzeit nicht eine ernstzunehmende P=
oli-tikerin oder <br>einen ernstzunehmenden Politiker in  Deutschland, der =
die Einf=C3=BChrung der <br>To-desstrafe fordert.<br><br>Au=C3=9Ferdem m=C3=
=B6chte ich darauf hinweisen, dass sich die EU, insbesondere das <br>Europ=
=C3=A4ische Parlament, seit Jahren f=C3=BCr die weltweite Abschaffung der <=
br>Todesstrafe einsetzt. Im Februar 2007 hat das Europ=C3=A4ische Parlament=
 dazu <br>eine Erkl=C3=A4rung verabschiedet, in der es ein weltweites Morat=
orium der <br>Vereinten Nationen f=C3=BCr die Vollstreckung der Todesstrafe=
 for-dert. <br>Schlie=C3=9Flich ist die Todesstrafe in allen 27 EU-Mitglied=
staaten <br>abgeschafft und wird dies auch zuk=C3=BCnftig bleiben.<br><br>A=
u=C3=9Fen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik im Vertrag von Lissabon<b=
r>Die Au=C3=9Fen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitiken (GASP
 und GSVP) <br>bleiben auch im Vertrag von Lissabon intergouvernemental org=
anisiert. <br>Das bedeutet, es werden keine Entscheidungskompetenzen an die=
 EU <br>delegiert. Die Mitgliedstaaten verpflichten sich je-doch, ihre <br>=
nationalen Politiken zu koordinieren und auf europ=C3=A4ischer Ebene als <b=
r>gemein-same Positionen und Aktionen zusammen zu f=C3=BChren (Pooling stat=
t <br>Delegation).<br><br>Beschl=C3=BCsse der EU in den genannten Bereichen=
 erfordern grunds=C3=A4tzlich <br>auch weiterhin die Einstimmigkeit im Mini=
sterrat. Beschl=C3=BCsse mit <br>milit=C3=A4rischen oder verteidigungspolit=
ischen Bez=C3=BCgen m=C3=BCssen ausdr=C3=BCcklich <br>immer einstimmig getr=
offen werden.<br><br>Die eingeschr=C3=A4nkte Anh=C3=B6rungs- und Kontrollfu=
nktion des Europ=C3=A4ischen <br>Parlaments in der GASP/GSVP ist dem Umstan=
d geschuldet, dass die <br>Kompetenz in diesen Bereichen ma=C3=9Fgeblich be=
i den Mitgliedstaaten und <br>damit der nationalen Legitimation verbleibt. =
Da-durch ist die <br>Legitimation durch das
 nationale Parlament gefragt, in Deutschland durch <br>den Deutschen Bundes=
tag. Der deutsche Parlamentsvorbehalt f=C3=BCr <br>Auslandseins=C3=A4tze de=
r Bundeswehr auch im Rahmen von EU-Operationen wird <br>nicht angetastet. F=
=C3=BCr Deutschland hei=C3=9Ft dies, dass die Bundesregierung <br>nicht all=
ein =C3=BCber EU-Eins=C3=A4tze entscheidet. Das war in der Vergangenheit <b=
r>nicht der Fall und wird auch in Zukunft nicht der Fall sein.<br><br>=E2=
=80=9EMilitarisierung=E2=80=9C der EU?<br>Die EU wird auch mit Inkrafttrete=
n des Vertrags von Lissabon eine <br>Zivilmacht bleiben. Ich m=C3=B6chte in=
sbesondere auf den neuen Artikel 21 <br>Abs. 1 EUV hinweisen:<br><br>=E2=80=
=9EDie Union l=C3=A4sst sich bei ihrem Handeln auf internationaler Ebene vo=
n <br>den Grunds=C3=A4tzen leiten, die f=C3=BCr ihre eigene Entstehung, Ent=
wicklung und <br>Erweite-rung ma=C3=9Fgebend waren und denen sie auch weltw=
eit zu st=C3=A4rkerer <br>Geltung ver-helfen will: Demokratie, Rechtstaatli=
chkeit, die universelle <br>G=C3=BCltigkeit und Unteil-barkeit
 der Menschenrechte und Grundfreiheiten, <br>die Achtung der Menschen-w=C3=
=BCrde, der Grundsatz der Gleichheit und der <br>Grundsatz der Solidarit=C3=
=A4t sowie die Achtung der Grunds=C3=A4tze der Vereinten <br>Nationen und d=
es V=C3=B6lkerrechts.=E2=80=9C<br><br>Erfreulich ist auch, dass die Petersb=
erg-Aufgaben (vgl. Art. 43 Abs. 1 <br>EUV) erweitert wur-den, die festlegen=
 zu welchen Zwecken GASP und GSVP <br>dienen sollen. Die nun aufge-nommenen=
 Aufgaben umfassen nun:<br><br>=E2=80=93=09Gemeinsame Abr=C3=BCstungsma=C3=
=9Fnahmen,<br>=E2=80=93=09milit=C3=A4rische Beratung und Unterst=C3=BCtzung=
 von Drittstaaten,<br>=E2=80=93=09Ma=C3=9Fnahmen der Konfliktverh=C3=BCtung=
 und<br>=E2=80=93=09Ma=C3=9Fnahmen der Konfliktnachsorge.<br><br>Die Peters=
berg-Aufgaben verdeutlichen das Ziel der EU, Konflikten aktiv <br>und mit n=
icht-milit=C3=A4rischen Mitteln vorzubeugen. Die seit 1999 <br>entwickelten=
 operativen F=C3=A4higkeiten der EU zum Krisenmanagement werden <br>im Vert=
rag von Lissabon hervorgehoben und die zivi-len F=C3=A4higkeiten <br>betont=
. Die Mehrzahl
 der EU-Operationen der vergangenen Jahre war (und <br>ist) dementsprechend=
 ziviler Natur (z.B. EUPOL Afghanistan, EUPOL RD <br>Congo, EULEX Kosovo, E=
U BAM Rafah).<br><br>Der Europ=C3=A4ische Rat wird die strategischen Ziele =
und Interessen der EU <br>auf der Grundla-ge der in Artikel 21 EUV aufgef=
=C3=BChrten Grunds=C3=A4tze und <br>Ziele festlegen (vgl. Artikel 22 EUV). =
Diese Ziele sind u.a. (vgl. Art. <br>21 EUV):<br><br>a)=09die Werte, grundl=
egenden Interessen, Sicherheit, Unabh=C3=A4ngigkeit und <br>Unversehrt-heit=
 der EU zu wahren;<br>b)=09Demokratie, Rechtstaatlichkeit, die Menschenrech=
te und die Grunds=C3=A4tze <br>des V=C3=B6l-kerrechts zu festigen und zu f=
=C3=B6rdern;<br>c)=09nach Ma=C3=9Fgabe der Ziele und Grunds=C3=A4tze der Ch=
arta der Vereinten <br>Nationen sowie der Prinzipien der Schlussakte von He=
lsinki und der Ziele <br>der Charta von Paris, ein-schlie=C3=9Flich derjeni=
gen, die die Au=C3=9Fengrenzen <br>betreffen, den Frieden zu erhalten, Konf=
likte zu verh=C3=BCten und die <br>internationale
 Sicherheit zu st=C3=A4rken.<br><br>Die EU wird =E2=80=93 wie in der Vergan=
genheit =E2=80=93 ihre Werte und Interessen <br>international f=C3=B6rdern.=
 Das ist legitim und im Interesse der B=C3=BCrgerinnen <br>und B=C3=BCrger =
der EU. Diese Interessenver-tretung bedeutet nicht, dass die <br>EU ihre We=
rte und Interessen mit milit=C3=A4rischen Mitteln =E2=80=9Emissionarisch=E2=
=80=9C <br>durchsetzen wird. Sie wird aber auch keine Drittstaaten f=C3=B6r=
dern, die die <br>im Vertrag festgelegten Werte und Interessen der EU verle=
tzen.<br><br>=E2=80=9EWeltweite Kampfeins=C3=A4tze=E2=80=9C =E2=80=93 von s=
o manchem Kritiker des Vertrags von <br>Lissabon bef=C3=BCrch-tet =E2=80=93=
 wird es vor dem Hintergrund dieser im Vertrag von <br>Lissabon festgeschri=
eben Werte, Ziele und Interessen auch zuk=C3=BCnftig <br>nicht geben. Zumal=
 selbst die f=C3=A4higsten europ=C3=A4ischen Streitkr=C3=A4fte, <br>diejeni=
gen Frankreichs und Gro=C3=9Fbritanniens, kaum zum sogenannten =E2=80=9Ewar=
 <br>fighting=E2=80=9C nach US-amerikanischer Manier in der Lage sind.<br><=
br>Die Bedenken, dass die EU
 durch den Vertrag von Lissabon militarisiert <br>w=C3=BCrde, sind somit un=
begr=C3=BCndet. Die Ablehnung der Gemeinsamen <br>Sicherheits- und Verteidi=
gungspolitik der EU (GSVP) ist nur unter der <br>Annahme nachvollziehbar, d=
ass der Einsatz milit=C3=A4rischer Mit-tel <br>grunds=C3=A4tzlich abgelehnt=
 wird. Anderenfalls sollte die europ=C3=A4ische <br>Ohnmacht w=C3=A4hrend d=
er Balkan-Kriege der 1990er Jahre verdeutlicht haben, <br>dass die EU milit=
=C3=A4rische F=C3=A4higkei-ten ben=C3=B6tigt, um ihre Werte und <br>Interes=
sen verteidigen zu k=C3=B6nnen, ohne auf die Hilfe der USA angewiesen <br>z=
u sein.<br><br>Die Europ=C3=A4ische Verteidigungsagentur (EVA) wurde einger=
ichtet, um die <br>R=C3=BCstungsma=C3=9F-nahmen der EU-Staaten zu koordinie=
ren und effizienter zu <br>gestalten (Art. 42 Abs. 3 i.V.m. Art. 45 EUV). D=
erzeit besteht ein <br>eklatantes Ungleichgewicht zwischen den summierten R=
=C3=BCstungsausgaben der <br>EU-Staaten und den vorhandenen milit=C3=A4risc=
hen F=C3=A4higkeiten. An-gesichts <br>zunehmender
 Anfragen der Vereinten Nationen an die EU-Staaten, zivile <br>und milit=C3=
=A4rische F=C3=A4higkeiten zur Krisenpr=C3=A4vention, Krisenbew=C3=A4ltigun=
g <br>oder Krisennachsorge zur Verf=C3=BCgung zu stellen, m=C3=BCssen die <=
br>Mitgliedstaaten ihre Kapazit=C3=A4ten verbessern. Das w=C3=A4re bei eine=
r <br>angemessenen europ=C3=A4ischen Arbeitsteilung auch m=C3=B6glich und s=
innvoll. <br>Diese Zusammenarbeit soll die EVA f=C3=B6rdern. Im Ergebnis so=
ll dadurch eine <br>quantitative Abr=C3=BCstung bei gleichzeitig qualitativ=
 verbesserten <br>milit=C3=A4rischen F=C3=A4higkeiten erreicht wer-den.<br>=
<br>Eine Verpflichtung der Mitgliedstaaten zur Aufr=C3=BCstung enth=C3=A4lt=
 der <br>Vertrag von Lissabon dagegen nicht. Auch bei der St=C3=A4ndigen <b=
r>Strukturierten Zusammenarbeit (Art. 42 Abs. 6 und Art. 46 EUV und <br>Pro=
tokoll zur St=C3=A4ndigen Strukturierten Zusammenarbeit) gilt der <br>Grund=
-satz: die EU-Staaten entscheiden, ob sie teilnehmen wollen oder <br>nicht =
(vgl. insbesondere Art. 46 Abs. 1 EUV).<br><br>Die
 Sofortfinanzierung ziviler GSVP-Ma=C3=9Fnahmen (Vorbereitung von <br>Missi=
onen) wird durch den R=C3=BCckgriff auf EU-Haushaltsmittel verbessert <br>(=
Art. 41 Abs. 3 EUV). Zudem wird mit In-krafttreten des Vertrags von <br>Lis=
sabon ein Anschubsfonds (vgl. ebenfalls Art. 41 Abs. 3 EUV) aus <br>Beitr=
=C3=A4gen der Mitgliedstaaten eingerichtet, um milit=C3=A4rische Operatione=
n <br>zu fi-nanzieren. Der Fonds ist notwendig, denn die vergangenen <br>EU=
-Eins=C3=A4tze haben gezeigt, dass die Frage, wer den Einsatz bezahlt, den =
<br>Einsatz verz=C3=B6gert. Das kann aber im Falle einer akuten Krisen, in =
der <br>das Leben von Menschen in Gefahr ist, nicht im Sinne der EU sein. Z=
udem <br>entspricht eine solche zeitliche Verz=C3=B6gerung nicht dem Ansatz=
 einer <br>m=C3=B6g-lichst fr=C3=BChzeitigen Krisenvorbeugung und Krisenman=
agement.<br><br>Milit=C3=A4rische Sicherheit wird nicht =E2=80=9Ezur neuen =
Heilslehre erhoben=E2=80=9C, ein <br>ebenfalls h=C3=A4ufig ge-=C3=A4u=C3=9F=
erter Verdacht. Die EU-Mitgliedstaaten und somit <br>auch
 die EU verstehen Sicherheit umfassend und zuerst nicht-milit=C3=A4risch. <=
br>Ich m=C3=B6chte an dieser Stelle nur auf die Europ=C3=A4i-sche <br>Siche=
rheitsstrategie aus dem Jahr 2003 hinweisen; dort ist ausdr=C3=BCcklich <br=
>die Rede davon, dass Sicherheitspolitik nicht allein und auch nicht <br>zu=
vorderst milit=C3=A4risch verstanden wird. Wir, d.h. insbesondere die SPD, =
<br>wollen Konflikten fr=C3=BChzeitig vorbeugen. Das erfordert u.a. die <br=
>Bek=C3=A4mpfung sozialer Unsicherheit, insbesondere Armut und Hunger und d=
ie <br>D=C3=A4mpfung des Klimawandels. Diese Ziele und die dazu notwendigen=
 Mittel <br>lassen sich im Vertrag von Lissabon ebenso finden wie in zahlre=
ichen <br>weiteren EU- und nationalen Do-kumenten. Milit=C3=A4rische Mittel=
 bleiben die <br>letzten Mittel, die angewandt werden sollen. Und auch nur =
dann, wenn <br>alle anderen zuvor versagt haben.<br><br>Deutschland und die=
 EU haben kein Interesse an einer Gef=C3=A4hrdung des <br>Friedens in Euro-=
pa oder irgendwo sonst auf der
 Welt. Im Gegenteil: Ziel <br>nicht nur der Sozialdemokratie ist es nach wi=
e vor, den Frieden in <br>Europa und der Welt zu f=C3=B6rdern.<br>Ich m=C3=
=B6chte auch darauf hinweisen, dass der Individualrechtsschutz durch <br>di=
e zuk=C3=BCnftige Zust=C3=A4ndigkeit des Europ=C3=A4ischen Gerichtshofes (E=
uGH) f=C3=BCr <br>den Bereich der GASP gest=C3=A4rkt wird. Das ist ein ganz=
 wichtiger Schritt <br>angesichts der Bek=C3=A4mpfung des internationalen T=
errorismus. Wichtig ist, <br>dass diese Regelung die Rechte der EU-B=C3=BCr=
ger vor einer Verlet-zung durch <br>EU-Institutionen (insbesondere durch re=
striktive Ma=C3=9Fnahmen) sch=C3=BCtzen <br>soll; der nationale Schutz der =
Grundrechte wird also erg=C3=A4nzt.<br><br>Solidarit=C3=A4tsklausel / Einsa=
tz der Bundeswehr im Inneren?<br>Ich habe mich pers=C3=B6nlich mehrmals an =
die Bundesregierung genannt und mir <br>versichern lassen, dass die in Arti=
kel 222 AEUV geregelte <br>Solidarit=C3=A4tsklausel nicht den Einsatz der B=
undeswehr oder sonstigen <br>Milit=C3=A4rs im Inneren
 =C3=BCber die bereits geltende Ausnahme im Rahmen der <br>Amtshilfe (vgl. =
Artikel 35 Grundgesetz) erm=C3=B6glicht. Das Ausw=C3=A4rtige Amt <br>stell-=
te ausdr=C3=BCcklich klar, =E2=80=9Edass die Solidarit=C3=A4tsklausel keine=
rlei <br>Verpflichtung der Mitgliedstaa-ten enth=C3=A4lt, die Hilfe anderer=
 <br>Mitgliedstaaten und der Union [im Falle eines Terroran-schlags oder <b=
r>einer von der Natur oder einem Menschen verursachten Katastrophe] in <br>=
An-spruch zu nehmen.=E2=80=9C (Vgl. auch die Antwort der Bundesregierung au=
f die <br>Kleine Anfrage der FDP vom 2. April 2008, Bundestags-Drucksachenn=
ummer <br>16/8726.) Ich m=C3=B6chte auch darauf hinweisen, dass es die SPD =
ist, die <br>sich innerhalb der Gro=C3=9Fen Koalition gegen Be-strebungen d=
er CDU-Minister <br>Wolfgang Sch=C3=A4uble und Franz-Josef Jung eingesetzt =
hat, die Bundeswehr im <br>Inneren einsetzen zu k=C3=B6nnen.<br><br>Au=C3=
=9Fenhandelspolitik / Entwicklungszusammenarbeit / Humanit=C3=A4re Hilfe<br=
>Die Beziehungen der EU zu Drittstaaten werden gepr=C3=A4gt
 vom Prinzip der <br>Partnerschaft (Art. 21 Abs. 1 EUV). Art. 21 Abs. 2 lit=
. d EUV legt <br>unmissverst=C3=A4ndlich fest, dass die Politik der EU dara=
uf abzielen soll, <br>=E2=80=9Edie nachhaltige Entwicklung in Bezug auf Wir=
tschaft, Gesell-schaft und <br>Umwelt in den Entwicklungsl=C3=A4ndern zu f=
=C3=B6rdern mit dem vorrangigen Ziel, <br>die Armut zu beseitigen=E2=80=9C.=
 Dem steht nicht das Ziel entgegen, =E2=80=9Edie <br>Integration aller L=C3=
=A4nder in die Weltwirtschaft zu f=C3=B6rdern, unter anderem <br>auch durch=
 den schrittweisen Abbau interna-tionaler Handelshemmnisse=E2=80=9C <br>(Ar=
t. 21 Abs. 2 lit. e EUV). Es ist Aufgabe der EU und ihrer <br>Mitgliedstaat=
en, ihre Au=C3=9Fenhandelspolitik so zu gestalten, dass der <br>Abbau der H=
andels-schranken dem Kampf gegen die Armut dient.<br><br>Im Vertrag von Lis=
sabon hei=C3=9Ft es unmissverst=C3=A4ndlich, dass die <br>Verringerung und =
schlie=C3=9F-lich die Beseitigung der Armut das Hauptziel <br>der Entwicklu=
ngszusammenarbeit der Euro-p=C3=A4ischen Union sind.
 Dieses Ziel <br>muss im Auge behalten werden, wenn die Union politi-sche M=
a=C3=9Fnahmen <br>einleitet, die sich auf Entwicklungsl=C3=A4nder auswirken=
 k=C3=B6nnten (Art. 208 <br>ff. AEUV). Dies bedeutet, dass die Entwicklungs=
politik als eigenst=C3=A4ndige <br>Politik betrachtet wird, und nicht als =
=E2=80=9EAnh=C3=A4ngsel=E2=80=9C der Gemeinsamen <br>Au=C3=9Fen- und Sicher=
heitspolitik.<br>Dar=C3=BCber hinaus wird mit dem Vertrag von Lissabon zum =
ersten Mal eine <br>besondere Rechtsgrundlage f=C3=BCr humanit=C3=A4re Hilf=
e geschaffen (Art. 214 <br>AEUV). Durch diese Bestim-mung werden die Besond=
erheit der politischen <br>Ma=C3=9Fnahmen und die Einhaltung der Grunds=C3=
=A4tze des internationalen Rechts <br>unterstrichen, vor allem Unparteilich=
keit und Nicht-diskriminierung.<br><br>Im Vertrag von Lissabon werden Entwi=
cklungszusammenarbeit und humanit=C3=A4re <br>Hilfe als =E2=80=9EBereiche p=
aralleler Zust=C3=A4ndigkeit=E2=80=9C klassifiziert (Art. 208 <br>Abs. 1 AE=
UV): dies bedeutet, dass die Union eine unabh=C3=A4ngige Politik
 <br>betreibt, durch die weder einzelne Mitgliedstaaten in der Aus=C3=BCbun=
g ihrer <br>Zust=C3=A4ndigkeiten behindert werden, noch die Politik der Uni=
on als reine <br>Erg=C3=A4nzung zu derjenigen der Mitgliedstaaten fungiert.=
<br><br>Daseinsvorsorge und soziale Dimension der EU<br>Hervorzuheben ist a=
uch, dass der Vertrag von Lissabon erstmals <br>festschreibt, dass das Prin=
zip des unverf=C3=A4lschten Wettbewerbs nicht mehr <br>Ziel, sondern Instru=
ment der EU ist. Es soll den Zielen der EU, <br>Vollbesch=C3=A4ftigung, soz=
ialer Fortschritt und Preisstabilit=C3=A4t die-nen.<br><br>Der Artikel 14 A=
EUV zu den Diensten von allgemeinem wirtschaftlichem <br>Interesse (im Deut=
schen auch als Daseinsvorsorge bezeichnet) und das <br>dazugeh=C3=B6rige Pr=
otokoll bieten erstmals eine Grundlage f=C3=BCr eine <br>europarechtliche S=
icherung der =C3=B6ffentlichen Daseinsvor-sorge. Dies ist <br>ein wichtiges=
 Anliegen der SPD, denn die vier Freiheiten des <br>europ=C3=A4ischen Binne=
nmarkts d=C3=BCrfen nicht zu einer
 Privatisierung <br>=C3=B6ffentlicher Dienste zulasten der Verb-raucherinne=
n und Verbraucher <br>f=C3=BChren. Durch diese Regelungen wird die Daseinsv=
orsorge von dem <br>uneingeschr=C3=A4nkten Wettbewerbsprinzip ausgenommen.<=
br><br>Die EU-Grundfreiheiten geh=C3=B6ren allerdings zum Kern der EU und t=
ragen <br>grunds=C3=A4tzlich  ebenso zum Wohlstand und zur Freiheit der B=
=C3=BCrgerinnen und <br>B=C3=BCrger bei, wie der unver-f=C3=A4lschte Wettbe=
werb. Letzterer sorgt im <br>Allgemeinen f=C3=BCr sinkende Preise und ein g=
r=C3=B6=C3=9Feres Angebot =E2=80=93 beides im <br>Interesse der Verbraucher=
in und des Verbrauchers. Es ist allerdings <br>Aufgabe der EU und der Mitgl=
iedstaaten, darauf hinzuwirken, dass die <br>Grundfreiheiten und das Prinzi=
p des unverf=C3=A4lschten Wettbewerbs keine <br>negativen Auswirkungen habe=
n. Die ge=C3=A4nderte Dienstleistungsrichtlinie <br>hat gezeigt, dass der B=
undestag und das Europ=C3=A4ische Parlament solche <br>negativen Effekte du=
rchaus verhindern k=C3=B6nnen.<br><br>Ich hoffe, dass ich
 Ihnen Ihre Fragen beantworten und Ihre Bedenken <br>ausr=C3=A4umen konnte.=
 Zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen werde ich <br>mein Bestes tun=
, um zur Her-ausbildung eines europ=C3=A4ischen politischen <br>Bewusstsein=
s beizutragen und die B=C3=BCrgerinnen und B=C3=BCrger =C3=BCber den Vertra=
g <br>von Lissabon zu informieren. Ich w=C3=A4re Ihnen dankbar, wenn Sie eb=
enfalls <br>einen Beitrag zu einem besseren und vorbehaltlosen Verst=C3=A4n=
dnis des <br>Ver-trags von Lissabon leisten w=C3=BCrden.<br><br>Mit freundl=
ichem Gru=C3=9F<br>Ihre<br>Renate Schmidt<br><br><br>Renate Schmidt, MdB<br=
>Friedrich-List-Str. 5<br>91054 Erlangen<br>Tel: 09131 - 81265 34<br>Fax: 0=
9131 - 81265 35<br>mail: renate.schmidt@bundestag.de<br><br><br>l.wettig@ya=
hoo.de schrieb:<br>&gt; Sehr geehrte Frau Schmidt,<br>&gt; <br>&gt; am 25. =
April entscheidet der Bundestag =C3=BCber den so genannten Lissabonner<br>V=
ertrag, auch EU-Reformvertrag genannt. Der Vertrag ist undemokratisch, aus<=
br>sozialer Sicht
 hochproblematisch und er wird die Militarisierung der Union<br>entscheiden=
d weiter vorantreiben. Deshalb m=C3=B6chte ich Sie hiermit bitten, gegen<br=
>diesen EU-Vertrag zu stimmen oder sich wenigstens daf=C3=BCr einzusetzen, =
dass die<br>=C3=96ffentlichkeit an diesem Prozess beteiligt wird.&lt;/p&gt;=
<br>&gt; <br>&gt; *Undemokratisch*<br>&gt; Obwohl der EU-Verfassungsvertrag=
 im Jahr 2005 von der franz=C3=B6sischen und<br>niederl=C3=A4ndischen Bev=
=C3=B6lkerung abgelehnt wurde, soll nun versucht werden, mit<br>dem sog. Re=
formvertrag (auch: "Vertrag von Lissabon") seine<br>wesentlichen Inhalte in=
 kaum abgewandelter Form durch die Hintert=C3=BCr zu<br>verabschieden. Der =
Reformvertrag ist nichts anderes als alter Wein in neuen<br>Schl=C3=A4uchen=
, er ignoriert das Votum in Frankreich und den Niederlanden und<br>wurde er=
neut im stillen K=C3=A4mmerlein unter Ausschluss der europ=C3=A4ischen<br>=
=C3=96ffentlichkeit ausgehandelt. Selbst die Bundesregierung r=C3=A4umt in =
einer<br>Presseerkl=C3=A4rung (7.11.2007)
 unumwunden ein: "Der Begriff 'Verfassung<br>f=C3=BCr Europa' war nach der =
Ablehnung bei den Volksabstimmungen in Frankreich<br>und den Niederlanden n=
icht mehr haltbar. Das erkl=C3=A4rte Ziel der deutschen<br>Ratspr=C3=A4side=
ntschaft war es aber, die Substanz der Verfassung zu erhalten. Dies<br>konn=
te erreicht werden."<br>&gt; <br>&gt; *Sozialpolitisch kontraproduktiv*<br>=
&gt; Mit dem Lissabonner Vertrag wird eine bestimmte - und zwar die neolibe=
rale<br>- Wirtschaftsform festgeschrieben, obwohl damit seit Jahrzehnten ei=
ne Verarmung<br>weiter Teile der Bev=C3=B6lkerung innerhalb der Europ=C3=A4=
ischen Union, vor allem aber<br>in der sog. Dritten Welt einhergeht. In Art=
ikel 98 etwa hei=C3=9Ft es: "Die<br>Mitgliedstaaten und die Union handeln i=
m Einklang mit dem Grundsatz einer<br>offenen Marktwirtschaft mit freiem We=
ttbewerb." Besonders perfide ist es,<br>wenn der Reformvertrag in Artikel 1=
0a angibt, die Europ=C3=A4ische Union bekenne<br>sich zu dem "vorrangigen Z=
iel, die Armut zu
 beseitigen", nur um im<br>n=C3=A4chsten Satz als zentrale Ma=C3=9Fnahme hi=
erf=C3=BCr folgendes zu benennen: "die<br>Integration aller L=C3=A4nder in =
die Weltwirtschaft zu f=C3=B6rdern, unter anderem auch<br>durch den schritt=
weisen Abbau internationaler Handelshemmnisse." Es ist<br>allgemein bekannt=
, dass diese Ma=C3=9Fnahmen die weltweite Armut vergr=C3=B6=C3=9Fern, sich<=
br>aber als hochprofitabel f=C3=BCr die europ=C3=A4ischen Gro=C3=9Fkonzerne=
 erwiesen haben.<br>Gleichzeitig ist di<br>ese<br>&gt;   Armut, wie selbst =
die Weltbank mittlerweile einr=C3=A4umt, der wichtigste<br>Grund f=C3=BCr d=
as Ausbrechen gewaltsamer Konflikte in der Dritten Welt, die dann<br>wieder=
um milit=C3=A4risch "befriedet" werden m=C3=BCssen, um den Dampfkessel<br>d=
er Globalisierungskonflikte unter Kontrolle zu halten.<br>&gt; <br>&gt; *Mi=
litarisierung durch die Hintert=C3=BCr*<br>&gt; S=C3=A4mtliche bereits an d=
er EU-Verfassung kritisierten<br>Militarisierungsaspekte wurden auch in den=
 Lissabonner Vertrag =C3=BCbernommen.<br>Kernpunkte der Kritik
 waren und sind:<br>&gt; <br>&gt; - Weltweite EU-Kampfeins=C3=A4tze mit nah=
ezu unbegrenztem Aufgabenspektrum:<br>Artikel 28b, Absatz 1 benennt u.a. "g=
emeinsame<br>Abr=C3=BCstungsma=C3=9Fnahmen", "Kampfeins=C3=A4tze" und "Oper=
ationen<br>zur Stabilisierung der Lage" sowie "die Unterst=C3=BCtzung f=C3=
=BCr<br>Drittl=C3=A4nder bei der Bek=C3=A4mpfung des Terrorismus in ihrem H=
oheitsgebiet"<br>als Aufgabenspektrum k=C3=BCnftiger EU-Kriege.<br>&gt; <br=
>&gt; - Milit=C3=A4reins=C3=A4tze im Inneren: In Artikel 188 wird festgesch=
rieben, dass<br>die EU "alle ihr zur Verf=C3=BCgung stehenden Mittel, einsc=
hlie=C3=9Flich der ihr<br>von den Mitgliedstaaten bereitgestellten milit=C3=
=A4rischen Mittel"<br>mobilisiert, um "terroristische Bedrohungen im Hoheit=
sgebiet von<br>&gt; Mitgliedstaaten abzuwenden". Dies bedeutet nichts ander=
es als den<br>m=C3=B6glichen Einsatz von Milit=C3=A4r im Inneren der EU zur=
 Abwendung von so<br>genannten Terrorgefahren. Damit soll EU-vertraglich ei=
ne weitere<br>Militarisierung der EU-Innenpolitik
 erm=C3=B6glicht werden.<br>&gt; <br>&gt; - Vertragliche Aufr=C3=BCstungsve=
rpflichtung: Artikel 28a, Absatz 3 enth=C3=A4lt<br>erneut die bis dato einm=
alige Verpflichtung, mehr Gelder in den R=C3=BCstungssektor<br>zu investier=
en: "Die Mitgliedstaaten verpflichten sich, ihre milit=C3=A4rischen<br>F=C3=
=A4higkeiten schrittweise zu verbessern." Die bereits 2004 eingerichtete<br=
>EU-R=C3=BCstungsagentur soll die Einhaltung dieser Vorschrift =C3=BCberwac=
hen und im<br>Lissabonner Vertrag prim=C3=A4rrechtlich verankert werden.<br=
>&gt; <br>&gt; - Endg=C3=BCltige Einrichtung eines EU-eigenen Milit=C3=A4rh=
aushalts: Der bislang<br>noch g=C3=BCltige Nizza-Vertrag verbietet die Aufs=
tellung eines<br>EU-Milit=C3=A4rhaushalts, was sich bislang als erheblicher=
 Hemmschuh f=C3=BCr die<br>Militarisierung der EU erwiesen hat. Deshalb wir=
d im Lissabonner Vertrag<br>&gt; (Artikel 28, Absatz 3) der Europ=C3=A4isch=
en Union erstmalig die M=C3=B6glichkeit<br>er=C3=B6ffnet, einen als "Anschu=
bfonds" bezeichneten EU-eigenen<br>Milit=C3=A4retat
 aufzustellen.<br>&gt; <br>&gt; - Keine parlamentarische Kontrollm=C3=B6gli=
chkeit von EU-Milit=C3=A4reins=C3=A4tzen:<br>&gt; =C3=9Cber EU-Milit=C3=A4r=
eins=C3=A4tze entscheiden allein die Staats- und<br>Regierungschefs der EU.=
 Das Europ=C3=A4ische Parlament hat im Lissabonner Vertrag<br>(Artikel 21) =
lediglich das Recht formal "angeh=C3=B6rt" und<br>"unterrichtet" zu werden,=
 (mit)entscheiden darf es nicht. Da auch<br>vertraglich die Nichtzust=C3=A4=
ndigkeit des Europ=C3=A4ischen Gerichtshof (EUGH)<br>festgeschrieben wurde =
(Art. 240a), wird somit die Gewaltenteilung in der<br>entscheidenden Frage =
von Krieg und Frieden de facto aufgehoben.<br>&gt; <br>&gt; - Kerneuropa - =
nur wer Krieg f=C3=BChrt, darf mitbestimmen: EU-Mitglieder, die<br>sich mil=
it=C3=A4risch hierf=C3=BCr qualifiziert haben, indem sie an den wichtigsten=
<br>Aufr=C3=BCstungsprogrammen teilnehmen und Interventionstruppen (Battle =
Groups) zur<br>Verf=C3=BCgung stellen, k=C3=B6nnen eine "St=C3=A4ndige Stru=
kturierte<br>Zusammenarbeit" eingehen, mit der das eigentlich
 f=C3=BCr den au=C3=9Fen- und<br>sicherheitspolitischen Bereich geltende Ko=
nsensprinzip ausgehebelt wird<br>(Artikel 28e, Absatz 6). Das Einstimmigkei=
tsprinzip bezieht sich "allein<br>auf die Stimmen der Vertreter der an der =
Zusammenarbeit teilnehmenden<br>Mitgliedstaaten."<br>&gt; <br>&gt; - Machtv=
erschiebung zugunsten der Gro=C3=9Fm=C3=A4chte: Schon die EU-Verfassung<br>=
sah mit der sog. doppelten Mehrheit eine dramatische Verschiebung der<br>Ma=
chtverh=C3=A4ltnisse im wichtigsten EU-Gremium, dem Rat der Staats- und<br>=
Regierungschefs, vor. Dies bedeutet f=C3=BCr Deutschland etwa eine Verdoppl=
ung der<br>Stimmanteile im Rat (die anderen Gewinner sind Frankreich, Gro=
=C3=9Fbritannien und<br>Italien), w=C3=A4hrend die kleinen und mittleren EU=
-L=C3=A4nder deutlich an Einfluss<br>verlieren. Mit dem Reformvertrag (Arti=
kel 9c) wird diese dramatische<br>Machtverschiebung im<br>&gt; Jahr 2014 al=
s g=C3=A4ngige Praxis eingef=C3=BChrt.<br>&gt; <br>&gt; <br>&gt; Ich hoffe,=
 Sie teilen meine Auffassung, dass die
 hier genannten Aspekte<br>des Lissabonner Vertrages einer Europ=C3=A4ische=
n Union, die sich f=C3=BCr sozialen<br>Ausgleich und eine friedliche Welt e=
insetzt, abtr=C3=A4glich sind und werden sich<br>bei der anstehenden Abstim=
mung dementsprechend<br>&gt; verhalten. Also stimmen Sie bitte gegen die Ra=
tifizierung des Lissabonner<br>Vertrages.<br>&gt; <br>&gt; Mit freundlichen=
 Gr=C3=BC=C3=9Fen,<br>&gt; Lutz Wettig<br>&gt; <br>&gt; Lutz Wettig<br>&gt;=
 Erlangen<br>&gt; l.wettig@yahoo.de<br>&gt;</b></pre></blockquote></td></tr=
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