Appell der Initiative an OB Sierau

Appell an Oberbürgermeister Sierau (abgesandt am 2.9.2013)

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

mit der kommunalen Beteiligung am Energiekonzern STEAG hat Dortmund auch Verantwortung übernommen für die Bedingungen, unter denen die Kohle abgebaut wird, die STEAG vertreibt und nach Deutschland einführt. Besondere Sorge bereitet die Kohle, die STEAG von der Mine El Cerrejón aus Kolumbien bezieht. Während STEAG behauptet,

Die Genehmigung sowie weitere von staatlicher Seite gesetzte Rahmenbedingungen (z.B. Umweltauflagen, Regeln für Umsiedlungen) werden von Cerrejón nach unseren Erkenntnissen ebenso eingehalten wie relevante internationale Standards.“

erhalten wir von den betroffenen Gemeinden vor Ort diametral andere Mitteilungen und dringende Hilferufe:

* Die 2001 widerrechtlich gewaltsam vertriebene und zerstörte Gemeinde „Tabaco“ hat – entgegen einem Abkommen mit der Mine 2008 – immer noch keinen neuen Platz.


* Die Anwohner, die entgegen den Aussagen von Steag bei Kontrollbesuchen nicht befragt wurden, beklagen die Luftverschmutzung durch den 24-stündigen offenen Kohleabbau mit dauernden Sprengungen und die dadurch hervorgerufenen Erkrankungen der Atemwege werden „mit ein paar Tabletten von Ärzten behandelt, die mit dem Bergbau-Unternehmen zusammenarbeiten“.


* Halbstündlich fahren ungesichert und nicht abgedeckt Kohlezüge unter ohrenbetäubendem Lärm mitten durch die Dörfer der Indigenen.


* Die Umleitung des wichtigsten Flusses des Departments, des Ranchería, auf 26 Kilometer ist zwar derzeit auf Eis gelegt, droht aber noch immer, obwohl über 90 % der BewohnerInnen dieses Projekt wegen der irreparablen ökologischen, sozialen und kulturellen Folgen abgelehnt haben.


* Durch die sog. „legalen“ Zwangsumsiedlungen verlieren die Kleinbauern ihr Land, viele werden mit Druck, Gewalt oder Bestechung zur Aufgabe gezwungen, finden sich ohne Entschädigung in semiurbanem Umfeld wieder, wo sie ihre traditionelle Landwirtschaft oder Viehzucht nicht mehr betreiben können.


Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, wir halten es für dringend erforderlich, hier in Dortmund zu einer realistischen, unabhängigen Einschätzung der Situation vor Ort zu kommen. Wir appellieren an Sie, sich selbst - oder durch einen von Ihnen Beauftragten – ein ungeschminktes Bild von den Zuständen vor Ort zu machen. Nur durch unabhängige Beobachtungen vor Ort - so wie die dortigen Gemeinden es fordern – werden Sie entscheiden können, ob die Kohle aus Kolumbien den Ansprüchen Dortmunds als „Fairtrade-Stadt“ und sogar zweimaliger „Hauptstadt des fairen Handels“ genügt.


Mit freundlichen Grüßen

Initiative Dortmund – Kolumbien


Für Attac Regionalgruppe Dortmund: Till Strucksberg

Für Bündnis dew-kommunal: Heiko Holtgrave

Für Iberoamerika-Kreis der Auslandsgesellschaft: Ilse Hubmann

Für Informationszentrum Dritte Welt Dortmund e.V.: Günter Schulz

Für Werkstatt Ökumene Eine Welt der Evangelischen Kirche Dortmund Lünen: Gerd Plobner

 

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