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August 2017: Irisches Wunder

Während Europa der Heiligsprechung Helmut Kohls entgegenfiebert, übersehen die Europäer andere wundersame Ereignisse, die wir ebenfalls gebührend feiern sollten. Daher wird die Schwarze Seite von Zeit zu Zeit Feierkandidaten vorstellen.
Ein erster Vorschlag: Die wundersame Steigerung des BIP in Irland im Sommer 2016. Da haben die irischen Statistiker mit spitzem Bleistift noch einmal nachgerechnet und sind auf sagenhafte 26% Steigerung für das Jahr 2015 gekommen.
Das eigentliche Wunder ist aber viel älter und beruht auf einem alten Druidenzauber. In grauer Vorzeit litten die großen Konzerne dieser Welt bittere Not: Überall waren die Produktionskosten hoch und die Verkaufserlöse wurden durch Steuern geschmälert. Da fanden die Iren in einem alten Buch eine wundersame Zauberformel:

  • Die Konzerne schickten ihre Waren zum Selbstkostenpreis nach Irland. Das hatte den Vorteil, dass die Konzerne im Produktionsland kaum Steuern zahlen mussten.
  • In Irland wurde der Zauber angewandt und die Waren gewannen in der gesunden irischen Luft massiv an Wert.
  • Von Irland wurde die Ware dann weiterverschickt und im Zielland ohne weiteren Preisaufschlag verkauft. Dadurch fielen auch im Zielland kaum zu versteuernde Gewinne an.

Aber das Wunder reichte noch viel weiter: Die Iren fanden heraus, dass die Ware gar nicht selbst nach Irland geschickt werden musste. Es genügte in vielen Fällen einen Zettel mit der Beschreibung der Ware an einen Briefkasten in Irland zu schicken und das Wunder wirkte.
Da im Zauberbuch auch stand, dass das Wunder durch zu viel staatliche Aufmerksamkeit leiden werde, beschloss die irische Regierung das Wunder einfach laufen zu lassen und auch nur eine geringe Bearbeitungsgebühr von 10% der wundersamen Wertsteigerung einzubehalten.
Und so schaffte es Irland, zeitweise das höchste BIP pro Kopf in der EU zu haben (ein weiteres Wunder!)

Juli 2017: G14

Im Jahre 1884 trafen sich zu Berlin die damals wichtigsten vierzehn Mächte jener Zeit, um über den freien Handel im Kongo zu beraten. Vertreter des Kongo waren selbstredend nicht zugegen. Ergebnis: König Leopold von Belgien wurde zum Ober-Entwicklungshelfer des Kongo ernannt. Was danach geschah, erzählen die einschlägigen Geschichtsbücher. Dem literarisch Interessierten sei Joseph Conrads "Herz der Finsternis" empfohlen.

Im Jahre 2017 trafen sich zu Hamburg die zwanzig wichtigsten Mächte dieser Zeit, um über den freien Handel in Afrika zu beraten. Die Republik Südafrika war als einziges afrikanisches Land zugegen. Ergebnis: Das westliche Kapital wurde zum Ober-Entwicklungshelfer Afrikas ernannt.

Soweit die Parallelen. Es gab auch einige Unterschiede. Im Vorfeld des Treffens 2017 wurden die Vertreter Afrikas zur ärztlichen Untersuchung einbestellt. Frau Dr. Merkel verordnete ihnen eine Therapie "12 mal jährlich mehr Steuern einnehmen". Ein noch bedeutenderer Unterschied: Während Leopold nur eine vage Vorstellung vom Kongo hatte, ist Afrika für das westliche Kapital keineswegs eine Terra Incognita: Gerne wurden schon zuvor Bananen, Kaffee, Erdöl, Coltan und Diamanten billig eingekauft. Steuern wurden in der Regel nicht in Afrika, sondern auf den Bahamas gezahlt (soviel zum Thema Therapie-Vorschläge). Und als Absatzmarkt für subventionierte Agrarüberschüsse war Afrika immer gut.

Die Lehre aus G14 ist klar: Wenn die wichtigsten Mächte der Welt einen Beschluss zum Wohle Afrikas treffen, sollten sich die Afrikaner in Sicherheit bringen.

Juni 2017: Gerechtigkeits-Lücke

Nach dem kurzem Schulz-Hype, müht sich die SPD vergeblich, vom Wähler als Partei der sozialen Gerechtigkeit anerkannt zu werden.
Dabei strengt sich die SPD wirklich an, die Gerechtigkeits-Lücke zu schließen: Lassen sich mich von einem Gespräch berichten, dass ich in der Bundestagskantine mitbekommen habe.

  • SPD-Abgeordneter: Wir müssen in dieser Wahlperiode noch etwas für die soziale Gerechtigkeit tun.
  • CDU-Abgeordneter: Was schwebt Dir denn so vor?
  • SPD-Abgeordneter: Ich dachte da an eine Vollmondabgabe. An Tagen mit Vollmond müssen Bürger mit einem Jahreseinkommen von über € 1 Mio eine Abgabe von € 100 zahlen, die dann gerecht unter den Bürgern mit einem Einkommen unter € 30.000 aufgeteilt wird.
  • CDU-Abgeordneter: Das kann ich meinen Wählern so nicht verkaufen. Vielleicht können wir die Vollmond-Abgabe ergänzen: An Tagen ohne Vollmond müssen Bürger mit einem Einkommen unter € 30.000 einen Euro zahlen. Das Geld wird dann gerecht unter den Bürgern mit einem Einkommen über € 1 Mio verteilt.
  • SPD-Abgeordneter: Diese Ergänzung finde ich nicht so gut. Aber wenn wir damit die Gerechtigkeitslücke schließen, wird die SPD diese Kröte schlucken.

… und so wird sich bald die Gerechtigkeit-Lücke wenigstens ein bisschen schließen.

Mai 2017: Job Satisfaction

April 2017: Sparmaßnahmen im Kanzleramt

Angela Merkel ließe sich ohne Probleme durch einen Computer ersetzen. Was müsste dieser Computer können?

  • Wenn eine Idee zu einem politischen Thema hochkommt: erst mal nix sagen. Für einen Computer kein Problem.
  • Zuhören und mitschreiben, was die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zur Idee meinen. Machen Computer heute schon.
  • Die verschiedenen Aussagen auf einer Skala von -10 (strikt dagegen) bis +10 (heftig dafür) einordnen. Auch dafür gibt es Software.
  • Die Aussagen mit der Relevanz der Gruppe multiplizieren. Beispiel: Gewerkschaft ist im wesentlichen dafür (+8), aber wenig relevant (Faktor 5). Also im Produkt +40. Dagegen ist der BDI strikt dagegen (-10) und sehr relevant (Faktor 100). Also im Produkt -1000. Kann jeder Taschenrechner.
  • So wird für alle Gruppen ihr Produkt ermittelt und die Summe über alle Gruppen gebildet. Um beim obigen Beispiel zu bleiben: Gewerkschaft + BDI = 40 - 1000 = -960
  • Wenn die Summe negativ ist (wie oben), wird die Idee abgelehnt, bei positiver Summe angenommen.

Insgesamt: mit etwas Künstlicher Intelligenz und einer einfachen Tabellenkalkulation ließe sich die Bundeskanzlerin einsparen.