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September 2018: Das Volk

Wir sind das Volk!
Ich bin Volker!
Ist Volker Volk?
Ist Volker volker?
Wer ist am volksten?
Wer folgt Volk?
Wem folgt Volker?
Folgt Volker volkstem Volk?
Oder folgt Volker Volk am Vollsten?

Juli 2018: Churchill und der Eiskaffee

Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. (Churchill zugeschrieben)

In Ländern mit hohem Waldbrandrisiko werden Statistiken geführt, wie viele Waldbrände an jedem Tag ausbrechen. Ebenso gibt es Statistiken, wie viel Eiscreme an jedem Tag verkauft wird. Eine Big-Data-Analyse hat nun herausgefunden, dass an Tagen mit einem hohen Verbrauch an Eiscreme viele Waldbrände ausbrechen. Würdet ihr die Initiative der PMR (Partei des minimalen Risiko) unterstützen, den Verkauf von Eiscreme zu verbieten?

Blöder Witz? Dann was aus dem richtigen Leben.

Im Jahr 2016 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Warnung zurückgenommen, dass Kaffee das Risiko für Blasenkrebs erhöht. Die Mitteilung der WHO verweist dabei auf bessere Daten und genauere Auswertungen. Böse Zungen behaupten jedoch, dass die WHO einem Eiscreme-Irrtum aufgesessen ist: Raucher trinken mehr Kaffee als Nicht-Raucher. Raucher haben ein höheres Risiko für Blasenkrebs. Dadurch taucht ein Zusammenhang zwischen Kaffee und Blasenkrebs aus den Daten auf. Eben Eiscreme und Waldbrände.

Churchill hätte ergänzen sollen: Traue auch keiner Statistik, die du nicht verstanden hast.

Juni 2018: Bildungsreform

Stell dir vor, Du wärst der neue Bildungsminister der Partei für Zucht und Ordnung (PZO). Im Wahlkampf hat deine Partei getönt, sie werde die Leistungen der Schüler in kurzer Zeit massiv verbessern. Du musst also Erfolge zeigen.

Das ist die Ausgangssituation: Die Schüler sind zu je einem Drittel auf Hauptschule, Realschule und Gymnasium verteilt. Um die Sache einfacher zu machen, wollen wir annehmen:

  1. Die schulische Leistung kann durch einen einzigen Wert beschrieben werden.
  2. Dieser Wert liegt zwischen 0 und 15
  3. Die schulische Leistung ist gleichmäßig verteilt: Es gibt gleich viele Schüler für jeden möglichen Wert.
  4. Die Schüler mit den niedrigsten Werten sind in der Hauptschule, die mit den höchstens Werten im Gymnasium, die Realschüler dazwischen.

(Das ist natürlich eine simple Weltsicht – aber sonst wird die Problembeschreibung zu schwierig.)

Mit diesen Annahmen ergibt sich das Bild unten. Was wirst Du tun? Auflösung

Mai 2018: Experte in 85 Minuten

Wunderst Du dich auch, wo all die Wirtschaftsexperten herkommen, die uns in den deutschen Talks-Shows die Welt erklären? Wir haben für euch nachgeforscht. 

Natürlich gibt es die traditionale Möglichkeit, Volkswirtschaft zu studieren, zu promovieren und schließlich eine Professur zu ergattern. Das dauert natürlich und deckt den Bedarf an Experten nicht einmal andeutungsweise.

Viel stärker hat uns ein Kurz-Seminar überzeugt (es dauert 63 min), das vom BDI angeboten wird. Nach diesem Seminar kann der künftige Talk-Show-Gast die folgenden vier Sätze fehlerfrei sprechen:

  1. "Wir müssen die deutsche Wirtschaft bei den Lohnnebenkosten entlasten."
  2. "Die vielen Vorschriften behindern die deutsche Wirtschaft."
  3. "Wenn die deutsche Regierung ... beschließt, wird das die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft schwächen."
  4. "Dieses Problem kann durch Privatisierung gelöst werden."

Am Ende bekommt der Seminarbesucher ein Diplom ausgehändigt, das er sich im Abgeordneten-Büro oder in der Zeitungsredaktion an die Wand hängen kann. Außerdem wird er in der FAZ als Wirtschaftsexperte erwähnt.

In einem optionalen Aufbau-Seminar (22 min) bekommt er dann noch einen Satz über die Bedeutung des freien Welthandels beigebracht. Spätestens nach dem Aufbau-Seminar ist er bereit, als Wirtschaftsexperte bei Will, Maischberger, Plasberg & Co. seine Weltsicht zum Besten geben

April 2018: Fake News

Seit das Internet zur Verbreitung von Falschmeldungen und Verschwörungstheorien benutzt wird, denken weltweit Regierungen darüber nach, ihre Bürger bei der Erkennungen von Fake-News zu unterstützen.
Der Hobby-Paranoiker in mir wendet hier natürlich ein, dass die meisten Verschwörungstheorien gerade behaupten, dass die Regierung ihre Bürger davon abhalten will, die Wahrheit zu erkennen. Deshalb scheint mir die Akzeptanz eines Ministeriums für Volksaufklärung bei den Verschwörungsfreunden eher fraglich.
Und natürlich gilt immer die alte Paranoiker-Weisheit: „Wenn ich keine Beweise für meine Verschwörungstheorie finde, zeigt das nur, wie sorgfältig die Verschwörer vorgehen.“
attac Böblingen schlägt vor, erst mal nicht den Wahrheitsgehalt von Fake-News abzuschätzen, sondern zunächst nachzuforschen, wer die Geschichte in die Welt gesetzt hat. Das hilft oft, die Glaubwürdigkeit einzuschätzen.
Hier sind Beispiele zum Üben: Von wem stammen die folgenden Theorien?

  • Die Pyramiden wurden von Außerirdischen gebaut.
  • Nero hat Rom angezündet.
  • Angela Merkel trifft sich regelmäßig mit Vertretern der deutschen Wirtschaft, um sich Instruktionen für ihre Regierungsarbeit zu holen.
  • Das Mittelatler war 300 Jahre kürzer als die Geschichtswissenschaft uns weismachen möchte.
  • Die deutsch-österreichen Armeen hätten den 1. Weltkrieg gewinnen könne, wenn ihnen die Zivilisten nicht in den Rücken gefallen wäre.
  • Saddam Hussein besaß 2003 einsatzfähige Massenvernichtungswaffen.
  • Winfried Kretschmann wurde 2011 entführt und wird seitdem in einem bayerischen Kloster festgehalten. Der ehemalige MP Erwin Teufel doubelt ihn seitdem unter einer Gummimaske.

zur Auflösung

März 2018: Plagiat

1. Akt
[Auftritt König Sigismund von Schottland.]
Sigismund (Selbstgespräch): Nach diesem Winter Unseres Missvergnügens gilt‘s, im Sommer Unseren Ruhm zu mehren. Doch in Schottland ist kein Ruhm zu finden. Das Volk rebellisch – die Speicher gähnend leer. Und England droht mit Waffengang. So will ich in die Ferne gehen. Das heilge Land soll meines Wirkens Stätte sein. Doch solch Zug verlangt nach Gold in Mengen. Drum muss ich jemand finden, der den Zehnten aus den Bauern presst.
[Denkt nach und sieht dann Graf MacMartin auf sich zukommen.]
Sigismund: Ich grüß Euch, edler Graf. Wie ich vernommen, seid Ihr um Euer Lehn gekommen.
MacMartin: Ein Römer hat mich durch der Engländer Intrige zum Grafen ohne Land gemacht.
Sigismund: Wohlan, da kann ich helfen. Der Ruf ins heilge Land hat mich erreicht. Und Schottlands Thron ist nun verwaist. Ich dacht an Euch, um unser Land zu führen.
MacMartin (Selbstgespräch): Sein oder Nichtsein, das ist hier Frage. War Sigismund doch stets auf Macht erpicht. Welch Gift enthält dies Angebot? Doch bevor ich nichts regier, regier ich lieber Schottland.
MacMartin: Welch willkommen Botschaft. Wann soll die Kron mein Haupte schmücken?
Sigismund: Lass den Kronrat morgen dies beschließen. Doch halt. Krieg im heilgen Land ist teuer. Da brauch ich Euer Wort, dass meine Kasse stets Ihr füllt.
MacMartin: Ahnt ich doch die Falle. Doch um Schottlands Willen, werd ich mein Wort Euch geben.

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Februar 2018: Klima-Wunder

In unserer kleinen Reihe "Wundersame Ereignisse" ist heute das Klima dran. Richtige Wunder gibt es in den USA zu schauen. Dort wird der Klimawandel nicht nur von vielen gesellschaftlichen Gruppen geleugnet – es wird sogar die Bibel zur Begründung herangezogen. So hat der Abgeordnete John Shimkus eine interessante Argumentation aufgebaut: Klimaerwärmung soll den Meeresspiegel steigen lassen. Steigender Meeresspiegel = Sintflut. Gott hat aber Noah versprochen, dass die biblische Sintflut die letzte sein wird (Gen 9,11). Folglich sind Maßnahmen gegen den Klimawandel überflüssig.
Wir sollten vorsichtig sein, bevor wir uns über scheinbar depperte Amis lustig machen. Als ich letztes Jahr auf einer Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl in einer Frage an die potentiellen Abgeordneten die Bemerkung einflocht, dass die Bemühungen zur Reduktion klimaschädlicher Gase in Deutschland langsam zum Erliegen kommen, war sogar der Kandidat der Grünen empört. In den Sondierungsgesprächen zur Großen Koalition wurde dagegen das Reduktionsziel für 2020 wegen Undurchführbarkeit abgekündigt. Leben wir in Parallel-Welten?
Ein Blick auf die WebSite des Umweltbundesamtes verschafft Aufklärung. Dort findet sich folgende Grafik.

Januar 2018: Behörden-Kooperation

Dezember 2017: Der Olympische Geist

Am 7. Dezember vermeldete Spiegel-Online: "Firmenfeier darf Bauernhofolympiade heißen". Was war passiert? Eine Event-Firma hatte unter dem Label Bauernhofolympiade Firmenfeiern mit lustigen Spielen, wie Heugabelwerfen, angeboten. Der Deutsche Olympische Sportbund (stellvertretend für das Internationale Olympische Komitee, IOC) sah den Olympischen Geist in Gefahr. Das Gericht sah den Olympischen Geist eher durch die Sportfunktionäre selbst gefährdet und wies die Klage ab. 

Solche Klagen sind nicht ungewöhnlich. In der selben Woche gewann Coca-Cola einen Prozess gegen den syrischen LimonadenherstellerMitico, der seine Brause Master-Cola in Flaschen abgefüllt hatte, die Coca-Cola-Flaschen ähnlich sahen. 

In der Regel geht es in solchen Prozessen weniger ums Ideelle: Wer den Namen oder die Flaschenform benutzt, soll Lizenzgebühren zahlen. Spätestens jetzt wird sich der eine oder andere Leser fragen: Warum hat Griechenland nach seiner Unabhängigkeit im Jahr 1828 nicht eine Verwertungsgesellschaft für die Rechte an Olympia, Marathon-Lauf und Demokratie gegründet? Eine Strafgebühr von € 100 für jeden Fall, in dem fälschlicherweise behauptet wird, ein Beschluss sei demokratisch zu Stande gekommen, würde das griechische Staatsdefizit schnell ausgleichen. 

Modern gedacht, aber nicht ganz so einfach. Bleiben wir beim Beispiel Olympia und der Rechtslage in Deutschland. 

Heute haben wir akzeptiert, dass alle Namen, die mit kleinem I und folgendem Großbuchstaben beginnen der Firma Apple "gehören". Diese Vorstellung, dass eine "Marke" jemandem gehört, ist aber relativ neu. Die erste internationale Einigung zu diesem Thema ist das Pariser Abkommen von 1883. Auch dieses Abkommen hätte der fiktiven griechischen Verwertungsgesellschaft noch nicht die Erhebung von Lizenzgebühren erlaubt. Das europäische Rechtssystem war ursprünglich auf die Rechte von Herrn Maier gegenüber Herrn Müller zugeschnitten. Also Privatperson gegen Privatperson. Für eine Klage Apple gegen Google bedarf es des Konzepts der Juristischen Person. Dieses Konzept wurde erst im Jahr 1900 systematisch ins deutsche Recht eingeführt. 

Wer jetzt denkt "Kein Problem. Richtig viel Geld wurde mit Olympia erst am Ende des 20. Jahrhunderts gemacht.", hat den gesunden Menschenverstand nicht auf der Rechnung. Im 20. Jahrhundert hätten viele deutsche Gerichte geurteilt, dass der Name "Olympia" viel zu allgemein und weit verbreitet ist, um schützenswert zu sein. Dieser bedauernswerte Zustand wurde erst im Jahr 2004 durch das Olympia-Schutzgesetzkorrigiert. Dieses Gesetz billigt dem IOC die alleinigen Rechte an der Marke Olympia und den dazu gehörenden Symbolen zu. (Also wieder kein Geld für Griechenland.) Warum hat der Deutsche Bundestag (weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit) ein solches Gesetz verabschiedet? Weil das IOC Olympische Spiele nur in Länder vergibt, die ein solche Gesetz zum Schutz der Marke "Olympia" haben. Zu Zeiten, in denen das IOC Probleme hat, überhaupt noch Bewerber zu finden, die sich finanziell ruinieren wollen, könnte ein solches durch Nötigung entstandenes Gesetz auch wieder abgeschafft werden. 


November 2017: Triumph des Marketing

Der Sturm drückte den Regen gegen das Fenster des Besprechungsraums. Auch im Besprechungsraum war die Atmosphäre energiegeladen. Der Direktor von Dahka Textil Limited funkelte seine Abteilungsleiter an: "Wer hat das verbockt?" Betretenes Schweigen. Dann hob Ali die Hand: "Ich befürchte, meine Abteilung hat einen Patch für die Web-Maschine nicht korrekt eingespielt." Der Direktor sah Ali aus zusammengekniffenen Augen an: "Dann erklärst Du das den Yankees in der Telefon-Konferenz."

Und so saßen Ali und der Direktor eine Stunde später im Video-Konferenz-Raum. Ali erklärte wortreich das Problem. Die Amerikaner tobten: "Soll das heißen, dass ihr erst mit zwei Wochen Verspätung liefern könnt?". Ali bestätigte: "Ja, die Stoffballen der letzten zwei Wochen sind löchrig, so dass höchstens ein Viertel davon zur Produktion von Jeans benutzt werden kann." "Wir werden euch verklagen. Das ruiniert unsere Planung für die Sommer-Kollektion.", blafften die Amerikaner.

Betretenes Schweigen. Bis der amerikanische Director of Marketing fragte" "Wie sehen die Löcher aus?" Ali erklärte: "5-10 cm lange Schlitze im Stoff." "Könnt ihr die Jeans so zuschneiden, dass die Schlitze in Höhe des Knies liegen?", kam die Frage aus den USA. Ali wickelte einige Ballen ab: "Könnte in den meisten Fällen klappen." "Gut", beschied der Director of Marketing", "wir kaufen euch die fehlerhaften Jeans mit Loch am Knie zum halben Preis ab." Damit war die Konferenz beendet.

Entsetzen im Konferenz-Raum in den USA: "Was sollen wir mit kaputten Jeans?" "Ganz einfach", meinte der Director of Marketing, "wir verkaufen sie 30% teurer als die normalen Jeans."

Als die Kollegen gegangen waren, rief der Director of Marketing seinen Anlageberater an: "Bitte investiere 40% meines Vermögens in Schönheitskliniken, die sich auf Knie spezialisiert haben."

Oktober 2017: Gleiches Recht für alle

Vor einigen Wochen sah eine Ifo-Studie 600.000 Arbeitsplätze gefährdet, sollten ab 2030 Verbrennungsantriebe für PKW verboten werden.

Inspiriert durch diese Diskussion hat Dr. jur. Schmitz, Vorsitzender des Bundesverbands der Rauschgift-Produkten und –Distributoren (BVRPD) den folgenden Brief verfasst.

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

ich weiß, dass Ihnen deutsche Arbeitsplätze und das deutsche BIP sehr am Herzen liegen. Daher möchte darauf hinweisen, dass die Mitglieder unseres Verbandes durch die Regulierungswut des deutschen Gesetzgebers leiden. An unserem Gewerbe hängen mehrere 100.000 Arbeitsplätze und wir leisten einen nicht unerheblichen Beitrag zum BIP. Eine großzügige Deregulierung könnte sowohl die Zahl der Arbeitsplätze als auch den Beitrag zum BIP erheblich steigern.

Der BVRDP erfüllt die selben Vorsetzungen für eine Sonderbehandlung wie die Autoindustrie: Fehlende Rücksicht auf die Gesundheit unserer Mitmenschen und kriminelle Energie bei der Maximierung unserer Gewinne.

       Mit freundlichen Grüßen Dr. Schmitz

September 2017: Wahlhilfe

Wissen Sie immer noch nicht, welche Partei Sie wählen sollen? Machen Sie es sich nicht so schwer. Lesen Sie keine Parteiprogramme: Die sind ab dem 24. September irrelevant. Auch ein Wahl-O-Mat ist viel zu kompliziert.

Schauen Sie sich einfach die folgenden Aussagen an. Mit welcher können Sie sich am besten identifizieren?

  1. Alles ist prima. Ich will keine Experimente.
  2. Alles ist prima. Aber nur in Bayern.
  3. Alles könnte prima sein. Wenn mich nicht immer der Staat behindern würde.
  4. Ich will ja nicht klagen. Aber ich hätte gerne ein etwas größeres Stück vom Kuchen.
  5. Wir müssen endlich die Welt retten. Und ich hoffe, dass die Welt auch ohne mein Zutun gerettet werden kann.
  6. Es muss sich viel in dieser Welt ändern. Aber ich sehe wenig Chancen, dass wirklich etwas passiert.
  7. Es ist eh alles Scheiße. Aber wir können ja zumindest die Flüchtliche rauswerfen.
  8. Gott wird diejenigen strafen, die seine Gebote missachten.

Können Sie sich mit einer Aussage identifizieren? Dann wählen Sie die Partei, die in der folgende Liste hinter der Nummer Ihrer Aussage steht:

  1. CDU
  2. CSU
  3. FDP
  4. SPD
  5. Die Grünen
  6. Die Linke
  7. AfD
  8. Partei bibeltreuer Christen