13. September 2015 - Bremen, Überseemuseum:


Bericht von dem Vortrag von Lilian Rosengarten:
"Als Jüdin gegen Zionismus"

Lilian Rosengarten ist eine deutsche Jüdin, die 1935 aus Frankfurt mit ihren Eltern in die USA flüchten konnte. Jetzt ist sie 80 Jahre alt und absolviert zur Zeit eine Vortragsreise durch Deutschland (Darmstadt, Königswinter, Düren, Gießen, Frankfurt, Heidelberg, Hagen, Hannover, Berlin). Am 13. September war sie auf Einladung einiger Bremer Gruppen (Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung [biz], Deutsch-Palästinensische Gesellschaft [DPG], AK-Nahost, Bremer Friedensforum, Nahost-Forum Bremen und Israelisches Komitee gegen Hauszerstörungen [ICAHD]) in das Bremer Überseemuseum gekommen, um ihre gerade erschienene Autobiographie (“Ein bewegtes Leben: Von den Schatten Nazi-Deutschlands zum jüdischen Boot nach Gaza”, Zambon-Verlag 2015) vorzustellen.

Der Abend mit Lilian Rosengarten war intensiv. Sie strahlte eine unnachahmliche Mischung von Zerbrechlichkeit und Eleganz aus und erzählte so anschaulich und anrührend aus ihrem langen Leben, dass sie sofort die Sympathien der rund 50 Zuhörer und Zuhörerinnen auf ihrer Seite hatte. Sie sprach deutsch, mit amerikanischem und einem leichten hessischem Akzent (denn sie stammt ja aus Frankfurt).

Es bleibt wohl unbegreiflich, dass diese 80-jährige Jüdin so plötzlich in den Mittelpunkt einer Kampagne gestellt wird, die man nur als perfide bezeichnen kann. Die “Jerusalem Post” hatte rund um die Vortragsreise recherchiert und in zwei Artikeln am 5.9.2015 (“German museum’s ‘Jew against Zionism’ talk sparks outrage” und am 8.9.2015 (“Israel slams German bank for hosting talk on destroying Jewish state”) gegen die Autorin die schwersten Beschuldigungen erhoben (darunter Verweigerung des Existenrechts Israels, Vergleich Israel mit Nazi-Deutschland, Missachtung der Würde der Nachkommen von Nazi-Opfern, Bagatellisierung der Nazi-Verbrechen, Judenhass, Antizionismus und natürlich Antisemitismus). Die Israelische Botschaft in Berlin hatte die Stichworte vorgegeben und viele Politiker und Institutionen hatten die Beschuldigungen nachgebetet. Da die Veranstaltung in Räumen stattfinden sollte, die von einer Bank, nämlich der Sparkasse, gesponsort wurden, bekam auch sie während der Kampagne einiges um die Ohren: die Sparkasse sollte es besser wissen, sie hätte schließlich seinerzeit loyal dem Nazi-Regime gedient ...

Den vollständigen Bericht mit Fotos und einem Audio-Mitschnitt findet Ihr auf unserer Website. Übrigens: von Gegenaktionen seitens der Antideutschen, der Jüdischen Gemeinde oder der DIG war in Bremen glücklicherweise nichts zu spüren.

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