Lillian Rosengarten ...

... eine Kämpferin für die Menschenrechte der Palästinenser

Lillian Rosengarten, eine Jüdin, die in Frankfurt geboren wurde und als Kind mit ihren Eltern nach New York geflohen war, schrieb diesen Satz:

„Die Palästinenser sind die letzten Opfer des Holocaust.“

 

Diese Frau wollte ich näher kennenlernen. So entstand eine intensive Korrespondenz. Schließlich schickte sie mir das Manuskript ihrer Biographie, die im letzten Jahr in Deutschland erschien:
„Ein bewegtes Leben.
Von den Schatten Nazi-Deutschlands zum jüdischen Boot nach Gaza.“

Als amerikanische Jüdin hatte sie zunächst den Zionismus unterstützt. Als sie den großen Kreis ihrer Verwandten in Israel besuchte, begegnete sie auch Hans Lebrecht, einem Vetter ihres Vaters. Als Aktivist der Friedensbewegung Gush Shalom kämpfte er für Freiheit und Gerechtigkeit der Palästinenser, schrieb Kommentare für die Zeitung Ha'aretz und Bücher für eine deutsche Leserschaft. Als er mit Lillian einen palästinensischen Professor und dessen deutsche Frau besuchte, wurde sie zum ersten Mal mit den brutalen Methoden des israelischen Militärs konfrontiert und hörte von zerstörten Häusern, Razzien und Enteignungen.

Lillian Rosengarten fühlt sich als säkulare Jüdin den universalen Menschenrechten verpflichtet. Als Menschenrechtsaktivistin wurden ihr die faschistischen Tendenzen in Israel bewusst. Im September 2010 wollte Jewish Voice for a Just Peace ein jüdisches Boot mit humanitären Hilfsgütern nach Gaza schicken, um die Blockade zu durchbrechen. Spontan meldete sich Lillian. Zur Besatzung gehörten auch der israelische Friedenskämpfer Reuven Moskovitz und die Deutsche Edith Lutz. Erst wenige Monate zuvor hatte die israelische Marine auf dem türkischen Schiff Mavi Marmara während der Fahrt nach Gaza neun Passagiere getötet. Die Passagiere auf dem jüdischen Boot hofften, die israelische Marine würde ihren Katamaran nicht angreifen. Doch auch dieses kleine Schiff wurde gekapert, als es sich noch in internationalen Gewässern befand. Angehörige der „moralischsten Armee der Welt“ hielten zwei sraelischen Kriegsdienstverweigerern Elektroschockpistolen auf die Brust. Während ihrer Vernehmung im Hafen von Aschdod wurde Lillian mehrfach gefragt: „Sind Sie Jüdin?“ Dann wurde sie zum Flughafen Tel Aviv überführt und in Abschiebehaft genommen. Hans Lebrecht hatte ihr schon vor Jahren prophezeit, dass eines Tages Juden gegen Juden aufstehen würden. Man teilte ihr mit, dass sie zehn Jahre nicht mehr israelischen Boden betreten darf. Als Hans Lebrecht im Sterben lag, durfte sie ihn nicht besuchen.

Im Oktober 2011 schaffte es Lillian Rosengarten doch noch, Gaza zu besuchen – diesmal auf dem Landweg über Ägypten, zusammen mit Wiltrud Rösch-Metzler, damals stellvertretende Präsidentin von Pax Christi-Deutschland, mit Matthias Jochheim, IPPNW-Deutschland, und mit Norman Paech, Bundestagsabgeordneter der Links-Fraktion. Die Menschen in Gaza begrüßten sie herzlich, weil sie als Jüdin sich für die Rechte der Palästinenser mit Leib und Leben einsetzt. Sie sprach mit Vertretern der Hamas, mit dem Fatah-Vertreter Abdallah Franghi und besuchte palästinensische Einrichtungen. Immer wieder betont sie in Beiträgen für „Mondoweiss“ oder „Electronic Intifada“, dass Antizionismus und Antisemitismus zu unterscheiden sind.

„Sich gegen Israel aufzulehnen, bedeutet, sich gegen eine ideologische, nationalistische und rassistische Regierung zu stellen.“

 

Darum wendet sie sich heftig gegen jede Instrumentalisierung des Antisemitismus, mit dem die verhängnisvolle israelische Politik gerechtfertigt werden soll.

Lillian Rosengarten schreibt in ihrer Biographie (S. 118):

„Es ist eine schwierige Frage, wie ein einst gejagtes Volk zum Jäger werden kann, wie Opfer zu Täter werden können. Israels Hardline-Zionisten haben ihre Menschlichkeit verloren, und Israels Dichter müssen über den Tod schreiben, denn Liebe kann in Gegenwart von Rassismus und Apartheid nicht leben.“

 

Martin Breidert


Lillian Rosengarten hat mehrere Beiträge für die Internetplattform Mondoweiss geschrieben:

12.03.2015: Separating anti-Semitism from anti-Zionism
11.06.2014: Michael Oren's Misuse of the Holocaust
04.06.2014: Wake up, Ruth Westheimer
12.04.2012: On anti-Semitism, war crimes, and old poets
13.01.2012: Israel’s nightmare: Jew against Jew
01.12.2011: No freedom in the land of false prophets
ß8.11.2011: Palestinian and Jew– one humanity

... und auch für Elektronic Intifada:

19.09.2014: My Shame As A German Jew And Refugee From Nazi Germany
20.08.2014: Zionist Israel’s Final Solution For Gaza (in Deutsch)
30.01.2014: "Victim" – A Poem
29.01.2014: "Deported"

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