13. Dezember 2016 - Günter Schenk:

Offener Brief and die Bank für Sozialwirtschaft:
Sehr geehrte Frau Rüth,
ich schreibe Ihnen in der Angelegenheit des von Ihrer Bank gekündigten Bankkontos des in Berlin gemeldeten Vereins "Jüdische Stimme für einen Gerechten Frieden e.V.". Da ich davon ausgeh, dass Sie seit der von Ihnen veranlassten, gewill aber nicht ausgehenden Kündigung des Kontos eines Ihrer Kunden genügend Zeit hatten, sich über die friedlichen und zur Gewaltfreiheit verpflichteten Vereines deutscher Juden und von in Deutschland lebenden Juden sachkundig zu machen. Darum möchte ich auf die tönernen Füße, auf denen Ihre Kündigung beruhte, hier nicht eingehen.
Aber folgendes scheint mir des Erwähnes wert: halten Sie es nicht für selbst verständlich, dass, wenn eine Bank über einige Jahre problemlos bestehende Geschäftsbeziehungen mit einem Kunden beendet (ich nehme an, dass kein Unternehmen dies "aus blauem Himmel" tut, sondern dass es bedeutsame Gründe hat oder zu haben glaubt) die Geschäftsleitung als erstes ein Gespräch mit dem Kunden sucht? Damit dieser die Gründe der Bank entweder ausräumen kann oder nicht.
Die Bank für Sozialwirtschaft ist nun keine Geschäftsbank wie jede andere, sie hat sich besondee ethische Ziele gesetzt und das ist gut so. Meine Frage an sie ist nun, haben Sie, ich meine Sie, nicht irgend eine interessierte 3. Person oder Gruppe, den geringsten Anhaltspunkt gefunden, ihrer Kundin, kurz die "Jüdische Stimme" ethische Gründe für deren gesellschaftspolitische Zielsetzung, als es sind: das Ende der vom selbst ernannten "Jüdischen" Staat angewendeten Besatzung, die Beendigung dessen seit Jahrzehnten andauernden Völkerrechtsbruchs, der rassisischen Ungleichbehandlung der Ursprungsbevölkerung... usw. usf.abzusprechen, oder als unethisch oder den Zielen Ihrer Bank widersprechend einzustufen? Das würde mich wundern, denn:
Soziale Ungleichheit zu unterstützen geben die Statuten Ihrer Bank gewiss nicht her. Auch nicht rassistische oder andere Ungleichbehandlung. Dafür stehen wohl bereits Ihre angesehenen Gesellschafter. Boykott gegen die Apartheid in Südafrika, dabei standen Ihre Gesellschafter, allemal die großen Kirchen und Sozialbwegungen, einmal in vorderster Reihe. Mit Erfolg, die Apartheid wurde überwunden. Ist das nicht ein Erfolg des Rechts und ethischer Grundwerte?
Genau diesem Ziel sieht sich nun die "Jüdische Stimme" verpflichtet. Und da schließen sie dieser höchst ehrenvollen Gruppe das Konto? Das kann ich nicht glauben. Vielmehr jedoch begründen Sie Ihre Entscheidung auf im Wesentlichen einen Artikel in der FAZ vom notorischen zionistischen "Frontkämpfer", einem an der Universität abgehalfterten Sozialwissenschaftler Samuel Salzkorn, nun mit Lehrauftrag an der Universität Göttingen. Der FAZ ist ja kein Vorwurf zu machen, dass sie, ihrer journalistischen Aufgabe entsprechend, auch einmal einen Vertreter des politischen und militanten Zionismus zu Wort kommen lässt. Die FAZ ist eine über die verschiedensten gesellschaftlichen Tendenzen informierende Qualitätszeitung.
Würden Sie die FAZ regelmäßig lesen, wären Sie auch ohne Not auf vollkommen andere Aritkel, weniger ideologisch bestimmt, als den des Samuel Salzkorn gestoßen. Aber so wird es ja auch wohl nicht gewesen sein! Üblich ist, oft genug erwiesen, dass selbsternannte Lobbyisten immer dann tätig werden, wenn sie Gefahr im Verzug für ihre allen einer Staatmacht verpflichtete Ideologie erkennen. Das ist keinesfalls Vermutung, es geschieht in unserem schönen Land tag-täglich, zahlreiche Beispiele von feigen und weniger feigen Opfern dieser Aktivitäten könnte ich Ihnen berichten. Und da haben Sie, verehrte Frau Rüth, eben nicht das Selbstverständliche getan, haben die oder den Verantwortlichen für das Konto der "Jüdischen Stimme" nicht angerufen,  haben nicht um ein klärendes Gespräch gebeten.
Das aber ist nicht in Ordnung und allein Sie müssen mit diesem Ihrem Umgang mit ehrenwerten Kunden nun leben. Sie haben das getan, wofür unser Land seit vielen Jahrzehnten einen hohen Preis zahlt: Sie sind in einem Augenblick der persönlichen Übernahme von Verantwortung umgefallen, haben sich dem Ihnen mächtiger erscheinenden gebeugt. Ich nenne das eine Schande. Andere auch.
Die Frage ist nun, wie kommt man, wie kommen Sie, aus diesem selbst verantworteten Schlamassel wieder raus? Ja, das geht, das ist möglich, indem Sie sich wenigstens jetzt über die aus Staatsbürgerlicher Verantwortung, allzu oft von unseren Bundespräsidenten eingefordert, geborenen Zielsetzungen der Jüdischen Stimme, besonders deren Einsatz und für de Sinn von BDS kundig machen und Ihre fehlerhafte Entscheidung zurück nehmen. Einen anderen Weg zu Ihrer Ehrenrettung, auch im wohlverstandenen Interesse der BfS seh ich nicht. Vor einem übermächtig erscheinenden Druck von unberechtigter Seite kann man einmal einknicken, zur Einsicht über falsche Entscheidungen oder Unrecht muss man aber immer selbst kommen. Und sie ist keinesfalls eine Schwäche.
Sollten Sie zu diesem einmaligen mutigen Schritt keine Kraft aufbringen, bedaure ich Ihre Bank, denn wie sollen dann verantwortungsvolle und demokratischen und sozialen Werten und Ethik verpflichtete Kunden anders weiterhin Vertrauen zu Ihrer Bank besitzen? Wissen Sie übrigens, dass der verstorbene radikale Kämpfer für Menschenwürde und Menschenretter, mein enger Freund Dr. Rupert Neudeck, gemeinsam mit seinem Freund, dem Auschwitz-Überlebenden Dr. Hajo Meyer, ebenfalls, mit 90, von uns gegangen, zu BDS aufgerufen hatte? Oft überleg ich mir, was beide wohl zu ihrer schrecklichen Fehlentscheidung sagen würden....Hätten Sie denen ggfs. auch das Konto aufgekündigt?
Es gibt (immer) eine Alternative. Laden Sie die Jüdische Stimme zur Wiedereröffnung ihres Konto bei der BfS ein. Nein, kein Scherz, eher eine Entscheidung, perfekt passend zum kommenden Christ- oder Chanukka-Fest! Oder ganz einfach zum Neuen Jahr 2017, einem hoffentlich auch für Sie, sehr geehrte Frau Rüth, glücklichen! Jahr
Mit freundlichen Grüßen
Günter Schenk
Membre du Collectif Judéo Arabe et Citoyen pour la Palestine
Strasbourg/France

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