Eine kurze Einführung

Depleted Uranium (DU) ist die englische Bezeichnung für abgereichertes Uran - ein Abfallprodukt, das bei der Herstellung von Kernbrennstoff für Atomkraftwerke und von waffenfähigem Uran für Atombomben entsteht. Es wird von der Rüstungsindustrie zur Herstellung von panzer- und bunkerbrechender Munition verwendet.

 

Uran-Geschosse entfalten aufgrund ihrer extrem hohen Dichte eine größere Durchschlagskraft als konventionelle Munition. Außerdem entzündet sich das nach einem Treffer zu Staub gewordene und extrem erhitzte Metall im Inneren des Panzers oder Gebäudes selbst, das getroffene Ziel verbrennt. Dabei entsteht ein Uranoxid-Aerosol in der Größe eines Nano-Partikels, das sich mit dem Wind weiträumig verteilt und mit Staub immer wieder aufgewirbelt wird.

Über die Atemluft, das Wasser und langfristig auch über die Nahrungskette gelangt DU in den menschlichen Körper. Es wird "inkorporiert" und in fast alle Organe eingebaut. Über die Placenta erreicht Depleted Uranium auch das ungeborene Kind und kann es schwer schädigen. Mögliche Langzeitschäden sind genetische Defekte bei Säuglingen, Kinderleukämien, Krebserkrankungen und Nierenschädigungen.

 

Einsatz im Krieg

Die USA, Großbritannien, Russland, die Türkei, Pakistan, Saudi-Arabien, Thailand, Israel und Frankreich besitzen Uran-Waffen. Obwohl der Einsatz von Depleted Uranium nicht im Einklang mit dem "Genfer Abkommen über den Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten" und den Zusatz-Protokollen von 1977 steht, die den Einsatz giftiger Stoffe im Krieg untersagen, gibt es bisher keine Konvention zum Verbot von Uranwaffen. Depleted Uranium wurde zuerst von den USA und Großbritannien im Golfkrieg 1991 eingesetzt, später in Bosnien und Serbien 1995, im Kosovo 1999 sowie im Irak-Krieg 2003. Durchgesickerte Dokumente weisen auf einen möglichen Einsatz auch in Afghanistan hin, was jedoch bisher von den USA und Großbritannien dementiert wird.

Die IPPNW Deutschland ist Teil der Internationalen Koalition zur Ächtung von Uranwaffen ICBUW (International Coalition to Ban Uranium Weapons) und setzt sich für eine Uranwaffen-Konvention ein, einen internationalen Vertrag, der die Produktion, Besitz und Anwendung von Uranwaffen verbietet.

 

Natururan und DU

Die Uranvorkommen auf der Erde sind von unterschiedlicher Qualität. In Kanada gibt es Lagerstätten mit 19 % Uran, in afrikanischen Ländern wird Erz mit weniger als 1 % des Schwermetalls abgebaut. Unabhängig vom Urangehalt des Erzes enthält das gewonnene Natururan immer die gleiche Zusammensetzung seiner Isotope: 0,005 % U 234, 0,72 % U 235 und 99,275 % U 238. Alle Isotope besitzen in ihrem Atomkern die gleiche Protonen- oder Ordnungszahl, nämlich 92. Sie unterscheiden sich durch die Anzahl der Neutronen: 142 bei U 234, 143 bei U 235 und 146 bei U 238.

Alle drei natürlich vorkommenden Uranisotope sind Alpha-Strahler, d. h., sie senden Alphateilchen (Heliumkerne) aus. Alphateilchen haben, etwa im Vergleich zu Gammastrahlen, eine relativ geringe Reichweite, aber ihre schädigende Wirkung ist viel größer: In den Zellschichten, die sie erreichen, hinterlassen sie eine Spur der Verwüstung. Die physikalischen Halbwertszeiten sind unvorstellbar lang: 246.000 Jahre bei U 234, 703,8 Millionen Jahre bei U 235 und 4,468 Milliarden Jahre bei U 238.

Zur Herstellung von Brennelementen und atomwaffentauglichem Uran eignet sich nur das durch Neutronenbeschuss spaltbare U 235. Um es verwenden zu können, muss es angereichert werden, und zwar von 0,72 % auf mindestens 3 (-5) % für Kernbrennstoff und auf mindestens 60 (-90) % für Atombomben.

 

DU in Deutschland

Die Urananreicherungsanlage im nordrhein-westfälischen Gronau wird von der Firma Urenco betrieben. Eigner sind die deutschen Energiekonzerne E.ON und RWE sowie die britische und die niederländische Regierung. Das anfallende abgereicherte Uran wird nach Russland, Frankreich, England und Schweden exportiert.

 

Warum ist DU gesundheitsschädlich?

Beim Einsatz von DU als Munition entstehen Uranpartikel und Uranoxide, die als Schwebeteilchen und Stäube die Umgebungsluft belasten. Dieser toxische Feinstaub wird mit dem Wind weit verbreitet und immer wieder aufgewirbelt. Durch Inhalation, Wasser, Nahrungsaufnahme oder durch die Haut kann das Depleted Uranium als Aerosol oder als Uranoxid in den Körper gelangen. Als Uranoxid ist es mit Partikelgrößen im Mikro- und Nanobereich lungengängig und kann für mehrere Jahre im Lungengewebe verbleiben. Die biologische Halbwertszeit des Uranoxids in der Lunge beträgt ein Jahr, die des Aerosols zwei Jahre. Es kann bis zu acht Jahre dauern, bis das inkorporierte DU wieder ausgeschieden ist.

Depleted Uranium entfaltet sowohl chemotoxische als auch radiotoxische Wirkungen. Die Chemotoxizität führt vorwiegend zu Funktionsstörungen von Nieren und Leber. Langfristig droht eine Niereninsuffizienz. Die Radiotoxizität wirkt sich u. a. an den Chromosomen und Genen aus, es ruft z.B. Chromosomen-Brüche und andere Chromosomenveränderungen hervor. Für radioaktive Strahlung gibt es keinen Grenzwert, jedes Teilchen kann Zellschädigungen auslösen. Nicht nur von DU-Alphateilchen direkt getroffene Zellen werden geschädigt, sondern auch das genetische Material in den Nachbarzellen ("Bystander-Effekt).

Durch medizinisch-experimentelle Studien an kleinen Säugetieren und Zellkulturen wurden schädigende Effekte auf den Fötus und den Schwangerschaftsverlauf nachgewiesen sowie eine krebsauslösende Wirkung. Alle diese neueren Studienergebnisse machen deutlich, dass das Modell der International Commission on Radiological Protection revidiert werden muss, denn es berücksichtigt vorwiegend die Wirkung externer Strahlung und vernachlässigt die kontinuierliche interne Strahlung durch inkorporierte Nuklide.(2)

Die ICBUW hat der WHO im November letzten Jahres die Kurzfassungen von 68 aktuellen wissenschaftlichen Arbeiten geschickt, in denen Wirkungen des Depleted Uranium auf Zellkulturen, Tiere, Menschen und Umwelt untersucht wurden(1). Diese Forschungsarbeiten lassen auf verhängnisvolle Folgen der Uranmunition für die menschliche Gesundheit schließen, sowohl aufgrund der Strahlung als auch der Chemotoxizität und schließlich auch durch synergetische Effekte. Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass inkorporiertes DU eine Vielzahl von Gesundheitsschäden verursacht, einschließlich Karzinomen. Die schädlichen Gesundheitseffekte wie Krebserkrankungen, chronische Nierenschädigungen und genetische Defekte treten in der Regel mit einer Latenzzeit von wenigen Jahren (Säuglinge, Kinder) bis einigen Jahrzehnten (Erwachsene) auf. Betroffen sind Soldaten sowie die jeweilige Wohnbevölkerung des Kriegsgebietes.

 

Ergebnisse von Forschungsberichten aus dem Irak

Bisher sind keine systematisch-epidemiologischen Studien zu den möglichen gesundheitlichen Folgen an den betroffenen Bevölkerungsgruppen der Kriegsgebiete durchgeführt worden. Die größte Bevölkerungsgruppe, die vom Uran-Feinstaub Kontaminierungen aus Uranwaffen betroffen ist, lebt in der Region Basrah. Der IPPNW Deutschland gelang es infolge ihrer langjährigen Kontakte zu irakischen Ärzten eine Universitätspartnerschaft zwischen der Universität Basrah und der Universität Greifswald ins Leben zu rufen. Schon nach dem ersten Golfkrieg hatten irakische Ärzte über den Anstieg der kindlichen Missbildungen und der Kinderleukämien berichtet, die jedoch von den Sanktionsmächten USA und Großbritannien als unwissenschaftlich und Propaganda abqualifiziert wurden. Die medizinischen Untersuchungsergebnisse an den irakischen Soldaten wurden international ignoriert.

Im Rahmen der Universitätspartnerschaft arbeiten irakische, deutsche und japanische Ärzte nun seit 2004 daran, ein Krebsregister für die Region Basrah zu erstellen. Dies ist inzwischen gelungen, der erste Bericht der Studiengruppe liegt vor. Der Bericht weist auf einen deutlichen Anstieg von Lungen- und Brustkrebs hin, Erkrankungen des Lymphsystems und Leukämie treten ebenfalls gehäuft auf. Auch die Arbeit einer 2005 unter Mitwirkung der IPPNW initiierten Studiengruppe an der Universität Basra lieferte Ergebnisse, die einen einheitlichen Anstieg der Leukämie-Neuerkrankungen zwischen 1995 und 2008 feststellten. Weitere Studien zeigen eine erschreckende Zunahme kindlicher Missbildungen von 3.04 Fällen auf 1.000 Geburten (1990) auf 17.6 Fälle auf 1.000 Geburten (2000).

 

Uranwaffen ächten

Der Einsatz von Depleted Uranium muss geächtet werden, um die Zivilbevölkerung und auch die Soldaten vor langfristigen schwerwiegenden Gesundheitsschäden zu schützen. Die IPPNW setzt sich für eine Uranwaffen-Konvention ein, einen internationalen Vertrag, der Produktion, Besitz und Anwendung von Uranwaffen verbietet.

 

Anmerkungen

(1) Schmitz-Feuerhake, Inge:
Einschätzung der Strahlenschäden durch ICRP muss revidiert werden
Artikel 8: Zeit-Fragen Nr. 1 vom 3.1.2006

(2) ICBUW-Liste aktueller Forschungsarbeiten zu abgereichertem Uran:
www.ippnw.de/frieden/uranmunition

Quelle:
Factsheet der IPPNW - Juni 2010
Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.
IPPNW-Geschäftsstelle, Körtestr. 10, 10967 Berlin
Telefon: 030 / 69 80 74-0, Fax: 030 / 69 38 166
E-Mail: ippnw@ippnw.de
Internet: www.ippnw.de

 

 

Ausgewählte Studien und wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema Uranwaffen - Einsatz - Folgen

 

Prof. Dr. Dr. med. habil. Siegwart Horst Günther

"Uran-Geschosse"

Prof. Siegwart Horst-Günther hat eine präzise, verständliche und doch fachlich fundierte Broschüre erstellt, die dieses Thema aufgreift.

 

Siegwart Horst-Günther studierte Humanmedizin, arbeitete anschließend 2 Jahre mit Albert Schweitzer zusammen und ging im Jahr 1990 an die Universitätsklinik in Bagdad. Dort habilitierte er und wurde zum Professor ernannt.

In seinem Bericht bringt er naturwissenschaftliche Grundlagen zum Verständins der Funtkionsweise und der Wirkung von Urangeschossen auf den menschlichen Organismus näher. Es werden die gesundheitlichen Folgen durch die freigesetzte radioaktive Strahlung erläutert. Die Gebiete in der diese Munition abgeworfen wurde wird mit bildhaften Dokumenten belegt und die Folgen anhand der Bevölkerung aufgezeigt.

Eine sehr empfehlenswerte Studie, in der alle wichtigen Informationen zu diesem Thema auf weniger als 50 Seiten zusammengefasst sind.

 

 

 

 

Eine Dokumentation mit Kommentaren von Brigitte Runge und Fritz Vilmar

"Kriegführung mit Urangeschossen"

Uranstaub - schleichender Massenmord

 

Etwa 30 Staaten der Welt besitzen in ihren Militärdepots außerordentlich wirksame panzer- und bunkerbrechende Munition, die in Kriegsgebieten und weit darüber hinaus schleichend den Massenmord bewirkt durch massenhaft entstehenden radioaktiven Staub. Die hohe militärische Bedeutung, die tatsächlich massenmordähnlichen Auswirkungen in den betroffenen Gebieten (und weit darüber hinaus) sind ebenso nachweisbar wie die bisherigen Versuche der Geheimhaltung oder Verharmlosung seitens der offiziell Verantwortlichen.

Der Text fasst eine Analyse zusammen, die von den Autoren als 50-seitige Broschüre im Auftrag des »Arbeitskreises für Friedenspolitik« erarbeitet worden ist (erweiterte Auflage, mit allen Quellen, 2007) und gegen einen Druckkostenbeitrag von einem Euro (per Briefmarke) von diesem angefordert werden kann: AKF, Gardeschützenweg 27, 12203 Berlin. Sie kann auch auf der Internetseite www.friedenspolitik.com (und bei uns!) ungekürzt mit allen Quellennachweisen kostenlos heruntergeladen werden.

 

 

 

Hilfreiche Dokumentationen

 

Interview im Radio (Fritz - KenFM) mit dem Grimme-Preisträger und Dokumentarfilmer Frieder Wagner!

Die unbeschreiblichen Folgen für die nächsten Generationen, der Einsatz von “Depeted Uranium

Waffen”.  KenFM brach am 17. April 2011 mit dem Thema “Ich und DU”, wobei DU für Depleated Uranium steht, ein Tabu in der deutschen Medienlandschaft.

Bis auf eine Ausstrahlung des WDR, wurde das Thema nur in ganz seltenen Fällen eventuell einmal erwähnt. Bunkerbrechende Munition, die aus abgereichertem Uran hergestellt wird. Dieser Stoff entsteht beim Betrieb von Atomkraftwerken und gilt als klassischer Atommüll.

Militärdesigner nutzen DU seit geraumer Zeit um damit effektive Bomben zu bauen.

KenFM beschäftigte sich am Sonntag, den 17. April mit DU-Munition und den Folgen z.B. für Soldaten, die jetzt in Afghanistan stationiert sind. Ken Jebsen traf sich deshalb u.a. mit Frieder Wagner, einem ARD-Journalisten, der 2004 einen Film über den tödli

chen Staub gemacht hat: Deadly Dust.

 

 

Frieder F. Wagner

Deadly Dust - Todesstaub

Der Film begleitet den deutschen Tropenarzt und Epidemiologe Dr. Siegwart-Horst Günther und seine amerikanischen Kollegen bei ihren Untersuchungen im Kosovo, in Bosnien und im Irak. Überall dort hatten amerikanische Truppen die gefährliche Uran-Munition eingesetzt. Der Film zeigt bislang wenig bekannte Langzeitfolgen unter denen besonders die Kinder in den Kriegsgebieten zu leiden haben. Nach Ende des jüngsten Irak-Krieges entdeckten die Experten in der Umgebung von Basra kontaminierte Kriegsschauplätze, deren radioaktive Verseuchung die natürliche Erdstrahlung um das 20.000-fache übertrifft.

Nähere Informationen siehe HIER!

Zu diesem Film wurde Frieder F. Wagner befragt! Das komplette Interview finden Sie HIER!

 

 

Prof. Dr Siegwart Horst-Günther

DIE STORY - "Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra"

Der Film begleitet den deutschen Tropenarzt und Epidemiologe Dr. Siegwart-Horst Günther und seine amerikanischen Kollegen bei ihren Untersuchungen im Kosovo, in Bosnien und im Irak. Überall dort hatten amerikanische Truppen die gefährliche Uran-Munition eingesetzt. Der Film zeigt bislang wenig bekannte Langzeitfolgen unter denen besonders die Kinder in den Kriegsgebieten zu leiden haben. Nach Ende des jüngsten Irak-Krieges entdeckten die Experten in der Umgebung von Basra kontaminierte Kriegsschauplätze, deren radioaktive Verseuchung die natürliche Erdstrahlung um das 20.000-fache übertrifft. Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra.

 

 

Buchempfehlungen zum Thema

Uranbomben: Die verheimlichte Massenvernichtungswaffe

 

Dieses Buch soll, ebenso wie meine Filme Todesstaub und Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra, die Vertuschungsstrategie der Militärstrategen und der großen Medien durchkreuzen und die Wahrheit verbreiten helfen: Uranwaffen sind Massenvernichtungswaffen und müssen weltweit geächtet und verboten werden. Deutschland muss völkerrechtlich verbindlich den Verzicht auf diese Militärtechnologie erklären und einen globalen Uranwaffensperrvertrag initiieren. (Frieder Wagner)Ein Verbrechen gegen Gott und die Menschhheit nennt der US-amerikanische Friedensforscher Doug Westerman den Einsatz von Uranmunition.

 

Seit dem Golfkrieg 1991 nutzt die US-Army unter stillschweigender Duldung der NATO-Verbündeten urangehärtete Bomben und Granaten. Eine Studie der britischen Atomenergie-behörde aus dem Jahr 1992 besagt, dass beim Einsatz von 40 Tonnen dieser Munition bis zu 500.000 Todesopfer im Irak durch radioaktive Verseuchung zu erwarten sind. Im Krieg 1991 wurden aber allein 320 Tonnen eingesetzt. Wie furchtbar mögen die Folgen der Uran-Waffen in Bosnien (1995), in Jugoslawien (1999) und im zweiten Irak-Krieg (2003) sein? Es gibt alarmierende Hinweise, dass vor allem in Afghanistan (von 2001 bis heute) und im israelischen Krieg gegen den Libanon (2006) auch mit höher angereicherten Sprengsätzen experimentiert wurde mit der Zivilbevölkerung als Versuchskaninchen.

Dieses Buch belegt faktenreich: Uranwaffen sind Massenvernichtungswaffen.

 

Ketzerbriefe Nr. 154, Sonderheft Kritische Medizin XVI: Depleted Uranium - Der schleichende Tod nach den US-Bomben

Inhalt:

  • Ingo Schuler
    Depleted Uranium – der schleichende Tod nach den US-Bomben
  • Eleonora Hoff
    Die Abschaffung der ärztlichen Selbständigkeit
    und die Endlösung der Krankenversorgung
  • Eleonora Hoff
    Und weiter beim Abbau des Rentnerbergs!
  • Judith Funke
    Abrichtung zum Billigmediziner
  • Ines Abraham
    Filmrezension: »Transit«
  • Kurz und kirchenstaatlich
  • Aus dem Tierreich

 

Uran-Geschosse, Schwergeschädigte Soldaten, mißgebildete Neugeborene, sterbende Kinder

Professor Siegwart-Horst Günther hat als Präsident des Gelben Kreuzes International zahlreiche Hilfslieferungen für die hungernde und kranke irakische Bevölkerung organisiert und selbst durchgeführt.

Die Verwendung radioaktiv verseuchter Kampfmittel durch die amerikanischen Truppen stellt eine neue Dimension des Kriegsverbrechens dar wie seinerzeit, während des Vietnamkriegs, das tonnenweise eingesetzte chemische Kampfgift "Agent Orange". Diesmal gesellte sich zum militärischen Nutzen - der erhöhten Durchschlagskraft der Geschosse - der für die USA bequeme Umstand, den gefährlichen Abfall ihrer Atomindustrie kostengünstig "entsorgen" zu können. Der Irak der Gegenwart und auch Teile Ex-Jugoslawiens sind also Atommüllhalden - mit entsetzlichen Folgen für die Bevölkerung, wie die Bilder dieser Dokumentation belegen.

 

»Geschosse aus abgereichertem Uran sind eine Bedrohung für das Leben dieser und kommender Generationen. Die gedankenlose Anhäufung dieser gefährlichen Waffen muß sofort beendet und ihre Produktion vollständig verboten werden. Die ganze Menschheit ist Siegwart-Horst Günther zu Dank verpflichtet für seine Pionierarbeit zur Aufdeckung dieser Bedrohung.«
Ramsey Clark, ehemaliger US-Justizminister


»Bereits seit Jahren hat er immer wieder gewarnt, auf die verheerenden Wirkungen von Uran-Munition aufmerksam gemacht. Doch es interessierte kaum jemanden - hierzulande zumindest. [...] Der Arzt und Wissenschaftler Siegwart-Horst Günther hat am Beispiel der Folgen des Golfkriegs 1993 bis 1995 erstmals die Gefährlichkeit von Uran-Munition für Leib und Leben nicht nur derjenigen, die von ihr getroffen werden, sondern auch jenen, die auf die eine oder andere Weise mit ihr in Berührung kamen, nachgewiesen. Uran-Geschosse aus der US-Waffenschmiede haben bei Irakern sowie amerikanischen und britischen Soldaten verheerende Gesundheitsschäden hinterlassen. In einer Dokumentation, die jetzt in erweiterter und aktualisierter Auflage erschien, schildert er, wie der Kontakt mit DU-Munition zu Leukämie oder anderen Krebsbildungen und aplastischer Anämie (Knochenmark), zu Aborten und Frühgeburten bei Schwangeren führt. Seine Studie fand weltweit Aufmerksamkeit.«

Neues Deutschland

 

 

Aktuelle Debatten und Ereignisse zum Thema "DU - Depleted Uranium"

 

Viele interessante Berichte und Artikel zu diesem Thema wurden von der schweizerischen Wochenzeitung "Zeit-Fragen" zusammengestellt!

Hier gibt es die Dossiers aus den Jahren 2006 - 2008 zum herunterladen!

Dossier Zeit-Fragen 2006

Dossier Zeit-Fragen 2006 Sonderausgabe

Dossier Zeit-Fragen 2007

Dossier Zeit-Fragen 2008

 

 

Vorwürfe des Einsatzes von Uranmunition unabhängig untersuchen

NATO-Krieg in Libyen

Mahdi Darius Nazemroaya, Centre for Research on Globalization

06.07.2011

Laut Berichten des Centre for Research on Globalization haben Wissenschaftler in Libyen radioaktive Isotope gefunden, die auf den NATO-Einsatz von Uranmunition zurückzuführen seien. Die IPPNW fordert eine unabhängige Untersuchung dieser Vorwürfe durch das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) unter Beteiligung kritischer Wissenschaftler. „Der mögliche Einsatz von Uranmunition widerspricht eklatant den angeblichen Zielen des Schutzes der Zivilbevölkerung. Über die tödliche Wirkung hinaus, führt der Einssatz zu langfristigen schwerwiegenden Gesundheitsschäden. Daher muss Uranmunition geächtet werden,“ erklärt Sabine Farrouh, Vorstandsmitglied der IPPNW.

Uranmunition ist ein Abfallprodukt, das bei der Herstellung von Kernbrennstoff für Atomkraftwerke und von waffenfähigem Uran für Atombomben entsteht. Es wird von der Rüstungsindustrie zur Herstellung von panzer- und bunkerbrechender Munition verwendet. Beim Einsatz von Uranmunition entstehen Uranpartikel und Uranoxide, die als Schwebeteilchen und Stäube die Umgebungsluft belasten. Dieser toxische Feinstaub wird mit dem Wind weit verbreitet und immer wieder aufgewirbelt. Durch Inhalation, Wasser, Nahrungsaufnahme oder durch die Haut kann das abgereicherte Uran als Areosol oder als Uranoxid in den Körper gelangen.

Wissenschaftliche Forschungen an Säugetieren und Zellkulturen weisen auf verhängnisvolle Folgen der Uranmunition für die menschliche Gesundheit hin, sowohl aufgrund der Strahlung als auch der Chemotoxizität und schließlich auch durch synergetische Effekte. Sie zeigen eindeutig, dass das inkorporierte abgereicherte Uran eine Vielzahl von Gesundheitsschäden verursacht, einschließlich Karzinomen. Die schädlichen Gesundheitseffekte wie Krebserkrankungen, chronische Nierenschädigungen und genetische Defekte treten mit einer Latenzzeit von wenigen Jahren (Säuglinge, Kinder) bis einigen Jahrzehnten (Erwachsene) auf. Betroffen sind Soldaten sowie die jeweilige Wohnbevölkerung des Kriegsgebietes.

Dieser Artikel stammt vom IPPNW vom 06.07.2011

 

 

Eine Frage der Ächtung

141 Nationen forderten, gestützt auf die internationale Rechtslage, die Herstellung, Verbreitung und Anwendung von Uranmunition und Uranwaffen künftig zu verbieten.

von Claus Biegert

Am 2. Dezember 2008 gehörte zur Agenda der Vollversammlung der UNO ein Antrag auf Ächtung von Uranmunition. Das Ergebnis war beeindruckend: 141 Nationen forderten, gestützt auf die internationale Rechtslage, die Herstellung, Verbreitung und Anwendung von Uranmunition und Uranwaffen künftig zu verbieten. Dass die Atommächte Frankreich, Großbritannien, Israel und die USA dagegen votierten, überraschte nicht; Russland enthielt sich der Stimme und China blieb der Abstimmung fern. Eine Resolution erging an die verantwortlichen UN-Organisationen, die gesundheitlichen Folgen zu überprüfen.

Uranmunition dient nicht der Sicherheit, sie gefährdet die Sicherheit. Damit, so der Völkerrechtler Manfred Mohr, sollten die umstrittenen Arsenale eigentlich Thema der jährlichen Sicherheitskonferenzen in München sein. Waren sie nicht, denn dort bestimmt weitgehend die NATO das Programm. Eine weltweite Koalition blickt daher auf den neuen Konferenzleiter, Botschafter Wolfgang Ischinger, und erhofft sich einen neuen Wind. Einen Wind, der nicht mehr Nanostaub aus radioaktivem Schwermetall übers Land weht, sondern einen Wind, der den Mantel des Vertuschens und Verschweigens hochbläst. Von Claus Biegert

Armeen schätzen Uranmunition neben ihrer Durchschlagskraft auch wegen ihrer ökonomischen Vorzüge: Hergestellt werden die Geschosse aus abgereichertem Uran 238, einem Abfallprodukt der Atomenergie – die Produktionskosten sind also lächerlich. Im Reaktor wird Uran 235 benötigt, dies kommt im geförderten Uranerz kaum vor; es muss daher angereichert werden. Beim Prozess der Anreicherung auf Uran 235 bleibt Uran 238 in Massen übrig, man spricht dabei von abgereichertem Uran. Im Englischen Depleted Uranium, abgekürzt DU. Hier sind wir gewissermaßen Zeuge eines Recycling-Prozesses, wie ihn die nukleare Kette sonst nicht aufweist: Statt teuer entsorgt zu werden, findet das nicht mehr gebrauchte Uran aus der Kernkraftproduktion als Rohstoff Aufnahme in die Waffenproduktion. Dort, dank seiner extrem hohen Dichte, härtet es Projektile und erhält damit das Prädikat „panzerbrechend“.

Ein Panzer kostet um die acht Millionen Euro; eine Urangranate kostet kaum ein Tausendstel. Man ist also, militärisch und wirtschaftlich gesehen, auf der sicheren Seite. Vor allem England und die USA statten ihre Armeen mit DU-Geschossen aus. Im Kosovo wurde DU-Munition verwendet, in Bosnien und Serbien, ebenso in Kuwait, in Afghanistan, im Libanon, in Somalia, im Irak geschieht es weiterhin.

Was Munition und Granaten hart macht, ist die hohe Dichte von Uran, mit 19 g/ccm neunzehn mal schwerer als Wasser, ein Schwermetall also. Schwermetalle aber sind toxisch und damit gefährlich für den menschlichen Organismus. Gefahr geht auch von der radioaktiven Strahlung aus. Wer verglüht, mag vielleicht ein Argument lauten, ist eh tot. Stimmt, für die Insassen eines getroffenen Panzers besteht keine Chance, zu überleben. Gefahr aber droht auch den Menschen der Umgebung, also Soldaten, und Gefahr besteht in der Region weiter nach dem Krieg, also für Zivilisten.

Was passiert, wenn eine stahlbrechende Munition auf ihr Ziel trifft? Beim Durchbohren der Panzerwand entsteht eine Reibungshitze von mehreren Tausend Grad Celsius. Uran hat die Eigenschaft, sich zu entzünden. Die hohe Temperatur führt zu einer Explosion, dabei verdampft der Uranmantel zu Nanopartikeln. Dieser stark toxische und schwach strahlende Feinstaub wird dann vom Wind auf dem Schlachtfeld verteilt. Nanopartikel kennen keine Barrieren, durch die Schleimhäute der Atmungsorgane wandern sie in die Blutbahn. Auch die Blutschranke zum Gehirn ist für sie kein Hindernis.

Geschosse, die ihr Ziel verfehlen, erodieren und können eine Gefährdung des Grundwassers darstellen, in welchem Ausmaß ist noch nicht erforscht. Ein Fall also für die WHO; doch die ist in Gesundheitsfragen nicht immer frei: Sobald Uran im Spiel ist, muß die Weltgesundheitsorganisation ihre Befunde einer Agentur in Wien vorlegen, so regelt es ein Abkommen von 1959. Die Internationale Agentur für Atomenergie, IAEA, hat das Mandat, kursierendes spaltbares Material zu überwachen und gleichzeitig die Nutzung von Kernenergie weltweit zu fördern. Sie poliert in WHO-Meldungen das Schadenausmaß, reduziert die Gefahr und auch die Zahl von Toten und Kranken. Kein Wunder, dass sich mit den Jahren im Zentrum der WHO eine Selbstzensur eingenistet hat, die der Atom-Agentur nachträgliche Korrekturen nahezu erspart.

Als der Chemiker Keith Baverstock 2001 einem WHO-Handbuch zur DU-Problematik im Kosovo aktuelle medizinische Studien anfügen wollte, die auf neue Gesundheitsrisiken hinwiesen und damit frühere Fallstudien in Frage stellten, kam ein Veto. Es handle sich um „Fairy Tales“, ließ man ihn wissen, also Märchen, unter Wissenschaftlern ein vernichtendes Urteil. Baverstock wollte daraufhin seinen Namen aus der Redaktion entfernen; dieser Wunsch wurde von seinen Vorgesetzten ignoriert. Inzwischen sind, laut Baverstock, mindestens sechzehn Aufsätze in medizinischen Fachzeitungen erschienen, die von einer Schädigung des Erbguts berichten. DU bedroht die DNA – die missgebildeten Neugeborenen im Südirak füllen bereits die Krankenhäuser. Als der UN-Generalsekretär 2008 die WHO um eine erneute Einschätzung bat, blieben diese sogenannten „Peer Reviews“ der medizinischen Fachliteratur unerwähnt. Keith Baverstock: „Es ist nicht zu fassen!“

Nicht zu fassen ist auch die Haltung der NATO. Auf der Internet-Seite steht zum Thema die Warnung: „Wie bei allen Munitionstypen und Minen gilt auch bei DU das einfache Prinzip von ‚Nicht Berühren‘”. Die Frage nach gesundheitlichen Gefahren von Uranmunition wird in der Presseabteilung fast als Angriff empfunden. Es gäbe, so die Antwort aus Brüssel, bis heute keinerlei Nachweise, dass abgereichertes Uran zu Gesundheitsschädigungen führe. Jeder Widerspruch wird als unliebsame Störung von Seiten der Friedensbewegung abgehakt, über die Arbeit von IPPNW (Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs), immerhin Friedensnobelpreisträger, und die Initiative „International Coalition to Ban Uranium Weapons“, scheint man nur unzureichend informiert. Eine Ächtung, so der beigeordnete Generalsekretär für politische Fragen in der NATO, Martin Erdmann, sehe er „nicht einmal am weiten Horizont“.

In greifbarer Nähe wird die Ächtung von der „International Coalition to Ban Uranium Weapons“ gesehen, die es geschafft hat, 141 Staaten für ihr Ziel zu gewinnen. Federführend an der Ausarbeitung eines künftigen Vertrages war der Berliner Jurist Manfred Mohr, der auch zu den Gründern der weltweiten Koalition gehört. Der Rechtsprofessor orientiert sich am Oslo-Prozess zur Ächtung von Splitterbomben und sieht den Einsatz von Uranwaffen – damit ist sämtliches Kriegsgerät erfasst, das mit Uran gehärtet ist – ebenfalls in Kollision mit dem Völkerrecht, da der Schutz der Kombattanten vor „überflüssigen Verletzungen und unnötigen Leiden“, sowie der Schutz der Zivilbevölkerung nicht mehr gewährleistet werden können. Die weltweite Koalition kann sich neben dem allgemeinen Völkergewohnheitsrecht auf diverse Rechtsrahmen stützen: die Petersburger Deklaration von 1868, die Haager Landkriegsordnung von 1907, die Zusatzprotokolle zu den Genfer Konventionen von 1977. Immer geht es um die Gefährdung der Zivilbevölkerung, die den „Grundsätzen der Proportionalität und der ausreichenden Vorsichtsmaßnahmen“ zuwiderläuft.

Diese Gefährdung wird von den Militärs jedoch abgestritten. Dabei treten Zauberer auf, Rudolf Scharping war einer von ihnen, in der Wochenzeitung DIE ZEIT war es 2001 nachzulesen. Der Minister wurde zum Magier und sprach: „Uran wird als Metall, nicht als strahlendes Material verwendet. Deshalb haben auch alle Untersuchungen ergeben, dass die Strahlung aus diesem Uran unterhalb der natürlichen Umwelteinflüsse liegt.“ Anschließend stellte der Magier einen Stab aus Journalisten und Militärs zusammen, der seine Aussage erhärten sollte. Der Stab erfüllte seine Aufgabe. Den Blick hinter die Kulissen verdanken wir dem Erlanger „Institut für Medienverantwortung“, das sich auf Entlarvung von Medienzauberern spezialisiert hat.

Aus den eigenen Reihen erheben immer wieder Warner ihre Stimmen. Zum Beispiel die internationale Militärgewerkschaft EuroMil: Der Dachverband europäischer Soldaten fordert eine Ächtung und verlangt eine Aufklärung der Soldaten. Ein anderes Beispiel ist der US-amerikanische Physiker und Experte für chemische und biologische Kampfstoffe, Doug Rokke: Er war beteiligt an der Entwicklung von Uranmunition und stieg nach dem ersten Golfkrieg aus. Heute reist er um die Welt, um sein Gewissen zu erleichtern. Er weiß, wovon er spricht, wenn er sagt: „Uranmunition ist ein Verbrechen gegen die Menschheit“ und: „Wir führen einen Krieg gegen uns selbst“.

Uranmunition dient nicht der Sicherheit, sie gefährdet die Sicherheit. Damit, so der Völkerrechtler Manfred Mohr, sollten die umstrittenen Arsenale eigentlich Thema der jährlichen Sicherheitskonferenzen in München sein. Waren sie nicht, denn dort bestimmt weitgehend die NATO das Programm. Eine weltweite Koalition blickt daher auf den neuen Konferenzleiter, Botschafter Wolfgang Ischinger, und erhofft sich einen neuen Wind. Einen Wind, der nicht mehr Nanostaub aus radioaktivem Schwermetall übers Land weht, sondern einen Wind, der den Mantel des Vertuschens und Verschweigens hochbläst.

Dieser Artikel erschien am 07./08.02.2009 in der Süddeutschen Zeitung

 

 

Krebs in Falludscha

Aufsehenerregende Studie: Zur Hinterlassenschaft der US-Armee im Irak gehören die Folgen des Einsatzes von Uranmunition

Von Karin Leukefeld, Damaskus Vorgeblich soll am heutigen Dienstag der sogenannte US-Rückzug aus Irak beendet sein. Und obwohl es nichts zu feiern gibt, wird das Ereignis propagandistisch gewürdigt. Unter anderem sind eine Rede von Präsident Barack Obama in Washington sowie verschiedene »Feierlichkeiten«. Was bleibt, sind 50000 amerikanische Besatzungssoldaten, die angeblich zur Ausbildung irakischer Soldaten und Polizisten eingesetzt werden, jedoch jederzeit auch militärisch zuschlagen können. Was bleibt, sind Zerstörung, Massenfluchten, eine politisch fragile Lage, die alltägliche Angst und das unermeßliche Leid der Opfer. Es hält an. Zum Beispiel Falludscha. Die Stadt liegt etwa 50 Kilometer westlich von Bagdad und war ab März 2004 von US- und irakischen Truppen belagert und zerschossen worden. Grund war die besondere Wut der Einwohner auf die Besatzungstruppen. Sie begann am 28. April 2003. Damals forderten etwa 200 Einwohner, daß amerikanische Soldaten eine örtliche Schule räumen. Diese sollte wieder für den Unterricht genutzt werden. Die Besatzer feuerten in die Menge und töteten 17 unbewaffnete Menschen.

Bei einem Protest gegen das Massaker wurden dann erneut zwei Menschen getötet. Danach formierte sich in Falludscha der Widerstand mit einer Fülle von Anschlägen gegen die Besatzungstruppen. Auch vier Angestellte der privaten Söldnerfirma Blackwater wurden gelyncht. Daraufhin begann der Angriff auf die Stadt – als eine Art »kollektiver Bestrafung«. Zehntausende Bewohner gelang noch die Flucht, bevor die Stadt militärisch abgeriegelt wurde. Weißer Phosphor und abgereicherte Uranmunition (DU) dürften eingesetzt worden sein, doch weigert sich die Armeeführung bis heute, darüber Angaben zu machen.

»Falludscha, Irak, Krebs, Leukämie, abgereichertes Uran, Golfkrieg« – unter diesen Stichworten findet man heute in Internet und Bibliotheken die Studie »Krebs, Kindersterblichkeit und Geburtenänderung im Geschlechterverhältnis« von Chris Busby, Malak Hamdan und Entesar Ariabi von 2010. Tatsächlich deuten die hohen Krebsraten und Mißbildungen bei Neugeborenen auf den Einsatz von DU-Munition hin, in dessen Folge sich ein feiner radioaktiver Staub in der Luft, auf dem Boden und im Wasser auflöst und eingeatmet oder über die Nahrungskette aufgenommen wird. Die Langzeitfolgen zeigen sich erst nach fünf bis sechs Jahren.

Erstmals wandten sich Ärzte aus Falludscha im Oktober 2009 mit einem offenen Brief an die Vereinten Nationen und forderten eine Untersuchung. Allein im September 2009 waren 24 Prozent der 170 Neugeborenen innerhalb von sieben Tagen gestorben, 75 Prozent von ihnen hätten schwere körperliche Schäden aufgewiesen, hieß es in dem Schreiben. »Junge Frauen haben Angst, Kinder zu bekommen, weil Babys mit grotesken Mißbildungen geboren werden, ohne Köpfe, mit zwei Köpfen oder einem Auge auf der Stirn (…)«.

Busby, Hamdan und Ariabi stellten daraufhin Fragebogen (in arabisch) zusammen, die Anfang 2010 von speziellen Teams in insgesamt 711 Haushalten in Falludscha verteilt wurden. 4843 Personen antworteten. Die Auswertung ergab, daß sich seit Januar 2005 die Krebserkrankungen in Falludscha vervierfacht hatten. Die Rate liegt 38mal höher als in Ägypten, Jordanien und Kuwait. Erhöhtes Risiko für Leukämie liegt bei allen Altersgruppen vor, gefolgt von Krebs in den Lymphgefäßen, Brustkrebs bei Frauen und Gehirntumoren.

Die Todesrate beträgt bei Neugeborenen 80 von 1000 – in Ägypten sind es 19,8, in Jordanien 17 und in Kuwait 9,7 auf tausend Geburten. Anormal zeigte sich das Geburtenverhältnis von Jungen und Mädchen bis zu vier Jahren. Normalerweise ist das Verhältnis in dieser Altersgruppe 1050 Jungen zu 1000 Mädchen. In Falludscha ist das Verhältnis 860 Jungen zu 1000 Mädchen. Als Grund wird Streß durch genetische Störung angenommen, was gestützt wird von der hohen Anzahl von Mißbildungen. Männliche Embryos überleben weniger oft als weibliche Embryos, die mit Mißbildungen reagieren.

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluß, daß die Einwohner von Falludscha mit einer vergleichweise höheren Rate an Krebs, Leukämie, Kindersterblichkeit und Mißbildungen konfrontiert sind, als es bei den Überlebenden von Hiroschima und Nagasaki in den Jahren nach den Atombombenabwürfen im August 1945 dokumentiert wurde.

Die Studie wurde in der Juliausgabe (2010) des International Journal of Environmental Research and Public Health (www.mdpi.com/journal/ijerph) veröffentlicht.

Aus Junge Welt vom 31. August 2010

 

 

 

Diese Artikel stellen nur eine kleine Auswahl der in den letzten Jahren vveröffentlichten Berichte dar. Trotzdem findet das Thema Uranmunition leider bis heute wenig bis keine Beachtung in der Öffentlichkeit. Diese Waffen werden seit mehr als 20 Jahren eingesetzt und bis heute in den verschiedensten Regionen der Welt abgeschossen. Die daraus entstehenden Folgen sind nicht rückgängig zu machen! Es muss daher schnellstens in das Licht der Öffentlichkeit gerückt werden, dass durch diese Massenvernichtungswaffen der menschliche Lebensraum unwiderruflich zerstört wird! Einmal abgeschossen geben diese Geschosse eine tödliche Strahlung ab für viele Millionen Jahre...

 

In den größten Tages- und Wochenzeitungen Deutschlands wurde dieses brisante Thema ebenfalls angesprochen, jedoch in den meisten Fällen stark verharmlost dargestellt und teilweise sogar dreist gelogen!!! Um ein wenig Aufklärung zu schaffen für diejenigen, die einige dieser falschen Behauptungen gelesen haben finden Sie HIER eine Auflistung dieser falschen Behauptungen und eine fachlich fundierte Widerlegung!!!

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