Bankenaktionstag in Frankfurt - 15. Mai
!5. Januar 2012: Würzburg / Demo / Banken und Demokratie / Regine
Redebeitrag 15. Januar von Regine
https://www.facebook.com/groups/135181213260326/doc/151529081625539/
Es gibt da einen Gegensatz auf der Welt, auf den ich seit einiger Zeit immer wieder treffe und den ich einfach nicht verstehe. Auf der einen Seite sehe ich so viele Menschen, die sich mit ganzem Herzen für eine gute Sache engagieren. Vor allem hier in Würzburg habe ich in den ganz viele von ihnen kennen gelernt – und ich wohne erst seit vier Monaten hier. Und dann sehe ich auf der anderen Seite: Die Welt, in der so vieles im Argen liegt. Und dann frage ich mich: Wie konnte das System so aus den Fugen geraten, wo es doch so viele engagierte Menschen gibt, die sich für ihre Mitmenschen und ihre Umwelt einsetzen? Ich glaube nicht, dass der Mensch von Natur aus böse ist. Dafür kenne ich einfach zu viele Gegenbeispiele.
Doch es gibt so viel zu tun. So viele Dinge, die wir in ihrer heutigen Form nicht länger akzeptieren können. Armut, Tod, Hunger, Unzufriedenheit, Ungerechtigkeit. Und eigentlich weiß man überhaupt nicht, wo man anfangen soll.
Und plötzlich scheint es eine Antwort auf alles zu geben. Denn im Grunde hat alles Übel eine Wurzel: das Geld. Überall geht es nur noch darum. Menschen und ihre Werte scheinen keine Bedeutung mehr zu haben. Dabei sehen wir gerade dabei zu, wie gerade das Geld uns zugrunde richtet. Das muss aufhören. Für mich vereint die weltweite Bewegung den Kampf gegen die vielen unterschiedlichen brüllenden Ungerechtigkeiten auf der ganzen Welt. Vom Obdachlosen in Würzburg über den kleinen Bauern in Südamerika, dessen Existenz bedroht ist, bis hin zum Opfer der Hungerkatastrophe in Ostafrika. Eigentlich darf es alle drei nicht geben. Und dafür lohnt es sich, zu kämpfen. Wer sind wir denn, dass wir solche Dinge in unserer Welt zulassen? Dass wir die Augen schließen, wenn Menschen vor unserer Türe die Würde abgesprochen wird, so wie den Flüchtlingen in der Gemeinschaftsunterkunft? Im Grunde wissen wir doch alle, dass es so nicht weiter gehen kann, oder?
Wenn ich so darüber nachdenke, meldet sich in mir eine große Traurigkeit, aber auch eine große Wut. Eine Wut, dass wir Menschen es tatsächlich soweit haben kommen lassen. Ich glaube nicht, dass Menschen sich gegenseitig wirklich Unheil zufügen wollen (bis auf wenige Ausnahmen vielleicht). Vielmehr zwingen sie die aber äußeren Umstände dazu. Und diese äußeren Umstände - Armut, Hunger, Ungerechtigkeit, Krieg - gilt es zu ändern. Eine andere Welt ist möglich. Wir müssen sie nur wollen. Europäer müssen sich mit dem Gedanken anfreunden, dass sie ihren Wohlstand teilen müssen. Wer gibt uns denn das Recht, hier in Saus und Braus zu leben? Was hebt uns ab von den vielen Afrikanern, die in einem Flüchtlingslager in Kenia verhungern? Wer gibt uns dieses verdammte Recht? Auch wenn es abgedroschen klingt: Allen Menschen stehen die gleichen Rechte zu. Wir müssen diesen Satz so lange wiederholen, bis er Realität wird – und davon sind wir derzeit noch weit entfernt.
Aber: Die Chance ist da. Wir können bestimmen, wie die Zukunft aussieht. Ob wir es zulassen, dass die Welt weiter läuft wie bisher und Millionen von Menschen ins Unglück stürzt. Oder ob wir eine bessere Welt schaffen wollen. Eine Welt, in der tatsächlich alle Zugang zu genug Nahrung, genug Bildung und genug Mitsprache haben. Es liegt an uns. Und wir sollten hier und heute damit anfangen und die Systemfrage stellen. Denn das System basiert auf unseren westlichen Ländern. Es ist hier gewachsen und immer größer geworden und es hat den Rest der Welt zu unserem Vorteil verschlungen - ohne Rücksicht auf Verluste. Das System hat den Kontakt zu den Bürgern verloren, sowohl finanziell als auch politisch. Dieser Kontakt muss dringend wieder hergestellt werden, damit die Menschen endlich wieder selbst entscheiden können, wie sie leben wollen. Denn so – ich glaube da stimmen mir viele zu – wollen wir nicht weiter machen. Auch wenn es uns hier in Deutschland gut geht. Wir spüren, dass etwas ganz gewaltig schief läuft in der Welt und dass wir uns vor unserer Verantwortung nicht länger drücken können. Die abgehobene Blase aus Finanzwelt und Politik muss platzen und wieder auf den Boden der Realität zurückkommen. Beide müssen sie wieder den Bürgern dieser Welt dienen und nicht nur sich selbst.
Natürlich habe ich kein Rezept, wie das alles funktionieren soll. Woher soll ich es auch nehmen? Es ist das erste Mal, dass der Kapitalismus und alles, was mit ihm zusammenhängt, ernsthaft zur Debatte stehen. Und ich persönlich habe – mit 22 – auch noch nicht die Erfahrung früherer Generation. Aber immerhin, weiß ich – und wissen wir – was wir nicht wollen. Und wir wissen, in was für einer Welt wir leben möchten. Also ist es an uns, diese zu gestalten. Ich habe im Moment das Gefühl, Teil von etwas Großem zu sein. Und dieses Gefühl ist gut. Lasst es uns wagen. Der Weg ist das Ziel. Lasst uns schauen, wohin er uns führt.
15. Januar: Demo Würzburg, Redebeitrag von Sven
Redebeitrag vor der Deutschen Bank, Würzburg, 15. januar 2012
Die DB ist das größte Kreditinstitut Deutschlands und der größte Devisenhändler Weltweit! Die deutsche Bank war maßgeblich an der Finanz und Hypothekenkrise von 2003 bis 2008 beteiligt, durch die Schaffung und Auflegung von Finanzprodukten die massiv zu der Krise beigetragen haben. Die DB mit ihrer Tochter der DWS Investment GmbH die größte deutsche Fondsgruppe mit über 90 Fonds mit einem geschätzten Gesamtvolumen von 45 Milliarden Euro. Und unser lieber Herr Josef Ackermann ist einer der einflussreichsten Lobbyisten im Bankensektor und reist mit unserer Angela durch die Welt.
Und wer es noch nicht wusste: Die Deutsche Bank hat in den Jahren 2000-2009 4,4 Millionen Euro an Parteispenden getätigt und ist somit der größte juristische Spender Deutschlands. Übrigens gingen von diesen 4,4 Millionen ca. 1,1 Mio an die FDP und 2,64 Mio an die CDU. Der Rest ging an die SPD und die Grünen.mUnd unser Jupp hat 2009 als in GB eine Boni Steuer für Manager eingeführt wurde vorgeschlagen, das nicht die Manager diese Steuer zahlen sollten, sondern das diese Kosten auf die Mitarbeiter der DB weltweit umgelegt werden sollten. Ein weiteres tolles Beispiel für die Verteilung der kosten auf Viele und die Verteilung der Gewinne auf Wenige.
Ach ja! Das hätte ich jetzt fast vergessen! Dank der DB kann man ganz toll mit Nahrungsmitteln spekulieren und sich an der Praxis des Land Grabbing beteiligen! Wie kann man daran teilnehmen? Ganz einfach! Die DB hilft dir da gerne weiter: „Freuen Sie sich über steigende Preise? Partizipieren Sie an der Wertentwicklung von sieben der wichtigsten Agrarrohstoffe!“ So hieß der Werbeslogan auf Brottüten in Frankfurt 2008. Seit 2007 gibt es viele neue Agrarrohstoff Fonds und die DB ist ganz vorne mit dabei mit über 50 Fonds! Sei es über die Fonds der DWS oder etwa DB Premium Fonds. Ein Beispiel dafür ist der DWS Global Agricultural Land and Opportunities Fund (GALOF). Womit man auf die Preise von Grundnahrungsmitteln wetten kann!
Diese Spekulation mit Grundnahrungsmitteln hat zur Folge das die Preise insgesamt weltweit steigen. Das ist bereits in mehreren Studien belegt. Diese Art von Spekulation ist nicht nur ein großer Nervenkitzel für die Spekulanten und hat keinen volkswirtschaftlichen Nutzen, sondern verstößt auch noch gegen geltendes EU Recht und ist meiner Meinung nach mit Massenmord gleichzusetzen. Tja und die Banken gewinnen wie im Casino immer. Egal ob die einzelnen Spekulanten Gewinne oder Verluste machen, die Banken streichen immer Gebühren ein.
Und wenn man selber gar nicht da mit machen will?
Weisst du denn wo deine Bank dein Geld investiert? Hast du eine Lebensversicherung oder Rentenversicherung? Wo kriegen die ihre Rendite her?
Und selbst wenn du dabei nicht mitmachst, es gibt genügend Leute mit Geld die Kein Problem damit haben Massenmord zu begehen, wenn Sie dadurch eine schöne Rendite einfahren können!
Wie bereits gesagt verstoßen diese Nahrungsmittelfonds gegen EU recht. Genauer gegen den,Artikel 191 des 2007 verabschiedeten Lissaboner Vertrags, der von allen EU Mitgliedsstaaten unterzeichnet wurde. In diesem Artikel ist ein Vorsorgeprinzip verankert, welches besagt, das das Leben und die Gesundheit von Menschen vorsorglich zu schützen ist. Die Banken behaupten gerne, das zwischen ihren Fonds und den Preisen von Grundnahrungsmitteln kein Zusammenhang besteht, bzw. das man das nicht beweisen könnte. Sie sind aber laut dem Lissaboner Vertrag dazu verpflichtet dies zu beweisen! Das ist bis heute nicht passiert! Wenn die Banken es aber nicht selber tun, ist hier die Politik gefragt und gefordert sich nicht nur endlich für Transparenz einzusetzen, sondern auch endlich mal Konsequenzen zu ziehen! Nicht nur sollten Banken stärker reguliert werden, sondern die Spekulation mit Grundnahrungsmitteln muss verboten und unter Strafe gestellt werden!
Und was ist Land Grabbing?
Land Grabbing bezeichnet die Aneignung von Land in Entwicklungs- und Schwellenländern durch Staaten und Großkonzerne. 2008 – 2011 allein sind nach Schätzung von Experten 80 Millionen Hektar Land gekauft oder gepachtet worden. Das entspricht der zweifachen Flächen von Deutschland. 70% davon allein in Afrikanischen Ländern unterhalb der Sahara. ZB hat die Malinesische Regierung 8000 qkm an ausländische Konzerne und Staaten verkauft und verpachtet. Das hört sich nicht nach viel an, ist aber ein drittel der gesamten Anbaufläche des Landes! Auf diesen Flächen werden keine Nahrungsmittel für die lokale Bevölkerung mehr angebaut.Und das wenige Trinkwasser wird dann auch noch für den Anbau von Blumen oder exotischen Lebensmittel verschwendet.
Einige sagen das diese Praxis des Land Grabbing neue Arbeitsplätze schafft für die lokale Bevölkerung. Wenn man aber sieht, das in Madaskar zb. In den Gebieten des Land Grabbing lediglich 0,002 Jobs pro qkm geschaffen wurden, weiß man was man von einer solchen Behauptung zu halten hat.
Also: Nicht nur wird an den Börsen der Welt vermehrt mit Lebensmitteln spekuliert und die Preise dadurch in die Höhe getrieben, sodass sich arme Länder die benötigten Grundnahrungsmittel nicht mehr auf dem Weltmarkt kaufen können. Es wird durch das Land Grabbing auch verhindert, das sich diese Länder selbst versorgen können. Und als letzten Sargnagel nimmt man ihnen auch noch die letzte Lebensgrundlage: Trinkwasser. Damit haben wir in vielen Schwellenländern und Entwicklungsländern im Prinzip die komplette Lebensgrundlage entzogen: Keine Land um Lebensmittel anzubauen, keine Lebensmittel die diese kaufen könnten und kein Wasser zum trinken. Auch eine Methode um der Überbevölkerung dieser Welt zu begegnen.
Was nun, bzw. tun?
Wechsel die Bank, mach mit bei der Aktion Krötenwanderung von attac. Überprüfe deine eigenen Anlagen. Schreib Briefe und Emails an das Bundeskanzleramt und deinem Bundestagsabgeordneten, das du dich nicht an der kapitalistischen Kolonisierung der Entwicklungsund Schwellenländern beteiligen möchtest. Fordere deine Bank auf sich von Fonds die mit Nahrungsmitteln spekulieren oder sich an Land Grabbing beteiligen zu distanzieren!
Informiere Dich!!! Es gibt genug Organisationen da draußen, die sich diesen Themen angenommen haben: zB. Foodwatch, Attac, Fian, Misereor, etc.





