Würzburg

glanz-GOLD-gloria / Wolf Tekook

Wolf Tekook

Nicht alles beim Gold ist Glanz

„Gold ist ein Kind des Zeus; weder Motten noch Rost verzehren es – aber der Geist des Menschen wird von diesem kostbarsten Stoff verzehrt.“ (Pindar 5.Jh. v. Chr.)

Gold – bei diesem Begriff werden Emotionen geweckt. Schon die Etrusker fertigten filigrane Kunstwerke aus Gold, die gelbe Preziose ist der Grundstoff für Königskronen wie Eheringe. Die Uhren- und Schmuckindustrie verarbeitet 75 Prozent des geförderten Goldes. Gold verspricht Dauerhaftigkeit, Ewigkeit – Ehre und Ruhm für den, der es trägt.

Von diesem Glanz möchte auch die werbende Industrie profitieren: Wie ein Goldbarren sieht es aus – und das ist auch Absicht. Der neue Herrenduft “1 Million”, der ins Auge springende, glänzende Goldbarren des Designer-Stars Noé Duchaufour-Lawrence für Paco Rabanne, den die Werbung „unwiderstehlich“ nennt, ist in diversen Variationen erhältlich. „Gleichviel um welche Zivilisation oder Religion es sich handelt, Gold hat auf den Menschen immer schon eine starke Anziehungskraft ausgeübt.”, so Modeschöpfer Paco Rabanne, der weiß, welche Zielgruppe Kunde für seinen so speziellen Goldbarren ist.

Selbst profane Waren werden mit Gold „wertvoller“ gemacht. Viele werden sich noch an die Gardinen von ADO mit der „Goldkante“ erinnern, von der Schauspielerin Marianne Koch mit den Attributen Sauberkeit, Sicherheit und

Gemütlichkeit beworben. Der Süßwarenhersteller Haribo steigerte seine Umsätze beträchtlich, nachdem er aus einfach Gummibärchen „Goldbären“ machte. Der Beiname „Gold“ soll aus dem Einfachsekt von Kupferberg ein Edelprodukt machen. In der Lebensmittelbranche wird Blattgold als Flocken und Pulver für die optische Veredelung von Pralinen und Getränken (Danziger Goldwasser) eingesetzt. Zahnärzte überkronen defekte Zähne mit dem gelben Metall. Die Kosmetikindustrie nutzt Gold als edles Färbemittel.

Ein großer Anteil des geförderten Goldes wird in der Industrie verarbeitet; die Sparten Elektrotechnik und Elektronik verarbeiten 10 Prozent des jährlich geförderten Edelmetalls für elektronische Bauteile, Thermoelemente, elektrische Kontakte und Leiterplatten. Die Nanotechnologie setzt moleküldünne Goldschichten für neue Entwicklungen ein.

Heutzutage wird Gold unter sehr harten Bedingungen industriell geschürft, ob in 4.000 Metern Tiefe bei extremer Hitze in Stollen unter der südafrikanischen Savanne, in den Moskito verseuchten Löchern im Amazonas oder zwischen den Gletschern der Anden. Gold ist wertvoll, weil es – gemessen an der Nachfrage – knapp ist. Und es bleibt knapp, weil es nur unter extremen Bedingungen gewonnen werden kann. Die ergiebigen Goldadern haben die Menschen längst ausgebeutet. Neues Gold gibt es nur noch in winzigen Spuren, fest umschlossen von harten Felsen.

Die Krater, die Goldfirmen in die Landschaft sprengen, sind so groß, dass man sie aus dem All sehen kann. Denn durchschnittlich müssen 20 Tonnen Gestein zermahlen werden, will man eine Unze (=31,104 Gramm) Gold gewinnen. Das reicht gerade mal für vier Goldringe. Wenn die Mahlwerke der Steinmühlen ihre Arbeit getan haben, gießen Arbeiter eine hochgiftige Zyanid-Lösung über den Gesteinsschutt, um noch die letzten Spuren Gold herauszuwaschen.

Wer Gold kauft, fördert somit die Umweltzerstörung, die an vielen Orten auf der Welt stattfindet. Die auf der Erde noch auf Förderung wartende Goldmenge wird auf 100.000 Tonnen geschätzt. China trotzt seiner Erde das meiste Gold ab, etwa 300 Tonnen waren es im Jahr 2009, Australien folgt mit 220 Tonnen, vor Südafrika 210 Tonnen, die USA 238 Tonnen. Ghana, zweitgrößter Goldproduzent Afrikas, fördert 85 Tonnen. So startet einmal pro Woche ein Hubschrauber vom Gelände der Ahafo-Mine ins 209 Kilometer entfernte Accra, die Hauptstadt Ghanas. Von dort geht die Lieferung mit dem Flugzeug weiter, zum Beispiel in die Schweiz. Nur drei Prozent von dem Verkaufserlös des Goldes bleiben in Ghana, die anderen 97 Prozent bekommt der Minenbetreiber. Die Mine gehört einem der größten Minenbetreiber weltweit, der Newmont Mining Corporation, mit Sitz in Denver im US-Bundesstaat Colorado. Und so ist es fast immer: Die Erlöse aus der Goldgewinnung fließen vor allem in die reichen Industriestaaten.

Kein anderes Material wurde vergleichsweise über Jahrtausende rituell, philosophisch, religiös, künstlerisch und wirtschaftlich interpretiert. Die Kulturgeschichte des Goldes ist eine Kulturgeschichte der Menschheit, dessen wesentliches Leitmotiv im Besitzen und Glauben liegt, im „Besitzen von“ materiellen und idealen Werten und im „Glauben an“ materielle und ideale Werte. Gold hat insofern eine materielle und ideale Größenordnung, die miteinander verschmelzen und eine einzigartige Ästhetik erzeugen.

  • Kunst hat sich immer mit dem Gold auseinandergesetzt. Dort, wo sie es als Material benutzt, muss sie es sich auch anrechnen lassen, Teil dieses Kreislaufes zu sein. Andererseits erzeugt Kunst Sichtweisen auf die Ambivalenz der Werte, die mit Gold in Verbindung stehen, und trägt dazu bei, sie bewusst zu machen.

Denn Gold ist das faszinierendste aller Metalle – selten, wertvoll und es vermittelt in sonnigem Glanz ein Gefühl von ewiger Dauer und reinem Licht. Auf der anderen Seite aber bedeutet Gold zu besitzen Macht, Goldschmuck zu tragen schmeichelt, verleiht Schönheit und Würde. Im Gegenzug finden wir die skeptische Bemerkung: „auri sacra fames“, „verfluchter Hunger nach Gold“ (Vergil, Aeneis), immer und überall auf der Welt, wenn es um Gold geht. Doch nicht nur diese Verschmelzung wird in der künstlerischen Auseinandersetzung sichtbar, sondern ebenso die Ambivalenz dieser Größenordnungen, im Spiegel ihrer Entstehungsgeschichte.

Goldene Zeiten haben auch ein Ende - Martina Jäger

Über ein KulturProjekt, welches für Martina Jäger schon gar nicht mit einer Ausstellung endet oder sich mit dem glanzvollem Bilderzeigen allein beschäftigen soll. Die Zusammenarbeit mit  Menschen in StreetARTprojekten und Kreativräumen ist ein Ziel des Projektes.

"Die Kombinationen von Gold mit Farben und Gold mit Materialien im Bezug zu paradoxen Sichtweisen und kontroversen Erscheinungen und Gedanken hat mich nicht nur gereizt, sondern ich halte das Thema für relevant im System der noch bestehenden Wertschätzung einer gewinnsuchenden und materiell orientierten Welt.

Gold hat einen besonderen ästhetischen, anthropologischen und wirtschaftlichen Wert, der den Menschen einerseits Gefallen, positives Sinnbild und Nutzen bereitet, aber auch vor Probleme stellt, die die bestehenden Missstände weiterhin teilen zwischen der übersättigtem Wohlstands- und der immer größeren Armutsgesellschaft (weltweit) . Das Machtbestreben einer kleinen Gesellschaftsschicht, die Gewinnsuche der Neoliberalisten, das unkritischem Verhalten der Gesellschaft, die immense Ausbeutung der Menschen und ihrer Umwelt stehen im Zentrum des Projektes. Die von uns allen empfundene Schönheit eines besonderen und raren Metalles relativiert sich im Widerspruch der menschlichen Geschichte, die die andere Seite zeigt – der goldenen Schein im Sein des menschlichen Bestrebens.

Als Objekt – und Schmuckdesignerin, Mediengestalterin und bildende Künstlerin greife ich auf ein Spektrum zurück, welches durch meine Erfahrungen, Recherchen, Assoziationen und Empfindungen in Bildern, Fotocollagen und Objekten zum Ausdruck gebracht wird. Die kritische Auseinandersetzung mit Gold begann bei mir beim Studium (1981-1985) als Objekt-. und Schmuckgestalterin. Ich habe damals angefangen von Edelmetallen und kostbaren Materialen Abstand zu gewinnen – aus moralischen Gründen. Gefallen an Gold, Edelsteinen und anderen kostbaren Materialien habe ich schon. Ich bin ja nicht von der Sehkraft her blind und weiß um die vielversprechennden Reize. Aber vielleicht blickt mein Geist doch ein wenig mehr als mein menschliches Auge erfassen kann."

 

Über das Projekt:

Projektstart Oktober 2010 in ständiger Bearbeitung und Ergänzung aufgrund immerwährender Aktualität.

Ausstellungen und StreetARTAktionen bisher 2011 in Gotha, Würzburg, Schwanfeld, Mannheim (mit Wolf Tekook, Ulrike SSK und Martina Jäger) / weitere Ausstellungen folgen 2012

Linksammlung zum Thema:

Spiegelartikel: www.spiegel.de/spiegel/print/d-56240589.html

Die-Zeit-Artikel: www.zeit.de/wirtschaft/2011-07/fair-trade-gold-peru

Ausstellung über Menschenrechte, Selektion und Schoah in der USA

„We must never forget – German artists reflect on Holocaust”

Ausstellung im Puffin Cultural Forum der New York City University

19. Februar bis 26. April 2012

 

www.puffinculturalforum.org

Kuratoren der Ausstellung:

Ms. Merri Milwe, künstlerische Direktorin des Puffin Cultural Forum und Prof. Moshe Banai

 

Über das Puffin Cultural Forum

Das Puffin Cultural Forum, ein Projekt der Puffin Foundation Ltd, ist ein Kulturzentrum auf dem Gelände der Stiftung in Teaneck, New Jersey, USA und Teil der New York City University. Die kulturelle Arbeit engagiert sich für Menschenrechte. Künstlerische Ausdruckskraft, Schaffen von Bewusstsein und Aussagen aller Kulturen spielen entscheidende Rollen im sozialen Wandel.

Die Puffin Foundation Ltd ist ein kompetenter Ansprechpartner für verschiedene Bildungeinrichtungen und -angebote und engagiert sich mit Workshops, Galerieführungen, kritischen Theateraufführungen und Vorträgen zu kritischen Themen der Zeit. Gesellschaftlich relevante und provokative Kunst in Form von Ausstellungen, Musik, Tanz, Theater, Interviews, Workshops, Filmreihen und Vorträge fördert die Foundation. Kunst dient dem Dialoge der Kulturen und ist ein Bereich der Bildung.

 

Die Ausstellung: Die drei beteiligten Künstler nähern sich dem Thema aus unterschiedlichen Sichtweisen und aufgrund unterschiedlicher eigener Beschäftigung mit diesem Thema, das auch 67 Jahre nach dem Ende der Naziherrschaft nicht an Aktualität verloren hat.

 

Martina Jäger, bildende Künstlerin aus Würzburg, macht in ihren Beiträgen die „Selektion“ zum Thema. Ihre bildlichen Betrachtungen beziehen sich nicht nur auf die Zeit des Holocaust, sie schlägt die Brücke zu den Verletzungen der Menschenrechte heute in einer Zeit, wo der ökonomische und politische Profit die Maßstäbe setzt. Die Schoah (Vertreibung) besteht immer noch, nun an vielen Orten. Sie ist herangewachsen zu einer global- internationalen Selektion, die bewusst die Verletzung der Menschenrechte in Kauf nimmt: Die Unterschiede werden größer bezüglich Wohlstand und Armut bis hin zur organisierten Vernichtung von Leben.

Die dominierenden Farben ihrer Arbeiten sind: Schwarz- Rot-Gold, die Farben der heutigen deutschen Flagge. In den Befreiungskriege 1813-1815 wurden die Farben so interpretiert: „Aus der Schwärze der Knechtschaft durch blutige Schlachten ans goldene Licht der Freiheit.“ Wenn ein Mensch seine Freiheit auf Unterdrückung anderer Menschen aufbaut, ist die Knechtschaft noch immer geblieben, damals und heute.

Andere Werke von Martina Jäger sind in Schwarz-Weiß-Rot gehalten. Die Zeit des Nationalsozialismus wird in Farben und den Bildkompositionen aufgegriffen. Sie mahnen die Schreckensherrschaft der deutschen Geschichte an, Zäune und Schienen dienen als Symbole für das Thema „Selektion“.

 

Wolf Tekook, Fotocouturist aus Krefeld, Jahrgang 1951, erlebte in der ersten Nachkriegsgeneration die Mauer aus Schweigen, wenn er Fragen zu den Geschehnissen des Nationalsozialismus stellte. Der Krieg – in den Schilderungen der Vorfahren waren dies die abenteuerlichen Motorradfahrten durch russische Kornfelder, Kameradschaft unter Soldaten, auch die Entbehrungen bei Gefangenschaft. Vom Töten sprach auch auf Nachfrage niemand, das Schicksal der Juden wurde nie thematisiert. In der Schule endete der Geschichtsunterricht am Ende der Weimarer Republik und wurde mit der Gründung der Bundesrepublik wieder aufgenommen.

Unzufrieden mit dieser Informationslage begann Wolf Tekook zu lesen, suchte und fand Quellen – von Sebastian Haffners „Die Geschichte eines Deutschen“ über Kershaws Hitlerbiographie und die Autobiographie von Primo Levi bis hin zum gar nicht so fiktiven Roman „Die Wohlgesinnten“ von Jonathan Littell und dem jüngst erschienenen Buch „Soldaten“ von Sönke Neitzel. Im persönlichen Gespräch mit Auschwitz- Überlebenden, bei einem Besuch in Yad Vashem und vielen Gesprächen im heutigen Israel verdichteten sich das Wissen, aber auch das Unverständnis und das Grauen über den industrialisierten, bürokratisierten Genozid.

Die jetzt in New York gezeigten Bilder thematisieren das Gelesene und Gehörte symbolisch, nicht als Abbildung des Geschehenen, sondern als freie Interpretation. Die Farbe Gold – in den meisten Bildern enthalten – steht für das jüdische Volk und seine Qualen.

 

Michael Weber, Künstler aus Witten, zog im Jahre 1994 in seine neue Heimatstadt um. Auf der Suche nach den geschichtlichen Wurzeln seines Wohnortes fand er das Hauptthema der kommenden Jahre: Die „Bahnhofstraße“. Bis 1938 lebte in dieser Haupteinkaufsstraße ein Großteil der jüdischen Bevölkerung. Michael Weber malte, was in dieser Straße mit der jüdischen Bevölkerung geschah.

Als Informationsbasis diente ihm das Buch „... vergessen kann man das nicht. Wittener Jüdinnen und Juden unter dem Nationalsozialismus“ von Martina Kliner- Lintzen. Zunächst entstanden 10 großformatige Bilder, die auf schweren Holzuntergründen mit Farben, Gips, Draht und abschließendem Ritzen die Bedrohung und die Stärke in der Todesgefahr, aber auch die Trauer und die Wut des Künstlers zeigen. Er greift sich Einzelschicksale heraus, die exemplarisch für das Ganze stehen.

Im Jahre 2010 nach Michael Weber dieses Thema wieder auf, ergänzt um einen zweiten Zyklus „Kinderwald“. Diese Bildserie basiert auf dem Tagebuch der 17-jährigen Israelin Shira J. bei ihrem Besuch in Auschwitz. Verglichen mit dem Bahnhofstraße- Zyklus wirken diese Bilder auf den ersten Blick lieblich und schön; aber diese Schönheit wird als Illusion entlarvt und zeigt beim zweiten Blick den ganzen Schrecken des Nationalsozialismus. Auch Michael Weber ist es wichtig, die Beschäftigung mit diesem Thema nicht nur als historischen Kommentar zu sehen, sondern die langen Schatten auf die Jetztzeit deutlich zu machen

 

Systemrelevante Kunst - Artikel von Dr. Wolf Tekook

Artikel: Gerhard Brand -Bankentribunal / Hotelturm

Artikel: Wolf Tekook - Kunst macht Aufmerksam / Banken

Artikel: Gerhard Brand - Ausstellung Cafe Perspektive 2010/2011

.