Attac-Aktivisten empfangen Ackermann
Ein festlich hergerichteter Saal mit rotem Teppich am Eingang, ein paar Hundert geladene Gäste aus der Filmbranche, einige Persönlichkeiten bekannt aus Politik, Fernsehen und Wirtschaft. So ist der Rahmen, in dem üblicherweise Filmpreisverleihungen stattfinden. So war es auch am 11.Dezember 2008 im Forum am Schlosspark in Ludwigsburg anlässlich der Verleihung des 41. Deutschen Wirtschaftsfilmpreises.
Etwas aber war anders: Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, war als Laudator geladen und mit ihm kamen Attacies aus der Region Stuttgart um ihre Sicht auf die Finanzkrise im Allgemeinen und Herrn Ackermann im Speziellen unter das geladene Volk zu bringen.
Vor dem Forum erfreuten sich die Aktivisten bei lausigem Winterwetter einem regen Interesse an ihren Flugblättern. Unklar blieb allerdings, ob sich das Interesse primär auf die Positionen von Attac bezog oder die Flugblätter als willkommene Ablenkung in Zeiten nicht enden wollender Dankesreden eingeplant waren.
Dabei wären letztere Bedenken gar nicht nötig gewesen, denn für Abwechslung sollte ein Attac-Aktivist sorgen, der sich unauffällig unter die Gäste gemischt hatte. Pünktlich zur Rede Ackermanns entrollte er ein Transparent, das diesen in bekannter Victory-Pose mit der Aufschrift „Profit macht geil!“ zeigt, und zog damit durch die Sitzreihen rauf auf die Rednerbühne. Der Aktivist stellte klar, dass Ackermann nicht willkommen sei!
Die Reaktion des Publikums reichte von spontanem Applaus bis zu höflichem Schweigen.
Nach der Veranstaltung bestimmten im Foyer bei Schnittchen und Sekt aber mit Sicherheit nicht nur die prämierten Filme das Gesprächsthema...
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Die Stuttgarter Nachrichten berichteten am 12.12.08 ĂĽber die Aktion folgendermaĂźen:
Hochkarätiger Treff der Filmschaffenden
Deutscher Wirtschaftsfilmpreis in Ludwigsburg verliehen - Protest gegen Laudator Josef Ackermann
Ludwigsburg - Bei einer feierlichen Abendgala im Forum am Schlosspark ist der Deutsche Wirtschaftsfilmpreis vergeben worden. Die Verleihung des Branchen-Oscars stand im Schatten der Finanzkrise - nicht nur aus Sorge ĂĽber kĂĽnftig kleinere Werbebudgets.
VON SASCHA SCHMIERER
Während im festlich beleuchteten Saal des Ludwigsburger Kongresszentrums mehr als 800 geladene Gäste aus Wirtschaft, Politik und Medienbranche über herausragende Werbefilme und Wirtschaftsreportagen plauderten, hatten sich Attac-Aktivisten vor dem Forum zu einer Protestaktion versammelt. Die Globalisierungsgegner nutzten den Medienauftrieb, um gegen den Auftritt von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zu demonstrieren. Als "Prototyp des rücksichtslosen Bankers" erhielt der vom Berliner Wirtschaftsministerium als Laudator ausersehene Ackermann von Sprecher Klaus Hellmick einen "500-Milliarden-Euro-Schein" überreicht. Der Finanzboss reagierte gelassen: "Nett, dass Sie an uns denken - auch wenn die Deutsche Bank das Geld noch nicht braucht", kommentierte er.
Die Frage nach der Verantwortung von Unternehmern wurde am Donnerstag nicht nur vor der Tür diskutiert. Auch etliche der 150 zum Filmpreis eingereichten Beiträge warfen ein kritisches Licht auf die Moral im Wirtschaftsleben. Sieger bei den "Filmen über die Wirtschaft" wurde etwa der fürs ZDF produzierte "Abschied auf Finnisch", der am Beispiel eines Nokia-Mitarbeiters den "Deal von Bochum" beleuchtet.
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Profit Macht Geil!
11.12.2008
Pressemitteilung von Attac-Stuttgart
zum Auftritt Josef Ackermanns als Laudator bei der heutigen Verleihung des 41. Deutschen Wirtschaftsfilmpreises im Forum Ludwigsburg
Ackermann als Prototyp des rĂĽcksichtslosen Bankers
Am heutigen Donnerstag, den 11.12.2008 findet die Vergabe des 41. Deutschen Wirtschaftsfilmpreises durch das Bundesministerium fĂĽr Wirtschaft und Technologie im Forum Ludwigsburg statt [1]. Attac-Stuttgart protestiert vor Ort gegen das geplante Auftreten von Josef Ackermann.
Die Kritik von Attac-Stuttgart am Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank richtet sich sowohl gegen die Unternehmenspolitik der Deutschen Bank als auch das öffentliche Verhalten der Person Ackermann.
So wirbt die Deutsche Bank als eines der größten Finanzinstitute Europas mit ihrer „Leistung aus Leidenschaft“. Dass die Unternehmensleistung sich ausschließlich am Renditewunsch der Anteilseigner ausrichtet und nicht an gesellschaftlichen Erfordernissen, hat Ackermann mehrfach betont. Um das selbst gesetzte Renditeziel von 25 % zu erreichen, war es nötig, etwa 6.000 Arbeitsplätze in Deutschland abzubauen [2]. Mit der eigenen Leistung nimmt es Herr Ackermann nicht so genau: Obwohl während seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender der Aktienkurs der Deutschen Bank um 64 % sank [3], strich er geschätzte 70 Mio. € an Gehaltszahlungen ein [4].
Unvergessen ist seine Aussage zu Beginn des Mannesmann-Prozesses im Januar 20004, dass (Deutschland) „das einzige Land ist, wo die, die erfolgreich Werte schaffen, deswegen vor Gericht stehen“.
Weitblick und Kompetenz des Deutsche-Bank-Vorstandes und Vorsitzenden des Institute of International Finance (IIF) zeigt sich an der Äußerung Ackermanns am Rande der IWF-Sitzung im Oktober 2007, als er noch von einem „fundamental gesunden“ Weltfinanzsystem redete, während der IWF zeitgleich erfolglos versuchte, die gravierenden Auswirkungen der Finanzkrise zu beheben [5].
Als „Schlag ins Gesicht der Ärmsten“ bezeichnete Attac im April dieses Jahres die Aktion der Deutschen Bank, auf den Brötchentüten einer Frankfurter Bäckerei für Spekulationsgeschäfte auf Getreide zu werben [6]. Dies geschah zudem in einer Zeit, da es in mehreren Ländern der Erde zu Hungerrevolten aufgrund der exorbitant hohen Nahrungsmittelpreise kam.
Ackermann stellt den Prototypen des gierigen, unmoralischen und rücksichtslosen Bankers dar, der Mitverursacher der Finanzkrise ist und ungeeignet für den nötigen Umbau des Finanzsystems zum Nutzen aller Menschen. Attac-Stuttgart fordert daher den Rücktritt Ackermanns aus allen leitenden Funktionen in Wirtschaft und Politik.
Neben dem Umbau des Finanzsystem, der auch einen Austausch der bisher treibenden Akteure beinhaltet, fordert Attac-Stuttgart eine gerechte Lastenverteilung bei den anstehenden Kosten zur Bewältigung der Krise: „Die Zocker müssen selber zahlen“.
[1] www.deutscher-wirtschaftsfilmpreis.de
[2] Quelle: Geschäftsberichte der Deutschen Bank 2002 und 2007
[3] Aktienkurs der Deutschen Bank bei Amtsantritt Ackermanns am 22. Mai 2002: 77,50 €; Aktienkurs am 10. Dezember 2008: 27,98 €
[4] 2004: 10,1 Mio €; 2005: 11,9 Mio €; 2006: 13,2 Mio €; 2007: 14,0 Mio €. Zahlungen für 2002, 2003 und 2008 geschätzt





