Privatisierung in Lateinamerika

Vortrag von Anne Tittor, am Dienstag den 20. Juni 2006 um 19:30 Uhr im Weltladen, Markt 7, 35037 Marburg. In Zusammenarbeit mit der Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t.

data:Bolivien-004.jpg In Lateinamerika sind in den letzten Jahren in einigen Ländern wie Venezuela und Bolivien linke Regierungen an die Macht gekommen, die sich nicht mehr vollständig den Anordnungen des internationalen Währungsfonds fügen und teilweise versuchen, im Interesse der Bevölkerung eine eigenständige Politik zu betreiben. Sie stützten sich dabei v.a. auf soziale Bewegungen, die die am meisten verarmten Teile der Bevölkerung organisieren wie Arbeitslose, Beschäftigte im informellen Sektor, Indigenas und LandarbeiterInnen.

Viele der sozialen Konflikte in Lateinamerika in den 90er Jahren und später haben sich an Privatisierungsvorhaben der damaligen neoliberalen Regierungen entzündet. Die Privatisierung von Basisdienstleistungen wie der Wasserversorgung führte meistens zu massiven Preiserhöhungen, unter denen die marginalisierten Bevölkerungsschichten besonders zu leiden hatten. In der bolivianischen Stadt Cochabamba war den EinwohnerInnen sogar verboten worden, Regenwasser aufzufangen, weil das Einnahmeverluste für den Großkonzern Bechtel bedeuten würde, der die Wasserversorgung dieser Stadt übernommen hatte.

data:Bolivien-005.jpg Fotos: Indymedia GNU-FDL

Dementsprechend heftig war auch der Widerstand der Bevölkerung. Im sog. Wasserkrieg gelang es durch Demonstrationen, Straßenblockaden und sonstige Aktionen, die Wasserprivatisierung rückgängig zu machen. Dies und zahlreiche weitere Proteste im Zusammenhang mit der Privatisierung der Gasvorkommen führten in Bolivien zur Abwahl des neoliberalen Präsidenten Carlos Mesa und zur Wahl von Evo Morales, der bereits die Wiederverstaatlichung der im Bolivien vorhandenen Bodenschätze angekündigt hat.

Anne Tittor wird auf die Erfolge und Begrenzungen der Bewegungen gegen Privatisierung in Lateinamerika eingehen.

  • Inwieweit konnte im Rahmen der Proteste eine Gegenmacht zu den herrschenden Strukturen aufgebaut werden?
  • Konnte die Forderung nach einem freien Zugang zu den jeweiligen öffentlichen Gütern verwirklicht werden?
  • Wie ist der Umstand zu bewerten, dass solche Proteste hauptsächlich von der marginalisierten Bevölkerung getragen werden, nicht aber von der ArbeiterInnenklasse etwa in den Weltmarktfabriken, die auch die ökonomische Macht hätten, die Gesellschaft grundlegend zu verändern?
  • Was können wir in Europa von den angewandten Aktionsformen lernen?

Die Referentin Anne Tittor studiert Soziologie in Marburg und ist Mitautorin des Buches „Lateinamerika: Verfall neoliberaler Hegemonie?“, Hamburg 2005. Weitere Autoren sind Dieter Boris und Stefan Schmalz.


 

Über 20 Personen interessierten sich für die Ausführungen von Anne Tittor zu den Themen "Wasserprivatisierung in Bolivien", "Privatisierung des Gesundheitssektors in El Salvador", "SchülerInnenproteste in Chile". Erfolgreiche und weniger erfolgreiche Proteste gegen Privatisierung wurden beschrieben und diskutiert.

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