Wasser ist keine Ware!

Wasser ist keine Ware! Vortrag und Diskussion am Montag, den 8. November 2004 um 19:30 im Kulturladen KFZ, Schulstr. 6, 35037 Marburg

Referent: Eddie Cottle aus Südafrika, ehemaliger Direktor des ländlichen Entwicklungsnetzes für Dienstleistungen, aktiv im Anti-Privatisation-Forum und unabhängiger Wissenschaftler.

Eddie Cottle berichtet über die aktuelle Situation der Wasserwirtschaft in Südafrika. In den letzten 10-15 Jahren hat sich die Armut in Südafrika auf immer größere Teile der Gesellschaft ausgebreitet. Denen, die nicht bezahlen können wurde Strom und Wasser abgestellt, Millionen von Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, Seuchen wie die Cholera breiten sich wieder aus und fordern etliche Todesopfer.

“Free Water for all!” forderten Millionen Südafrikaner, nachdem 10 Millionen Menschen nur allein in Südafrika ihr Wasser abgestellt bekamen und so keinen Zugang mehr zu sauberem Trinkwasser hatten. Das waren 1994 die ersten Anfänge seit der Kommerzialisierung und Privatisierung der Wasserversorgung in Südafrika. Weitere 2 Millionen Südafrikaner verloren ihren Besitz und wurden aus ihren Häusern vertrieben, da sie die hohen Wasserrechnungen nicht mehr bezahlen konnten und sich hoch verschuldeten. Besonders in schwarzen Townships wie Fort Beaufort stiegen die Wassertarife um 600%! Da viele Südafrikaner der ärmeren Bevölkerungsschicht sich kein sauberes Trinkwasser mehr leisten konnten, führte diese Politik im Jahr 2000 zu einer Choleraepidemie, bei der sich 120.000 Menschen infizierten und etliche starben. Allein in Südafrika gibt es fünf Privatisierungsprogramme, aber auch viele andere Entwicklungsländer, wie die meisten Länder in Afrika südlich der Sahara, sind betroffen. Viel Druck wurde ausgeübt von globalen Organisationen wie der Weltbank und dem Internationalen Währungsfond (IWF), die mit ihren Konditionen für eine Kreditwiederaufnahme der ohnehin schon hochverschuldeten Entwicklungsländer, ihre Privatisierungsprogramme erzwingen. An dieser Politik sind EU, Bundesregierung und viele Europäische Entwicklungsorganisationen aktiv beteiligt. Diese neoliberale Politik ebnete auch den Weg für das Dienstleistungsabkommen GATS in der Welthandelorganisation (WTO), das eine fortschreitende Liberalisierung und Privatisierung in allen Dienstleistungsbereichen vorsieht.

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Trotz des Drucks von Regierungen und globalen Organisationen stellt sich die Zivilbevölkerung in Südafrika gegen diese Privatisierungspolitik und auch in anderen Ländern wächst der Widerstand. So streikten 2002 30 Arbeiter von WSSSA (Wasser- und Sanitär-Dienstleistungen Südafrika), (ein Tochterunternehmen von Suez-Lyonaisse), und der Gerichtshof im West Kap erklärte einen 10-jährigen Vertrag zwischen WSSSA und der Gemeinde für ungültig. Das Anti-Privatisierungsforum (APF) und andere soziale Bewegungen kämpfen schon seit Jahren gegen die vorherrschende Privatisierungspolitik und organisieren Widerstand. Ziel ist es, gerade die ärmere Bevölkerung zu stärken, und ihr Recht auf Wasser als Menschen-, und konstitutionelles Recht zurückzufordern. Denn Wasser ist keine Ware, sondern ein Gemeingut!

Eddie Cottle wird vom lokalen Widerstand der Wasserprivatisierung sowie dem Aufbau alternativer, partizipativer Strukturen in Südafrika berichten. Er war lange Jahre Direktor des ländlichen Entwicklungsnetzes für Dienstleistungen, engagiert sich im Anti-Privatisation-Forum und beschäftigt sich als unabhängiger Wissenschaftler mit Privatisierung, partizipativen Alternativen und Sozialen Bewegungen.

zum Weiterlesen

Eddie Cottle: Class Nature of Free Water in South Africa: from Past to Present (englisch, pdf, 208 kB)

Bundesweite attac-Webseite zur Privatisierung

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