Bolkesteins Hammer schlägt wieder zu

Wie die EU die Daseinsvorsorge demontiert

Still und heimlich untergräbt die EU-Dienstleistungsrichtlinie die Daseinsvorsorge. Im Dienst der Konzerne will die EU sie jetzt sogar noch verschärfen. Das vorliegende Hintergrundpapier analysiert die Wirkungsweise dieser Richtlinie, mögliche Folgen ihrer geplanten Verschärfung sowie Vorschläge für den Schutz öffentlicher Dienstleistungen gegen die Eingriffe der EU.

Von Jana Mattert und Thomas Fritz (Attac, AG Privatisierung)

26. März 2019

Menschen hinter einem Banner mit der Aufrschrift "Bolkestein-Richtlinie Nein! Für ein soziales und ökologisches Europa"

Mit der Dienstleistungsrichtlinie sollte ein Traum der Marktradikalen Wirklichkeit werden: die EU-weite Beseitigung sozialer Errungenschaften und die Schrumpfung der Wohlfahrtsstaaten zu Nachtwächterstaaten. Den ersten Entwurf präsentierte Anfang 2004 der damalige EU-Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein, ein niederländischer Politiker und Mitglied der neoliberalen Mont Pèlerin Society. Gewerkschaften und soziale Bewegungen wie Attac waren entsetzt und leisteten grenzüberschreitenden Widerstand gegen den „Bolkestein-Hammer“. Doch vergeblich: Im November 2006 segnete das Europaparlament mit den Stimmen von SozialdemokratInnen, Liberalen und Konservativen die Bolkestein-Richtlinie in zweiter Lesung ab, während Grüne und Linke dagegen votierten. Am 28. Dezember 2009 trat sie schließlich in Kraft (s. Richtlinie 2006/123/EG).

Zwar gelang es durch den Widerstand, dem ursprünglichen Entwurf der Bolkestein-Richtlinie einige wenige Zähne zu ziehen. Doch nach dem Inkrafttreten der Richtlinie wurden Wirtschaftsverbände nicht müde, weitere Verschärfungen zu fordern. Mit Erfolg: Im Januar 2017 veröffentlichte die EU-Kommission den Entwurf einer sogenannten Notifizierungsrichtlinie, die die Bolkestein-Richtlinie massiv verschärfen soll. Der Entwurf befindet sich zur Zeit im sogenannten Trilogverfahren, das heißt Kommission, Europäischer Rat und Europaparlament beraten unter Ausschluss der Öffentlichkeit über seine Modifizierung und mögliche Annahme.

Nach fast zehn Jahren ihrer Anwendung lohnt ein Blick darauf, wie die Bolkestein-Richtlinie in der Praxis funktioniert. Es zeichnet sich dabei immer deutlicher ab, wie die Richtlinie der öffentlichen Daseinsvorsorge schadet und welche Folgen ihre Verschärfung nach sich ziehen könnte.

Download des Hintergrundtextes zur Bolkestein-Richtlinie (PDF)

Bolkestein-Richtline kurz und knapp (PDF)


Offener Brief gegen die Verschärfung der Bolkestein-Richtlinie

160 Organisationen der Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und BürgermeisterInnen wenden sich in einem offenen Brief an die rumänische EU-Präsidentschaft, um gegen die geplante Verschärfung der Bolkestein-Richtlinie zu protestieren. Die EU debattiert zur Zeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die sogenannte Notifizierungsrichtlinie, die die EU-Dienstleistungsrichtlinie des ehemaligen Binnenmarktkommissars Frits Bolkestein radikalisiert. Künftig sollen Bund, Länder, Kommunen und Kammern sämtliche Entwürfe von Dienstleistungsvorschriften drei Monate vor ihrer Inkraftsetzung von der EU-Kommission absegnen lassen müssen. Betrachtet die Kommission die Entwürfe als Bolkestein-Verstoß, wäre ihre Inkraftsetzung illegal.

Offener Brief: Stoppt das EU-Notifizierungsverfahren für Dienstleistungen (PDF)


Bolkestein-Kampagne 2004-2005

Zusammen mit Gewerkschaften und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen leistete Attac massiven Widerstand bei der Einführung der EU-Dienstleistungsrichtlinie (sogenannte Bolkestein-Richtlinie).Damals wurde der Bolkestein-Hammer zum Symbol dieser Bewegung.

Archivierte Seite zur Bolkestein-Kampagne 2004-2005

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