Comons und Arbeit - Allmenden als Grundlage für solidarisches Wirtschaften

Auf der Sommeruniversität der sozialen Bewegungen in Toulouse Ende August 2017 haben wir (Attac AG Solidarische Ökonomie u.a.) einen Workshop zum Thema „Commons und Arbeit“veranstaltet. Die Allmenden (Commons) sind eine uralte Form einer „solidarischen Landwirtschaft“. weiter lesen

Commons und Arbeit - Allmenden als Grundlage für solidarisches Wirtschaften

Die Attac AG Solidarische Ökonomie hat auf der Sommeruniversität der sozialen Bewegungen in Toulouse Ende August 2017 zusammen mit anderen Gruppen wie der AG

Kleinstlandwirtschaft ein Workshop zum Thema "Commons und Arbeit"

veranstaltet. Die Allmenden kann man als die älteste Form einer „solidarischen Landwirtschaft“ betrachten. In Europa jedoch wurden die Commons seit dem Mittelalter systematisch zum Verschwinden gebracht. Nicht nur.

Heute stehen wir vor der Bedrohung des gesamten Hirtenwesens durch das systematische Privatisieren und Einzäunen der letzten Gemeindeländereien der Welt. Die Commons mussten im 19. Jahrhundert endgültig verschwinden, weil sie als ein Prinzip des solidarischen Arbeitens der entfremdeten Fabrikarbeit mit ihrer Warenförmigkeit entgegen standen, erklärte Klaus

Prätor. Tatsächlich sind die Allmenden und die dazu gehörigen Hirten derzeit besonders in Afrika extrem gefährdet, aber auch in der Geschichte gelegentlich wieder aufgetaucht, meinte demgegenüber Elisabeth Meyer-Renschhausen.

Noch heute sichert Land in Form von Allmenden in Afrika sowohl Bauern wie Hirten den Lebensunterhalt. Noch heute sind in vielen Ländern 80 % der Bevölkerung von der Landwirtschaft abhängig.

 

                                                         Elisabeth Meyer-Renschhausen - September 2017

 

 

Solidarischer Direktimport von Olivenöl von Kooperativen in Griechenland - Solioli

Kooperative Greenland in der Nähe von Kalamata
Drei Mitglieder der Kooperative Greenland mit dem Vater in ihrem Olivenhein bei Kalamata, Peloponnes
Im Hof der Familie Xirogianni im Gespräch mit Gästen aus Deutschland unter dem Walnussbaum


Die Initiative "Solioli" wurde auf dem Kongress für solidarische Ökonomie "Solikon", der im September 2015 in Berlin organisiert wurde, auf Anregung einiger Vertreter von Solidarity4All gegründet. „Solioli“ nimmt griechischen Produzenten das Öl auf direktem Wege ohne Zwischenhandel ab, die Produzenten erhalten statt wie sonst nur 10% bis zu 60% des Endpreises für ihr Öl. „Solioli“ wird organisiert von einer losen Gruppe im Umkreis der Attac AG „Solidarische Ökonomie“. Federführend ist der Berliner Philosoph und Informatiker Klaus Prätor. Nach zwei erfolgreichen Direkt-Bestellungen von griechischen Agrar-Kooperativen sind einige Mitglieder der Initiative „Solioli“ vom „Forum Solidarische Ökonomie“ bzw. der AG Solidarische Ökonomie von Attac nach Griechenland gefahren. Sie wollten die unterstützten Initiativen besuchen. Auf dem Kongress für Solidarische Ökonomie „Universse2017“ in Athen trafen sie bereits die griechischen Initiatoren und Vermittler-Gruppen wie „solidarity4all“ und „Dock“. Diese hatten den Berlinern die Kooperativen „Greenland“ auf dem Peloponnes und „Modousa“ auf Lesbos empfohlen.

„Greenland“ wurde vor drei Jahren von den beiden Schwestern Julia und Margianna Xirogianni gegründet. Sie waren gerade nach wechselvollen Studien- und Arbeitsjahren dank Sparpolitik arbeitslos geworden und konnten – im Gegensatz zu vorher - noch nicht einmal als Clowninnen genug zum Leben verdienen. Daher beschlossen sie, nun Anfang 30, zurück auf den Elternhof zu gehen, um die Olivenproduktion im Rahmen einer Kooperative zu einer nachhaltigen Einkommensquelle zu machen. Dann kamen auch die beiden Brüder dazu, sowie weitere vier Gleichaltrige.  Die junge Kooperative hat auch die alteingesessene Bauernkooperative, die die Olivenpresse betreibt, neu belebt. Dank des Studiums der Initiatorinnen in England hat die junge Kooperative „Greenland“ Abnehmer bis hin nach Canada, zumal sie gleich im ersten Jahr für ihr vorzügliches Öl ausgezeichnet worden waren. Insgesamt hat die Kooperative „Greenland“ in Sterna (Messinia) bereits vier internationale Preise gewonnen. Die jungen Leute hoffen von ihrer gemeinsamen Oliven-Verarbeitung  und Vermarktung demnächst leben zu können. Bisher allerdings arbeitet Julias Ehemann Starvos noch weiterhin als Kapitän auf See. Als Städter kann er ohnehin nicht so kräftig zupacken, wie etwa seine beiden Schwäger, wie er uns gesteht. Von den beiden jüngeren Brüder Pavlos und Jannis wollte ohnehin einer auf dem Land bleiben und ist der andere nebenbei auch ein Künstler wie der Vater. Sie sind nun mit ihrem Land und ihren Bäumen (in Griechenland ist Realerbteilung üblich) der Kooperative also ebenfalls beigetreten und zudem kommen zu den vier anderen zwei demnächst hinzu.  

Auch die Kooperative Modousa auf Lesbos wurde erst vor drei Jahren neu gegründet, um den Olivenbauern der Region Gera (an der Gera-Bucht) durch gemeinsame Verarbeitung und Vermarktung die Einkünfte zu verbessern. Die beiden Hauptgründer der Kooperative Modousa, Kostas Artakianos und Panajortis Karavotakis, waren nach längeren Studien- und Wanderjahren um etwa 2000 auf ihre Heimat-Insel Lesbos zurück gekehrt. Kostas und seine Frau Siggi betreiben seither ein wunderschönes Gartenlokal, was sie samt Garten dazu selbst aufbauten, wo sie selbst schnippeln, kochen und Abwaschen und wo es an den Wochenenden entsprechend brummt. Auch wenn der Tourismus nach Lesbos momentan eingebrochen ist, so funktioniert doch noch die lokale Ökonomie. Wichtig ist der Modousa-Kooperative, neben gemeinsamer Verarbeitung und Vermarktung aufs Festland und nach Nordeuropa, die regionale Vermarktung zu fördern. Daher benutzen die Artakianos in ihrer Taverna Avlonas möglichst vor allem Erzeugnisse von den Gemüsebauern resp. Kooperativen der Region. Die Kooperative Modousa wuchs in nur drei Jahren auf 63 Mitglieder und betreibt jetzt einen kleinen Bioladen nebst einem Wochenmarkt, die sie vor allem auch als soziale Orte des zwanglosen sich Treffens und der Kommunikation verstehen. Beide dienen nicht zuletzt auch der Kommunikation. Viele der beteiligten Olivenbauern betreiben im Sommer weitere Gewerbe als zusätzliche Einkommensquellen. Panajortis etwa arbeitet nebenbei als Landschaftsplaner u.ä. Denn die Olivenernte ist erst im Oktober-November. Erst dann fällt die ganze Arbeit des Pflückens, Verlesens, Waschens, Pressens, Filterns und Abfüllens an. Die Arbeit für ihre Kooperative leisten sie ehrenamtlich, das Einkommen durch den Olivenverkauf hingegen geht an die entsprechenden Olivenbauer.

Unser Fazit: Das gemeinsame Arbeiten im Rahmen von Kooperativen ist und stärkt offenbar den Sinn für die „solidarische Ökonomie“ in Krisenzeiten in bester Weise. Die neuen Kooperativen räumen bei vielen Griechen mit den Vorurteilen gegenüber Kooperativen auf, die bisherverdächtigt wurden, politisch nicht neutral zu sein. So sind die Akteure und Gründerinnen - zumindest die der von uns besuchten Kooperativen - guter Dinge, machen aus der Krise eine Chance, arbeiten mit den ganzen Familien hart, freuen sich aber auch, wieder in ihren altangestammten Paradiesen leben zu können, ohne dort zu vereinsamen. Uns so nehmen sie sich – wo irgend möglich - Zeit für Gäste, die sie großzügig bewirten und leben vielleicht überhaupt ein gutes Leben mit gemeinsamem Tafeln etwa im Schatten eines großen Walnussbaums.

Elisabeth Meyer-Renschhausen   im Juni 2017

 

 

 

 

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