Dokumentation "Feministische Perspektiven auf Ökonomie und Gutes Leben in einer Postwachstumsgesellschaft", 21.05.11, Berlin
Vom 20. bis zum 22. Mai 2011 fand der attac-Kongress "Jenseits des Wachstums?! Ökologische Gerechtigkeit. Soziale Rechte. Gutes Leben." in Berlin statt.
Im Rahmen des Kongresses fand ein feministisches World Café statt, bei dem über 120 Personen "feministische Perspektiven auf Ökonomie und Gutes Leben in einer Postwachstumsgesellschaft" diskutierten. Fotos vom Worldcafé findet ihr hier.
Hier findet ihr die Dokumentation der Diskussionen, die in den World Café-Runden stattgefunden haben. Grundlage der Dokumentation sind Karteikarten, auf denen die Teilnehmenden Fragen, Ideen und Forderungen notiert hatten:
Ergebnisse des Worldcafés: Forderungen an die Wachstumsbewegungen
Eine Postwachstumsgesellschaft muss auf der Basis nicht-hierarchischer Zusammenarbeit entwickelt werden
partizipative Demokratie/Teilhabe
Geschlechtergerechtigkeit bei Podien, Diskussionen, Prozessen etc.; auch sprachlich!
Aushandlungsprozesse brauchen Transparenz, Solidarität und gegenseitigen Respekt
Kultur der Kooperationen und Zuständigkeiten aufbauen
Herrschaftsverhältnisse und Stereotypisierungen vermeiden (deshalb Einbezug u.a. von geschlechterdekonstruierende Bildungsarbeit)!
eigene Privilegien reflektieren und abgeben! (Gewinn für alle!) Die Bedürfnisse der Schwächsten haben Vorrang!
Postwachstum müssen wir mit Kämpfen um Arbeit, Arbeitsteilung und Klasse zusammen denken:
Reflexion und Neubewertung aller in der Gesellschaft geleisteten Arbeit/Anerkennung von Care-Work
Umverteilung von Erwerbsarbeit/Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit und Ermöglichung der Vielfältigkeit von Tätigkeiten für alle: Zeit für Arbeit am Menschen, Selbstentfaltung und Bildung, Freizeit und Politik
Existenzsicherung muss für alle gegeben sein; bedingungsloses Grundeinkommen;
Besitzverhältnisse verändern
Postwachstum heißt für uns (auch), dass...
... wir die Endlichkeit der Ressourcen bei allen Entscheidungen und Gestaltungen der Gesellschaft berücksichtigen
... wir für globale soziale Rechte kämpfen
... wir gegen die Ausbeutung von Frauen, Ländern des Globalen Südens und der Erde kämpfen
...wir ein „gutes Leben“/“buen vivir“ entwickeln/ermöglichen
... wir bedürfnisorientiert denken
... wir für die Domestizierung der Finanzindustrie kämpfen
... die Bedürfnisse der Schwächsten Vorrang, und dass wir Privilegien abgeben
... unbezahlte Arbeit (1,7-fache des BIP) bei allen Diskussionen berücksichtigt wird!
... die weltweite Ausbeutung von Frauen als Grundlage für Wachstum analysiert und überwunden wird!
... Geschlechtergerechtigkeit in allen Organisationen, Instituten, Räten, Parlamenten, Professionen als Ziel mitverfolgt wird!
... wir unsere Werteorientierungen überdenken und feministische Theorien einbeziehen!
Ideensammlung: Wie stellt ihr euch eine ideale feministische Postwachstumsgesellschaft vor? Welche Chancen seht ihr?
Partizipation
Basisdemokratie, Konsensprinzip
keine Hierarchien und Führungspositionen
Macht wird fairteilt!
Rotation von Macht (Posten)
Die Frage, wer gesellschaftliche Entscheidungspositionen übernimmt, hängt von anderen Werten ab, die heute mit „Weiblichkeit“ assoziiert werden
Arbeit(-steilung)/Geld /Ressourcen
Suffizienter Lebensstil und anspruchsvolle berufliche Positionen lassen sich in einem (!) Leben verbinden
Endlichkeit der Ressourcen ist selbstverständlicher Bestandteil des Denkens
es gibt (weitgehend) keine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung mehr
Fürsorgearbeit wird (ökonomisch) wertgeschätzt
Arbeitszeit ist verkürzt
Arbeit und Produktion sind an Bedürfnissen orientiert
es gibt ein bedingungsloses Grundeinkommen
Väter dürfen Väterlichkeit ohne berufliche Risiko/Ächtung leben
Geld spielt keine Rolle mehr
Wohlstand und „Verteilung“ werden demokratisch generiert/organisiert; dezentrale Lösungen mit solidarischer internationaler Vernetzung
Geschlechterdifferenzen allgemein
Alle sollen sich mit dem eignen Geschlecht wohlfühlen und es psychisch und physisch wechseln können wenn es beliebt; das bezieht sich auch auf alles, was da_zwischen liegt! – Es lebe die Bunttheit!
JedeR kann das gefühlte Geschlecht/die gefühlte Identität leben; Überwindung von Geschlechterrollen
Geschlecht spielt keine Rolle mehr!
Mehr Respekt vor „Weiblichkeit“ und „Mütterlichkeit“ als Eigenschaft bei allen Geschlechtern
komplementäre Gleichwertigkeit
Weiteres
tolerante, respektvolle Gesellschaft
sozial gerechte Gesellschaft
es gibt kein Militär
Offene Fragen: „Darüber müssen wir noch nachdenken“
Vorbild bolivianische Verfassung: Was ist das Ziel der Anerkennung der Hausarbeit der Frauen in der bolivialnischen Verfassung (Stichwort: „buen vivir“)? Handelt es sich dabei nicht um ein potentiell ent-rechtlichtes Arbeitsverhältnis? Welches Frauenbild liegt der Verfassung zugrunde?
Brauchen wir Geld?
Was meinen wir mit „Arbeit“?
Wie kann Kinderbetreuung zu Hause besser anerkannt/honoriert werden?
Wie kann gewährleistet werden, dass Eltern selbstbestimmt entscheiden, ob und wo sie arbeiten?
Wo ist der Queer-Feminismus in der Wachstumsbewegung/Wachstumsgesellschaft?
Mit welchen flankierenden „Stützstrukturen“ muss der Umbruch zu einer Postwachstumsgesellschaft unterstützt werden, damit die Widerstandskräfte und Widersprüche jeder einzelnen bearbeitet werden können?
Wie können wir ohne Vorbilder die sozialisierten Männer-/Frauenbilder hinterfragen und neu erfinden?
Wie überwinde wir hierarchische Strukturen?
Welche Privilegien kannst Du teilen? Wie kannst Du Dich verbünden?
Wie können wir soziale Perspektiven (Verteilung) und die Debatten um unser Wirtschaften gut miteinander verbinden?
Besteht die Gefahr, bei einem ökologischen Umbau unser Lebensweise in traditionelle Geschlechter-Rollenbilder zu verfallen?
Wie organisieren wir ein nicht-hierarchisches Zusammenleben?
Wie können wir uns patriarchalem Denken und männlich geprägten Führungsdenken widersetzen?
Armut schränkt die Wahlfreiheit ein bezüglich der Frage, wie wir leben wollen → Wie gehen wir damit um?
Wie können wir die Angst vor Arbeitsplatzverlust als Folge von Postwachstum/Schrumpfung bearbeiten?
Wie gehen wir mit der hegemonialen Meinung um, dass es ohne Wachstum nicht geht?




