Aufruf Frauenorganisationen/Gender Interessierte
Liebe Frauen, liebe Gender Interessierte,
unter dem Slogan "Wir zahlen nicht für Eure Krise!" rufen zahlreiche Organisationen zu den Demonstrationen am 28. März 2009 in Berlin und Frankfurt auf – leider bisher keine Frauenorganisation/Gender-Interessierte. Ebenso melden sie sich wenig in der aktuellen Krise zu Wort.
Doch gerade jetzt müssen wir uns einmischen! Deswegen freuen wir uns, wenn auch Ihr zu den Demonstrationen aufruft und unseren Aufruf mitunterzeichnet oder aber einen eigenen Aufruf formuliert. Denn eines stellen wir fest: In der Politik, der öffentlichen und wissenschaftlichen Debatte bleibt die Frage der Geschlechtergerechtigkeit fast vollständig außen vor – wer soll das ändern, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht jetzt?
Die amerikanischen Frauenverbände haben darauf aufmerksam gemacht, dass die Konjunkturpakete rückwärtsgewandt sind, indem sie Dinosaurierindustrien wie die Autoindustrie schützen, statt den Menschen zu fördern und die Menschenwürde vor den Profit zu stellen. Frauenrechte werden gar nicht mehr diskutiert, weil rhetorisch die formale Gleichstellung der Geschlechter propagiert wird. Gleichzeitig werden bisherige Errungenschaften sukzessive zurückgenommen. Wir wollen keine
rückwärtsgewandte Politik, sondern eine progressive Politik, die Visionen entwickelt!
Wir wollen eine andere Welt, in der Menschen im Mittelpunkt politischer
Entscheidungen stehen. Dazu gehört die unbedingte Forderung nach echter
Chancengleichheit für alle Geschlechter, von Anfang an.
Geschlechtergerechtigkeit bildet die Grundlage dieser anderen Welt!
Wir wollen sichtbar machen, dass wir viele sind, dass auch Frauen nicht bereit sind, für diese Krise zu zahlen und – vor allem – dass wir eine laute Stimme haben und uns politisch einmischen.
Lasst uns am 28. März gemeinsam demonstrieren!!!
In Berlin und Frankfurt
Treffen in Berlin: 11:45 Uhr am Neptunbrunnen beim Roten Rathaus
Die Gender AG und die AG feministAttac von Attac Deutschland
Kontakt: Henrike Ortmann, 12059 Berlin | henrike.ortmann@yahoo.de | T. 0179/7044734 (V.i.S.d.P.)
Hintergrund zum Aufruf
Weder Finanzmärkte noch Wirtschaftskrisen sind in ihren Ursachen und Auswirkungen geschlechtsneutral.
Allein die Zugangsvoraussetzungen für eine Beteiligung auf den Finanzmärkten sind durch die Vermögensverhältnisse geschlechterselektiv.
Doch nicht nur das. Eine hoch technokratisierte Sprache, der scheinbaren Undurchdringbarkeit der Finanzmärkte und deren Auswirkungen führen zu einem kleinen Gremium von sogenannten "Experten", die sich in den Talkshows und "Expertenrunden" über die aktuelle Krise und deren Auswirkungen in oftmals verklausulierten Sprache auseinandersetzen. Diese Form der Unterscheidung (Distinktion) durch Sprache und Verhalten zu anderen Menschen kann dazu führen, dass sich nur bestimmte Menschen (meist Männer) zu Wort melden, um an der gesellschaftlichen Debatte teilzunehmen.
Attac hat es sich zur Aufgabe gemacht, Bildungsarbeit in Bezug auf Finanzmärkte und deren Auswirkungen auf die Menschen zu vermitteln.
Die Gender AG wird diesen Gedanken in bezug auf Geschlechtergerechtigkeit, Ökonomie und Finanzmärkte weiter entwickeln. Es geht auch darum zu verdeutlichen, dass diese Form der Expertenauseinandersetzung bewußt oder unbewußt die Einbindung aller Menschen in gesellschaftliche Debatten und vor allen Dingen auch von Frauen erschwert.
Um die Ursachen wie die Auswirkungen der Finanzmärkte aus einer Genderperspektive zu untersuchen, müssen die strukturellen Auswirkungen des Finanzmarktgeschehens auf die Lebenswelten der Menschen und anhand der unterschiedlichen Auswirkungen auf das Geschlecht untersucht werden.
Demzufolge werden wir in den nächsten Monaten verstärkt Bildungsarbeit zu diesem Thema anbieten und weiterführende Hintergrundpapiere entwickeln, um uns effektiv in die gesellschaftliche Debatte einzumischen.




