Wer wir sind …

Eine wesentliche Voraussetzung für die Durchsetzung der neoliberalen Globalisierung sind die bestehenden hierarchischen Geschlechterverhältnisse. Ohne die Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft wäre der globalisierte, konzerngesteuerte Kapitalismus nicht denkbar. FeministAttac (früher FrauenNetzAttac) hat sich im Jahr 2001 gegründet, um dies im globalisierungskritischen Kontext und auch innerhalb von Attac sichtbar zu machen und zu verändern.

 

Was wir wissen ...

Das Modell für die optimale Arbeitskraft ist heute nicht länger der männliche Arbeitnehmer in einem geschützten, regulierten "Normalarbeitsverhältnis" sondern die junge Frau in den Sweatshops und "Freien Produktionszonen" in den Ländern des Südens, die weder durch Arbeitschutzgesetze noch durch Gewerkschaften geschützt ist. Gleichzeitig werden weltweit –auch in allen Industrieländern – die Einrichtungen öffentlicher und solidarischer Daseinsvorsorge (z.B. Gesundheit,Bildung, Sozialwesen) privatisiert. Bei paralleler Ausweitung des informellen und Niedriglohnsektors wird darüber die Deregulierung einstmals geschützter Arbeitsverhältnisse durchgesetzt. Die aktuell stattfindende Zerschlagung des Sozialstaates ist Voraussetzung und Beschleunigung für diese Entwicklung.

Das Kapital weicht mit Verweis auf die Standortproblematik auf immer (noch) billigere Billiglohnländer aus. Zu den billigsten aller billigen Arbeitskräfte werden international Frauen und Kinder gemacht. Sie sind die eigentlichen und zentralen Pfeiler des Kapitalismus und der Globalisierung.

Die reproduktive Arbeit stellt mehr als die Hälfte der weltweit geleisteten Tätigkeiten dar. Diese wird nicht gekauft, sondern zur "Natur" erklärt und sich darüber angeeignet. Frauen bilden gemeinsam mit den ebenfalls "kostenlos" zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen die ökonomische Basis für das gesamte herrschende System. Längst wäre dieses zusammengebrochen, wenn die reproduktive Arbeit zur produktiven Arbeit im wirtschaftlichen Sinne gezählt und angemessen entlohnt würde. Stattdessen sind nicht mehr nur Frauen von der Informalisierung und Hausfrauisierung der Arbeit betroffen sondern in zunehmenden Maße auch Männer, sowie umgekehrt auch Frauen zu den ProfiteurInnen dieser Entwicklung gehören.

Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung bildet auch den Hintergrund für das Phänomen der heutigen "Dienstmädchen". So wird hierzulande der Geschlechterkonflikt kaschiert, verlagert und auf dem Rücken von Frauen aus Billiglohnländern ausgetragen, denn weder die feministische Forderung nach Umverteilung der Hausarbeit auf beide Geschlechter noch die Forderung nach "Lohn für Hausarbeit" konnten in der Vergangenheit durchgesetzt werden.

Der Kapitalismus braucht Sexismus, Rassismus und den modernisierten Kolonialismus als Unterbau und Basis. Diese grundlegenden Gewaltverhältnisse einer patriarchal-kapitalistischen Wirtschaftsordnung und Arbeitsteilung haben tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben von Frauen. Sie sind weltweit direkter und struktureller Gewalt ausgesetzt. Millionenfach werden Frauen z.B. durch den Partner, Waffengewalt in Kriegs- und Krisensituationen, ökonomische Abhängigkeiten, Umweltzerstörung oder durch staatliche legimitierte Gewalt bedroht, verletzt oder umgebracht. Sexualisierte Gewalt in Form von Pornografie, Frauen- und Kinderhandel und Zwangsprostitution sind florierende und profitable Zweige der globalisierten Wirtschaft.

Internationale FrauenLesbenbewegungen haben diese Fakten in Forschungen, Publikationen, Aktionen und Projekten immer wieder sichtbar gemacht und auf die Bedeutung der direkten und strukturellen Gewalt zur Stabilisierung der patriarchalen Geschlechterverhältnisse und der kapitalistischen Wirtschaft hingewiesen.

 

Was wir wollen ...

Eine andere Welt ist möglich? Eine andere und gerechtere Welt wird es nur geben, wenn feministische Analysen zentral in die Arbeit der globalisierungskritischen Bewegung einfließen. Überall auf der Welt haben Frauen alternative Lebens-, Arbeits- und Wohnformen entwickelt, von denen alle lernen können. Unsere Vision ist die einer solidarischen, gerechten und emanzipatorischen Welt, in der die Menschen sorgsam miteinander, sich selbst, der Natur und den Gütern, die uns allen gehören, umgehen.

 

feministAttac

  • analysiert und kritisiert die Folgen der neoliberalen Globalisierung aus feministischer Sicht
  • macht die Auswirkungen des neoliberalen Wirtschaftssystems auf Frauen in aller Welt sichtbar
  • bringt diese Zusammenhänge in den globalisierungskritischen Kontext ein, um sie zu verändern
  • trägt zur Anerkennung, Verbreitung und Vernetzung von feministischen Alternativen bei
  • unterstützt lokale und globale Bestrebungen, die Nahrungs-, Wasser- und Saatgutsouveränität  zu regionalisieren und wieder selbst in die Hand zu nehmen
  • fördert Mut und Kreativität für mehr widerständiges Leben

     

Umbenennung von FrauennetzAttac in feminist Attac

Attac ist ein internationales Netzwerk und auch die feministische Perspektive im globalisierungskritischen Kontext ist international. Unsere österreichischen, finnischen, belgischen, schwedischen und norwegischen Kolleginnen betonen dies im Namen feministAttac.

feministAttac bedeutet nicht einfach eine Geschlechterzugehörigkeit, sondern beinhaltet eine bestimmte politische Ausrichtung: die Analyse und Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse aus feministischer Perspektive. Der feministische Ansatz betont, dass die Geschlechterhierarchie ein wesentlicher Grundpfeiler der bestehendenen Verhältnisse ist. Ein wichtiger Schritt zur Veränderung der Welt besteht somit in der Auflösung derselben. Der Name feministAttac stellt zudem klar, dass eine politische Überzeugung nicht zwangsläufig mit dem biologischen Geschlecht verbunden sein muss.

Aus diesen Gründen wurde das FrauennetzAttac am 1.2.2004 in feministAttac umbenannt.

 

Reaktionen aus Österreich nach der Umbenennung

Hallo, liebe Frauen!

Willkommen im Kreis von feministATTAC!!!

Wie viele von Euch wahrscheinlich wissen, haben wir uns in Österreich als feministische Gruppe innerhalb von ATTAC bereits zu Beginn den Namen feministATTAC gegeben. Im Zuge von internationalen Vernetzungstreffen (zuletzt bei unserem Kongress „frauen macht sichtbar. Globalisierung feministisch hinterfragt“ im September 2003 in Graz) hat sich gezeigt, dass feministATTAC mittlerweile in mehreren Ländern aktiv ist (Finnland, Belgien, Schweden, Norwegen …; in Frankreich mit anderem Namen).

Wär’ schön, wenn auch ihr bei zukünftigen internationalen Vernetzungsaktivitäten vermehrt dabei seid!

Herzliche Grüße aus Österreich

 

Spenden für feminist Attac

Unsere Arbeit ist auch von finanzieller Unterstützung abhängig. Deshalb freuen wir uns immer über Spenden. Diese können auf folgendes Konto überwiesen werden:

Share e.V. / Attac
GLS Gemeinschaftsbank
BLZ: 430 609 67
Konto-Nr.: 800 100 800
Verwendungszweck: feministAttac

Hier gibt es mehr Informationen zu Spenden an Attac und ein Onlineformular.

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