Die Frauenmorde in Ciudad Juarez

 

Eine Veranstaltungsreihe vom 27.11. bis 3.12.2005

 

In Ciudad Juárez, im Norden Mexikos an der Grenze zu den USA, arbeiten über 200.000 Menschen unter prekärsten Bedingungen in den Weltmarktfabriken von Siemens, Nike, Sony, Mitsubishi. Mehr als die Hälfte der jungen Frauen, die etwa 65 Prozent der Arbeitskräfte in Ciudad Juárez stellen, sind ledige Mütter. Viele gingen alleine von zuhause weg, um mit einem Teil ihres Einkommens ihre Familien zu unterstützen Sie arbeiten in den Billiglohnfabriken, in Bars und Restaurants, als Prostituierte. Und viele, die auf der Suche nach Arbeit dorthin kamen, kehren nicht mehr zurück.

 

Seit 1993 verschwinden dort junge Frauen systematisch, sie werden auf brutale Weise misshandelt und ermordet. Es gibt mittlerweile mehr als 400 nicht geklärte Frauenmorde. Zudem sind mehr als 600 Frauen verschwunden.

 

In vielen Fällen, die angeblich geklärt wurden, kann man Unregelmäßigkeiten in den Prozessen feststellen. Die lokalen Behörden und die Landesbehörden versuchen vehement, sich aus der Verantwortung zu ziehen. Sie reagieren kaum darauf oder treiben die Ermittlungen in die falschen Richtungen, indem Indizien zum Verschwinden gebracht und vermeintlichen Tätern Schuldgeständnisse mit Hilfe von Folter abgepresst wurden.

 

Anwältinnen und JournalistInnen, die sich für eine Aufklärung einsetzen, erhalten Todesdrohungen. Einige Politiker machen die Opfer für ihr Schicksal selbst verantwortlich, indem sie behaupten, dass "die Frauen mit ihrer Kleidung ihre Mörder provozieren würden", oder es wurde versucht, die Frauen mit Drogenkonsum und Sexarbeit in Verbindung zu bringen (und damit dem Leben einer Sexarbeiterin oder einer Drogenkonsumentin weniger Wert beizumessen). Die mexikanische Regierung scheint sich nicht dezidiert für die Aufklärung dieser Fälle einzusetzen.

Als Folge des massiven internationalen Drucks sind zwar zwei Sonderkommissionen einberufen worden, die aber zur Aufklärung der Fälle bis jetzt nichts Bemerkenswertes beigetragen haben. Bis heute ist noch kein einziger Fall glaubhaft aufgeklärt worden. Das Morden und Verschwindenlassen geht weiter und ähnliche Situationen sind seit geraumer Zeit auch in anderen Städten und Bundesländern zu beobachten.

 

Hinter den scheinbar mysteriösen Todesfällen verbirgt sich ein System von Frauenhass, wirtschaftlichen Interessen und Korruption.

 

¡Ni una más! (Nicht eine Einzige mehr!) - lautet der Leitspruch, mit dem seit vielen Jahren MenschenrechtsaktivistInnen die Straflosigkeit in Ciudad Juárez öffentlich anprangern. Dem Protest haben sich inzwischen auch internationale Organisationen angeschlossen (u.a. UNO, Amnesty International).

 

Der FilmVortrag mit Marisela Ortiz von der Organisation "Nuestras Hijas de Regreso a Casa" informiert über die Situation der betroffenen Frauen und ihrer Familien, die soziokulturellen Hintergründen der systematischen Morde sowie über die Arbeit von Solidaritätsnetzwerken und die Auswirkungen des internationalen Drucks.

Nuestras Hijas de Regreso a Casa ist eine Organisation von Angehörigen und engen FreundInnen der Opfer; sie wurde 2001 gegründet. Das Ziel der Organisation ist Gerechtigkeit für die Opfer und ihre Familien herzustellen. "Nuestras Hijas" arbeitet nicht nur auf juristischer Ebene, die Organisation bietet psychologische und ärztliche Unterstützung für die Angehörigen an. Ein weiteres aktuelles Projekt ist der Aufbau einer Radiostation in Ciudad Juárez: "Radio Fem rompiendo el silencio" soll dabei helfen, das Schweigen über die Frauenmorde zu brechen und als Gegeninformationskanal dienen.

 

Dank der Arbeit dieser Menschen, die sich weigern zu vergessen, ist der Femenicidio in Juárez jenseits der mexikanischen Grenzen bekannt geworden, so dass sich jetzt sogar internationale Organisationen (UNO, Interamerikanische Menschenrechtskommision) mit dem Thema befassen. Die Arbeit von "Nuestras Hijas" hat mittlerweile internationale Anerkennung bekommen; so wird Marisela, der Direktorin, im September ein Menschenrechtspreis in Madrid überreicht werden.

» Interview mit Marisela Ortiz

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