Feminist Attac
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Arbeit um jeden Preis? Frauenarbeit und Globalisierung

Veranstaltung auf dem G8-Alternativgipfel in Rostock 

 

In unserem zweistündigen Vormittagsseminar zum Thema "Arbeit um jeden Preis? Frauenarbeit und Globalisierung" stellten wir interessierten Frauen das Eisbergmodell der feministischen Wissenschaftlerin Maria Mies vor. Darin zeigt sie, dass sämtliche wertschöpfende Arbeiten, inklusive der Lohnarbeit, auf der unbezahlten Arbeit von Frauen und der Ausbeutung der Natur beruhen. Die kostenlose Aneignung dieser Ressourcen ist somit Grundvoraussetzung der gesamten profitorientierten Warenproduktion. Für Frauen stellt sich damit im eigentlichen Sinne das Problem der Arbeitslosigkeit, verstanden in der Regel als Erwerbslosigkeit, nie, da sie ohnehin in viel stärkerem Maße als Männer die ganze Zeit mit Reproduktionsarbeit (Haushalt, Kindererziehung, Altenpflege u.a.) beschäftigt sind. Vielmehr sehen sie sich mit zwei anderen Herausforderungen konfrontiert:

1. Die von ihnen verrichteten Tätigkeiten sind unentlohnt und damit unsichtbar. Frauen fordern deshalb die Wertschätzung und die Subsistenz- oder gar Wohlstandssicherung durch ihre Arbeit. An diesem Punkt zeigte sich, dass unter den anwesenden Frauen unterschiedliche Auffassungen vorhanden waren. Während einige die stärkere Bezahlung dieser Tätigkeiten (=Professionalisierung der Produktionsarbeit) forderten, da Wertschätzung in dieser Gesellschaft nun mal hauptsächlich über Geld hergestellt wird, hielten andere dies nicht für ausreichend. Vielmehr müsse es darum gehen, die Frauen, wie überhaupt alle Menschen, aus dem Diktat der Geldökonomie zu befreien und andere Wertmaßstäbe und autonome Strukturen (etwa durch Subsistenzökonomien) zu finden, da nur so wirkliche Existenzsicherung möglich sei.

2. Einigkeit herrschte darüber, dass ein zweites Ziel die teilweise Befreiung der Frauen aus der Reproduktions- und Lohnarbeit sein muss. Dies kann nur über die gleichmäßige Verteilung der Arbeiten auf alle, Frauen und Männer, realisiert werden. Um diese Forderung zu verdeutlichen, wurde das Modell Frigga Haugs vorgestellt, welches Lohn- und Reproduktionsarbeit auf jeweils 4 Stunden täglich beschränken will, um Zeit für jeweils 4 Stunden politische und kulturelle Arbeit (inkl. Entspannungsphasen) zu haben. » mehr dazu

Eine andere Alternative bieten Konzepte zum Grundeinkommen, die aber auch einige Schwächen aufweisen. So kann ein Grundeinkommen nicht garantieren, dass sich an der gerechteren Verteilung der Haus- und Familienarbeit etwas ändert. Ebenso wenig kann es den (globalen) Arbeitsmarkt entgendern (d.h. die geschlechtstypische Strukturierung von Berufen und Entlohnung ändern) oder ökologisch und sozial gerechter gestalten. Besondere Gefahr geht von neoliberalen Vereinahmungsprozessen der Grundeinkommensidee aus, die mit dessen Umsetzung gleich den gesamten Sozialstaat mit abschaffen möchten.

Am Schluss war klar, dass es keinen linearen Weg hin zu gerechterer Arbeitsverteilung gibt, sondern an vielen Stellen gleichzeitig agiert werden muss.
Als solche "feministischen Baustellen" wurden von den Diskussionteilnehmerinnen beispielsweise gesehen:

  • der Arbeitsmarkt: mit einem global eingeführten Mindestlohn
  • der Sozialstaat: mit einer einheitlichen sozialen Absicherung (z.B. mit einem Grundeinkommen)
  • die Warenwelt, die ökologisch hergestellte Produkte mit langfristiger Haltbarkeit bietet
  • nicht-monetäre Austauschzusammenhänge wie Kommunen oder Religionsgemeinschaften
  • das Steuersystem, welches mit Vermögens- und Unternehmenssteuern zur besseren Umverteilung des Reichtums beiträgt oder Frauen gänzlich von Steuern befreit (» Spiegel-Artikel dazu)
  • das Bildungssystem, das ein Fach Hauswirtschaft für alle zur Pflicht erklärt und damit Kinder schon frühzeitig auch für die Bedeutung der Reproduktionsarbeit schulen würde
  • die größere Wertschätzung der Mütter, da die mangelnde Wertschätzung ihrer Arbeit zu negativen Persönlichkeitsentwicklungen von Müttern und Kindern führt (Depressionen und mangelndes Selbstwertgefühl, Egoismus und Aggression, u.a.)

Diese Vorschläge dienen nur der Diskussion und sind keine öffentliche Position von feminist Attac!

Neuigkeiten

10.12. Neue OECD-Studie belegt wachsende Einkommensungleichheit in Deutschland

Die Einkommen in Deutschland werden immer ungleicher verteilt.Die 10% mit dem höchsten Einkommen verdienten 2008 achtmal mehr als die 10% mit dem niedrigsten Einkommen. Mitte der 90er Jahre betrug die Relation nur 6:1.Das Steuersystem reduziert die Ungleichheit zwar um fast 30%, doch seit 2000 nimmt der Umverteilungseffekt ab. Damit liegt Deutschland nur noch im mittleren Feld aller OECD-Staaten. Am größten ist die Ungleichheit in Chile, am niedrigsten in Slovenien.Einkommensverteilung in OECD-Staaten. Reich und Reich gesellt sich gern (taz-Artikel vom 5.12.2011) OECD Country Note Germany

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16.10. Whethering the storm: Mädchen und Klimawandel
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26.03. Microcredit Pitfalls: The Experience Of Dalit Women In India
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