Missverständnisse und Vorurteile über attac

Vorurteil Nr. 1:Der Name sagt es schon: Das sind militante Politchaoten, die überall, wo sich ihnen öffentlichkeitswirksam Gelegenheit bietet, auf Randale aus sind. Ihr Ziel ist offenkundig, die großen Konferenzen ( G7-Treffen, Weltwirtschaftsforum ) handlungsunfähig zu machen.

Und so ist es wirklich: Der Name ist eine französische Abkürzung und bedeutet „Vereinigung zur Besteuerung von Devisenspekulationen zum Wohle der BürgerInnen“ und macht deutlich, dass attac sich als Bürgerbewegung versteht. Die Aktionen von attac sind provokativ und spektakulär, aber allesamt friedlich. Eine Million Teilnehmer zuletzt beim Sozialforum in Florenz und keine zerbrochene Fensterscheibe – das spricht für sich.

Vorurteil Nr.2: attac ist destruktiv und negativ: Es gibt kaum eine wichtige globale Weichenstellung, gegen die attac nicht Front bezogen hätte: Internationaler Kampf gegen Terrorismus, Liberalisierungsprogramme des IWF und der Weltbank, Privatisierungskonzepte – alles wird bekämpft, Alternativen sind nicht erkennbar.

Und so ist es wirklich: Der Ansatzpunkt von attac ist ausgesprochen konstruktiv und besteht in der Forderung nach der Einführung einer international erhobenen Devisenspekulationssteuer (Tobin-Steuer). Dem Liberalisierungs- und Privatisierungsfeldzug der globalen Akteure setzt attac das Solidaritätsprinzip entgegen.

Vorurteil Nr. 3: attac ist nach dem Zusammenbruch des Kommunismus das Sammelbecken aller Linksgruppen, die eine neue Organisationsform für die altbekannten Ziele gesucht und gefunden haben. attac ist ein Instrument der äußersten Linken zur Bekämpfung parlamentarischer Entscheidungsfindung.

Und so ist es wirklich: attac ist ein breites Aktionsbündnis von Menschen und Organisationen verschiedenster Herkunft und Schwerpunktsetzung, attac ist pluralistisch, auch in der Willensbildung wird das deutlich: In attac finden sich – um nur die wichtigsten zu nennen – gewerkschaftliche, humanitäre, entwicklungspolitische, ökologische, pazifistische, antirassistische, auch antikapitalistische Ausrichtungen zusammen. Es gilt das Konsensprinzip: Nur was von allen getragen wird, gilt.

Vorurteil Nr. 4: Also doch mehr ein Gemischtwarenladen, in dem jedes Grüppchen Unterschlupf finden und sein eigenes Süppchen kochen kann. attac ist vielleicht gut für vereinzelte Aktionen und Spektakel, eine langfristig klare politische Ausrichtung lässt sich bei so vielen unterschiedlichen Vorstellungen gar nicht herstellen.

Und so ist es wirklich: Es gibt – bei aller gewünschten Vielfalt – einen gemeinsamen verbindlichen Wertekonsens, der sich durch eine Negativauslese ergibt: antinationalistisch, antirassistisch, antifaschistisch, antimilitaristisch, antichauvinistisch, antiimperialistisch.

Vorurteil Nr. 5: attac ist rückwärtsgewandt. Als Globalisierungsgegnerin stellt sich attac einer unumkehrbaren Entwicklung entgegen, will nicht zur Kenntnis nehmen, dass die Globalisierung eine Tatsache ist, mit der man leben muss, ob man will oder nicht.

Und so ist es wirklich: Wir sind keine Globalisierungsgegner, sondern Globalisierungskritiker. Das ist nicht dasselbe, man wird einen Literaturkritiker schließlich auch nicht als Literaturgegner abtun wollen. „Globalisierung ist kein Schicksal“, lautet die Devise. attac will die Globalisierung gerechter gestalten und die ihr zugrundeliegenden Entscheidungen demokratisieren, die Frage nach den Nutznießern in den Vordergrund rücken.

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