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Selbstverständnis

Eine Bewegung mit wissenschaftlichem Beirat - das ist nicht selbstverständlich. Doch für eine globalisierungskritische Bewegung ist er notwendig. Und zwar aus mehreren Gründen. Erstens ist die Distanz zwischen globalen Tendenzen und lokalen Ereignissen so groß und die Ereignisketten sind so komplex, dass der Zusammenhang nicht offensichtlich ist. Er muss wissenschaftlich erarbeitet, aufgezeigt werden. Wir ahnen mehr, als wir von den Zusammenhängen zwischen Finanzkrisen und Arbeitslosigkeit, zwischen Energiemodell und Produktions- und Lebensweise hier und Krieg ums Öl im Irak und anderswo wissen.

Der Kontext lokaler Politik reicht in den globalen Raum, und dies lässt sich nur wissenschaftlich aufarbeiten. Zweitens ist Globalisierung nicht nur, aber vor allem ökonomische und finanzielle Globalisierung. Daher ist es notwendig, die ökonomischen Zusammenhänge zu verstehen, also so etwas wie eine ökonomische Alphabetisierungskampagne (Bourdieu) gegen die neoliberalen Erklärungsmuster und deren Hegemonie anzuleisten. Natürlich kann so etwas niemals nur theoretisch und durch wissenschaftliche Arbeit erfolgen, sondern immer im Bezug auf politische Praxis. Wissenschaftliche Arbeit gewinnt nicht ihren Nutzen, wenn sie den sowieso nicht einhaltbaren Prinzipien der Wertfreiheit folgt, sondern wenn sie politisch engagiert und gleichzeitig von den tagespolitischen Anforderungen distanziert erfolgt. Drittens müssen politische Felder auch im Zusammenhang politischer Kampagnen erschlossen und ausgelotet werden. Das kann nur gelingen, wenn der Beirat nicht nur Beirat ist, sondern sich aktiv in die politische Praxis der Bewegung einmischt und mitmacht, also offen für die Anforderungen der Bewegung ist und bleibt. Parteien haben keine wissenschaftlichen Beiräte, sondern ihre Stiftungen, von denen sie mit den notwendigen Analysen versorgt werden, um der Tagespolitik eine Perspektive vermitteln können. Der Kampf um politische Hegemonie mit wissenschaftlichen Expertise, mit der Absicht der "Beeinflussung der Köpfe" wird aber auch von parteiungebundenen Stiftungen, Gesellschaften, Vereinen etc,. kurz "think tanks", geführt, die in den Industrieländern in aller Regel neoliberal orientiert sind. Dagegen und um die neoliberale Hegemonie zu durchbrechen sind Alternativen zu begründen. Seit einigen Jahren geschieht dies gegen das WEF in Porto Alegre, aber auch in den Gegenveranstaltungen, die ebenfalls seit Jahren in Zürich und Davos und anderswo organisiert werden. Ein wissenschaftlicher Beirat hat die Präsenz der Alternative zur neoliberalen Globalisierung zu dokumentieren, die Argumentation, dass eine andere Welt als die neoliberal zugerichtete möglich ist, zu stärken. Es geht also um diskursives Eingreifen, um Hegemoniegewinn. Gerade ein plural zusammengesetzter wissenschaftlicher Beirat kann dabei sehr produktiv wirken.

Themen 

Die Themen der Arbeit sind zum Teil aktuell und extern vorgegeben, wie es der verbrecherische Krieg gegen den Irak war oder wie es die aktuelle "Krise" ist. Man kann sich der Stellungnahme dazu nicht entziehen. Darüber hinaus aber muss der wissenschaftliche Beirat perspektivisch Themen entwickeln, die zu bearbeiten sind. Dazu gehören beispielsweise die Fragen, die mit der Privatisierung öffentlicher Güter aufgeworfen werden müssen: Welches sind die Gründe, ja die Zwänge einer Privatisierung öffentlicher Güter in allen Weltregionen? Welches sind die Effekte für die Versorgung der Menschen, für Beschäftigung und Effektivität, für Preise und Kosten, für Gesundheit und Umwelt? Wie sind verschiedene Dimensionen menschlicher, sozioökonomischer, politischer Sicherheit betroffen und welche Anforderungen an öffentliche Güter ergeben sich aus der Verfolgung einer neuen militärischen Sicherheistdoktrin (der NATO, der USA) und dem Gewicht, das der "corporate security" begemessen wird? Wie ist der Zusammenhang zu der Funktionsweise der globalen Finanzmärkte, etwa beim cross border leasing oder bei der Privatisierung von Rentensystemen? Welche Rolle spielen die Liberalisierungsregeln des GATS für die Tendenzen der Privatisierung öffentlicher Güter? Etc. Dazu hat ein wissenschaftlicher Beirat über den Aktualitätsbezug hinaus reichende Analysen zu liefern, doch ohne mit ihnen den Bezug zur politischen Praxis zu verlieren. 

 

Elmar Altvater

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