Kampagne "Wer anderen eine Grube gräbt"
attac Brühl beteiligte sich am Samstag 16.10.2010 im rheinischen Braunkohlerevier an den bunten Störaktionen zivilen Ungehorsams unter dem Motto "Wer anderen eine Grube gräbt", um für Klimagerechtigkeit zu streiten und der "Klüttenmafia" um den Stromoligopolisten RWE weitere Nadelstiche zu versetzen.
"Im Rahmen des globalen Aktionstages für Klimagerechtigkeit (12. Oktober) finden vom 10.-17. Oktober weltweit Aktionen für Klimagerechtigkeit statt. In Deutschland wird ein wichtiges Ziel das rheinische Braunkohlerevier mit RWE Power als größtem CO2-Verschmutzer Europas sein. Drei Viertel der deutschen Braunkohle wird hier zerstörerisch auf Kosten von Mensch und Umwelt abgebaut: allein die drei Braunkohlekraftwerke Frimmersdorf, Neurath und Niederaußem produzieren pro Jahr soviel CO2 wie 25 Millionen Autos. Wir wollen Sand in diesem Getriebe aus Tagebaugebieten, der Nord-Süd-Kohlebahn, Kohlekraftwerken und der Kraftwerksbaustelle Neurath sein und mittels unterschiedlichster bunter Aktionen sowie auch zivilem Ungehorsam auf die schädliche Energieproduktion von RWE aufmerksam machen."
Quelle: Grubegräbt
Film
Infos
Augenzeugenbericht
"Am Vorabend brachten wir eine Stadträtin der Grünen aus Bergheim mit einem Auto von unserer geheim gehaltenenen Schlafstätte zu ihr nach Hause. Auf dem ganzen Weg bis zu ihrem Haus verfolgte uns ein dunkler BMW. Ich fühlte mich etwas unwohl. Überhaupt berichteten die anderen Aktivisten von regelmäßigen Kontrollen mit Verlangen der Personendaten durch die Polizei, selbst als eine Aktivistin im Gebüsch ihr ´Geschäft´ erledigen wollte, soll sie verfolgt worden sein. Ständig wurden wir von Polizisten teilweise aus Polizeiautos und von Nichtuniformierten teilweise aus Zivilautos gefilmt und fotografiert. Wir spiegelten dann dieses unangenehme Verhalten durch unser Fotografieren der uns Fotografierenden. Selbst am Tagebau haben uns mehrere Pickups von RWE verfolgt und in einem Sicherheitsabstand beschattet, als wir durch die vom Tagebau bedrohten Dörfer fuhren. Selbst ein Polizist in Uniform im Zivilwagen verfolgte uns die ganze Zeit durch die Dörfer bis er am Ende auf uns zuging und uns fragte, ob wir diese Verfolgung beenden könnten. Wir bejahten seine Frage, da wir eh auf dem Weg zurück zu unserer Schlafstätte waren und winkten uns gegenseitig freundlich zu. Überhaupt kommunizierten die Polizisten (insbesondere aus der Polizeiführung) sehr freundlich und verständnisvoll mit uns Aktivisten. Mehrere Polizeiwagen fuhren in kurzen Abständen an uns vorbei; an unserer Mahnwache standen etwa zwanzig Meter entfernt rund sechs voll besetzte Polizeimannschaftswagen. Wir kamen mehrmals mit vom Braunkohletagebau und von den -kraftwerken betroffenen Bürgern ins Gespräch und spürten, dass sie unsere solidarische Anwesenheit guthießen."
Kommentare
"Diese Kampagnenauftaktaktion war erfolgreich, weil wir über ein großes Medienecho unsere politischen Ziele in der Öffentlichkeit verbreiten konnten, um so schließlich die von der Braunkohleverstromung betroffene Bevölkerung - von Anwohnern (Schattenwurf, erhöhtes Krebsrisiko, Vertreibung usw.) bis zur Weltbevölkerung (Klimawandel) - weiter für diese Problematik zu sensibilisieren und zukünftig schließlich ähnlich wie bei ´Stuttgart 21´ einen breiten wirksamen Protest zu initiieren. Die ´Achillesferse´ von RWE ist das öffentliche Image, das durch demonstrative Werbekampagnen und Lobbyismus zu pflegen versucht wird. Ähnlich wie bei der Anti-AKW-Bewegung zielt die neue Klimaschutzbewegung auf die Bindung von Resourcen von RWE und damit verfilzten Politik; hier ging unsere ´Nadelstichtaktik´ auf, denn RWE musste wegen der Geheimhaltung unserer Aktionskapazitäten erheblichen Aufwand an Werkschutz usw. in Anspruch nehmen, um ´auf Nummer Sicher zu gehen´, was sich durch den überverhältnismäßigen Einsatz von Werkschutz und Polizei offenbarte."
"ERSTE SCHRITTE ZU EINER ÜBERREGIONALEN ANTI-KOHLEKRAFT-BEWEGUNG
Anlässlich der globalen Aktionstage für Klima-Gerechtigkeit wurden sowohl in Leipzig, dem Ort der „Klimabörse“, als auch da, wo in Europa das größte zusammenhängende Braunkohle -Tagebaugebiet und der klimaschädlichste Kraftwerkspark (von RWE-Power) sind, im Dreieck Köln – Düsseldorf - Aachen, erste Schritte zu einer überregionalen Anti-Kohlekraft-Bewegung gemacht.
Die drei Aktionstage mit dem Motto: „Wer anderen eine Grube gräbt...“ vom 15. –17. Oktober im rheinischen Braunkohlerevier konkret :
Am Freitag fand ein letztes Blockade -Training in Köln statt. Dann brachen wir zu einem Bauernhof in der Nähe eines Braunkohlekraftwerks im Revier auf. Angesichts des heftigen Regenwetters blieben die Wiesen leer – es gab kein „Klima – Camp“. Nach einem leckeren veganen Essen der Volksküche (Vokü) aus Düsseldorf schliefen wir im Bauernhof nach letzten gemeinsamen Planungen gut, aber nur kurz.
Denn am Samstag ab 6:00 Uhr gelang es einer Gruppe von uns unter großer Medien– und Polizeipräsenz Gleise zum Braunkohlekraftwerk Bergheim – Niederaußen 2,5 Stunden mit einer Sitzblockade zu besetzen.
Eine andere Gruppe startete gleichzeitig eine Mahnwache vor der Kraftwerksbaustelle in Grevenbroich-Neurath, wo ein neues gigantisches Braunkohlekraftwerk mit zukünftig gewaltigen CO2-Emissionen schon bald fertiggestellt werden soll.
Am Nachmittag machten wir den „Spaziergang“ am Tagebau Garzweiler (der „Grube“), wo sich der größte Bagger der Welt in die Erde frißt.
Schließlich besuchten wir den Ort Borschemich, der wegen der Erweiterung des Tagebaus schon halb verlassen bzw. umgesiedelt ist. Wir hatten die Gelegenheit, mit einem betroffenen Bürger zu sprechen, der uns seine Verzweifelung und Wut deutlich machte, aber auch „trotzig“ einige Zimmer seines Hauses renovierte, obwohl er es bald verlassen soll.
Am Sonntag war dann das offene Klima!Bewegungsnetzwerks – Treffen. Nach der Reflexion unserer Aktionen planten wir folgendes für das nächste Jahr:
1. Eine Aktions – Konferenz Januar/ Februar 2011
2. Ein großes - überregionales – strömungs – und altersübergreifendes – aktionsorientiertes – integratives – hierarchiekritisches KLIMA–CAMP 2011 im rheinischen Braunkohlerevier
Fazit:
Neben dem großen Medien – Echo und ersten „Nadelstichen“ für RWE, haben
wir mit unseren Aktionen Menschen erreicht, die in Bürgerinitiativen vor Ort seit Jahren meistens vergeblich Widerstand leisten - in erster Linie auf juristischer Ebene. Unsere ersten Versuche zivilen Ungehorsams wurden mit vorsichtiger Sympathie aufgenommen. Es war ein guter Anfang.
Dass wir nur ca. 45 Menschen mobilisieren konnten, läßt sich möglicherweise erklären durch das Zusammentreffen von
1. der parallelen Mobilisierung zu Stuttgart 21 und zu den Castor – Transporten
2. der allgemeinen „Klima – Müdigkeit“ bzw. zunehmenden Verdrängung der Klima–Katastrophe (s. Panorama – Sendung vom 12.8.2010)
3. der positiven Besetzung von „Kohle“ im konkreten wie im übertragenen Sinn (Geld – Metapher) im „gesellschaftlichen Unbewußten“
4. Organisationsdefiziten hinsichtlich klassischer Mobilisierungsschritte, Aufruf – Ansprechen anderer Organisationen – Unterstützer – Liste veröffentlichen......
5. ungünstigen „Klima – Verhältnissen“ (Regenwetter)"
Mobitrack
Flugblatt
Poster

Presse

Quelle: Neues Deutschland 14.10.2010

Quelle: Kölner Stadtanzeiger 16.10.2010

Quelle: Radio Erft 17.10.2010

Quelle: Kölner Stadtanzeiger 18.10.2010

Quelle: Kölner Stadtanzeiger 18.10.2010

Quelle: Kölnische Rundschau 18.10.2010

Quelle: Kölnische Rundschau 18.10.2010

Quelle: Kölnische Rundschau 18.10.2010














































































