Brühl

Großdemonstration zum Weltklimagipfel in Kopenhagen

Am 12. Dezember 2009 nahm der Brühler attacie Frank mit vielen anderen internationalen attacies an der großen Demonstration zum Weltklimagipfel in Kopenhagen teil, um für ein wirksames Klimaabkommen der Staatengemeinschaft zu streiten.

Quelle: "Wikipedia"

Flugblatt

Filme

Augenzeugenbericht

Augenzeugenbericht zur Großdemo zum Klimagipfel in Kopenhagen am 12.12.2009

vom Brühler attacie Frank

 

Hallo Kopenhagen

 

Am Abend vor der Großdemo starteten zwei von attac Köln organisierte Busse voller Klimaschützer von Köln nach Kopenhagen. Am Ende einer Nacht voller Vorfreude und Erwartungen auf den nächsten Tag kamen wir um 5 Uhr vor dem Fährhafen in eine Kontrolle der deutschen Bundespolizei; ein freundlicher Bundespolizist betrat unseren Bus mit der Ansage „Guten Morgen, hier spricht die Bundespolizei...“ und erklärte, dass er stichprobenartig für einige Minuten unsere Personalausweise oder Reisepässe zur Kontrolle mitnehmen werde. Der Bundespolizist ging von Businsasse zu Businsasse, nahm den vorgestreckten Personalausweis bzw. seltener den Reisepass in die Hand und musterte das Ausweisdokument mit seinem Inhaber. Ungefähr von jedem Zweiten nahm er das Ausweisdokument mit. Nach ungefähr einer viertel bis halben Stunde wurden die eingezogenen Ausweispapiere ohne weitere Beanstandung oder Kontrollen zurückgebracht.

 

Mit Karl in der blauen Flutwelle

 

Nachdem wir am Vormittag des Demotages unsere Unterkunft in einer großen Fabrikhalle etwas außerhalb in Kopenhagen bezogen hatten, machten wir uns zu einigen attacies mit dem Bus auf den Weg in die Innenstadt. Dort bauten wir unsere Karl Marx darstellende Großpuppe mit dem Plakatausspruch „It´s the economy, stupid!“ zusammen und gingen mit attac-Fahnen flankiert durch das Kopenhagener Zentrum, wo die Aufmerksamkeit der Passanten auf unsere Großpuppe gelenkt und vielfach abfotografiert wurde. Als wir einige Stunden vor Beginn der Großdemo auf dem Platz ankamen, überraschte uns die Minuten später ankommende Vorderfront der Demonstration der „Friends of Earth“, die zu Tausenden alle mit blauen Umhängen bekleidet eine durch die Kopenhagener Innenstadt schwappende Flutwelle als Folge des klimaerwärmungsbedingten Meeresspiegelanstiegs symbolisierten.

 

Bunt, lautstark und springend für Klimagerechtigkeit

 

Nach und nach füllte sich der Sammelplatz der Großdemo mit Klimaschützern; auch wir attacies wuchsen mindestens auf einige Dutzend im unmittelbaren Umkreis an, unter anderem weitere attacies aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Dänemark und Norwegen. Nach der Einweisung von attac-Ordnern fanden wir attacies mit dem Start der Großdemo auch zu einem eigenen Demoblock zusammen, vorausgehend mit einem sieben Meter langen Transparent mit der Aufschrift „Our climate is not for sale – European attac network“. Hinter dem Transparent wurden mehrere Spruchschilder und weiße, rote, orangene attac-Fahnen aus unterschiedlichen Ländern in den blauen Kopenhagener Himmel hochgehalten. Ein attacie ging mit Megafon voran und animierte uns andere attacies Demosprüche gemeinsam und lautstark an die Zuschauer am Straßenrand zu übermitteln, beispielsweise wurde sein Anfang „Climate justice“ mit unserem lautstarken „Climate action“ vervollständigt, oder zusammen „We jump, we jump for climate justice“ springend aus mehreren Kehlen in einem staccatoartigen Rhythmus wiederholend intoniert. Mit einer fröhlichen und friedlichen Stimmung ging der Demozug durch Kopenhagens Straßen voran und in unserem Umfeld gab es keinerlei Gewalt, auch konnte ich nichts hören, was auf Gewalt in den Demonstrierendenreihen hinter uns hinwies.

 

Polizeikessel

 

Als wir nach ungefähr einer halben Stunde Demobewegung einer geraden, recht breiten und von Häuserblöcken berandeten Straße entlang gingen, liefen im Schnellschritt aus einer linken Seitenstraße zwei Spaliere zu je rund zehn bis zwanzig dänische Polizisten, die vor und hinter uns zwei Reihen bildeten, sich gegen die Demorichtung drehten und den Demogang zum Stillstand brachten. Gleichzeitig oder unmittelbar danach fuhren hinter uns rund fünf dunkle Polizeivans neben die hintere Polizeikette und verstärkten diese Absperrung. Einige Minuten standen die vorderen dänischen Polizisten mit dunkelblauen Uniformen und blauen Helmen zu uns gedreht. Wir attacies blieben ruhig und geduldig stehen. Unser attacie mit dem Megaphon versuchte die vor uns jenseits der vorderen Polizeikette wegziehenden Demonstrierenden zur Umkehr und Solidarität mit den uns Eingekesselten zu animieren, worauf tatsächlich eine Minderheit in ihrem Demogang innehielten und zu uns umkehrte. Doch wir rund zwei Dutzend attacies zwischen den beiden Polizeiketten hatten Glück, da nach einer kurzen Verhandlung mit der leitenden Polizistin die vordere Polizeikette durch zügiges und geordnetes Weggehen nach links aufgelöst wurde, im Gegensatz zur weiterhin durch die Wagenkette verstärkte hintere Polizeikette.

 

Let them out!

 

Nach kurzer Beratung beschlossen wir freigelassene attacies uns mit unserem langen Transparent umzudrehen und in einigen Metern Sicherheitsabstand auf die Freilassung der anderen attacies zu warten, die weiterhin im Polizeikessel gefangen gehalten wurden. Mit ungefähr hundert anderen Demonstrierenden riefen wir zusammen „Let them out!“ an die Polizisten gerichtet, um die Freilassung der eingekesselten Demonstrierenden zu erreichen, worauf die Polizei jedoch nicht reagierte. Nach einigen Minuten machten wir für eine große Sambagruppe Platz, die unsere Freiheitsrufe mit Sambarhytmen unterstützte, wodurch der Polizeikessel aber auch nicht beendet wurde. Nach mehreren Stunden wirkungslosen Wartens, als es bereits dunkel geworden war, gaben wir auf und gingen zurück zu unserem Schlafplatz, um uns von den Strapazen des Demotages zu erholen.

Infos

"100.000 Aktive auf Großdemo zum Klimagipfel"

Kommentar von attac Deutschland

 

"Geburtsstunde einer globalen Klimabewegung"

Kommentar von attac Deutschland

 

"Kopenhagen - attac protestiert gegen gewaltsamen Ausschluss der Zivilgesellschaft!"

Kommentar von attac Deutschland

 

"Weicht die dänische Gemütlichkeit dem Ausnahmezustand?"

Augenzeugenbericht von Nino David Jordan

 

"Act now!"

Augenzeugenbericht von Hendrik Sander

 

"Erfahrungsbericht einer Verhaftung in Kopenhagen"

 Augenzeugenbericht von Niclas Haeringer

 

"Reclaim power action - Chaos und unverständliche Gewalt seitens der dänischen Polizei"

 Augenzeugenbericht von Amelimelo

 

"ORF-Team am Klimagipfel verprügelt"

 Augenzeugenbericht bei oe24.at

 

"Das Ökologische war ein blinder Fleck"

 Presseartikel in der Die Tagezeitung (taz)

 

Quelle: Die Tageszeitung 14.12.2010

Fotos

Fotos vom deutschen attac-Klima-Blog

Quelle: "Act now!"

Fotos vom internationalen attac-Klima-Blog

Fotos von "Die Tagezeitung"

.