Brühl

Kritischer Vortrag "Die Farce rund um den Klimagipfel"

Am 04. Februar 2010 verantsaltete attac Brühl einen Vortrag mit dem Titel "Die Farce rund um den Klimagipfel", in dem der prominente attacie Alexis Passadakis vom Koordinierungskreis attac Deutschland seine politische Bewertung des gescheiterten Klimagipfels in Kopenhagen den Zuhörern vermitteln und mit einem Blick in die Zukunft ermutigen wird, weiter für die Rettung des Klimas zu streiten.

Flugblatt

Filme

"Die Farce rund um den Klimagipfel"

Film von attac Brühl

Zusammenfassung

Die Farce rund um den Klimagipfel

Zusammenfassendes Protokoll des Vortrags des Politikwissenschaftlers Alexis Passadakis vom Brühler attacie Annette[1]

 

Der Klimagipfel in Kopenhagen ist regelrecht gescheitert (das von nur ca. 20 Staaten von 192 erarbeitete Abschlussdokument wurde am Ende lediglich „zur Kenntnis genommen“, was in der Diplomatensprache wohl soviel wie „völlig unbrauchbares Papier“ heißt), weil...

-      die Staaten untereinander eine große Konkurrenz um Ressourcen, Standortbedingungen, Märkte, Arbeitsplätze, Preise und Löhne haben,

-      die Welt nicht mehr uni- bis bipolar ist (wie einstmals, wo USA und Europa den Gang der Dinge bestimmten), sondern eben multipolar,

-      nicht mal die PR-Industrie noch etwas kommunikativ brauchbares aus dem Nicht-Ergebnis herausholen konnte.

 

Neben dem offiziellen UN-Gipfeltreffen gab es wie gehabt die Parallelwelt der NGOs mit Gesprächen und der großen Demo von 100.000 Menschen aus aller Welt.

 

Alexis kritisierte die Demo (und wohl auch die gesamten Gegenveranstaltungen) als zu sehr auf die Staatschefs und deren Lösungskapazitäten fokussiert. Die seien aber nicht Teil der Lösung, sondern des Problems. Diese Leute können aus den o. g. Gründen die Klimakrise nicht abwenden!!!

 

Bei den NGOs keimen trotzdem erste Ansätze einer neuen Agenda für Klimagerechtigkeit mit den folgenden Elementen:

-      Ansatz: Ressourcen im Boden lassen.

-      Ernährungssouveränität, ein Ansatz von Via Campesina, einem Zusammenschluß von 100 Millionen Bauern auf der ganzen Welt.

-      Stopp der Handelsliberalisierung

-      (Menschen-)Recht auf Energie für alle

-      Anstreben einer öffentlichen dezentralen Stromversorgung

-      der Norden muss seine ökologischen Schulden zahlen

-      Schluss mit Überkonsumtion und Wachstum.

 

Bei NGOs gibt es zwei große Bewegungen:  Clima Justice Now und Clima Justice
Action. Irgendwie damit in Zusammenhang auch die Klimacamp-Bewegung, die wohl folgende Kritik am UN-Prozess (dem sog. UNFCCC-Prozess) äußern:

-      die Beschränkung auf marktförmige Lösungen

-      die „false solutions“, eine Fülle falscher Lösungsansätze[2]

-      den hoch vermachteten Prozess mit starken Interessen von Staaten, Lobbys (wie Emmissionshändlern, Internationaler Handelskammer), sogenannten Experten

-      die Beschränkung auf reine Umweltpolitik – die NGOs befürworten, mindestens auch das Umfeld mit Landwirtschafts-, Industrie- und Sicherheitspolitik zu betrachten und anzugehen.

 

Die Zuspitzung der Biokrise steht im Mittelpunkt folgender Überlegungen bzw. im Zusammenhang mit diesen Tatsachen:

-      Mike Davis: Anthropozän (wir leben in einem Zeitalter, das maßgeblich von Menschen gestaltet wird (anthropogener Treibhauseffekt). Auch bei sogenannten Naturkatastrophen ist wesentlich der Mensch beteiligt.)

-      Indigenes: Zivilisationskrise:

-      2007: IPCC- und Stern- Report

-      Zunahme von Ressourcenkonflikten

-      Peak Oil: ein globales Ölfördermaximum ist absehbar

 

Der vierte Bericht des Weltklimarates (IPCC) kommt (kürzestgefaßt) zu dem  Ergebnis, dass, wenn wir die Erderwärmung auf max. zwei Grad beschränken wollen, der CO2- Ausstoß jährlich um 4,9% sinken muss.

Der Stern-Report, der wohl weltweit sehr große Aufmerksamkeit erfahren und viele bis dahin den Klimawandel leugnende zu einem Umdenken bewogen hat, favorisiert einen grünen Kapitalismus[3], dem Alexis jedoch eher Kritikpunkte entgegen zu setzen hat. Seine Argumente:

-     Die Lösung eines grünen Wachstums als Investitionen in energieeffiziente Technik reicht nicht.

-     Wenn wir die Erderwärmung auf max. zwei Grad beschränken wollen und den CO2- Ausstoß jährlich um 4,9% senken wollen, müsse (dabei schilderte er eine beeindruckende Rechnung) die Energieeffizienz um den Faktor 130 gesteigert werden – unmöglich zu schaffen.

 

Laut Alexis gibt es nur eine Lösung: Wir müssen schrumpfen!

 

Wir brauchen:

-      höhere Investitionen, und zwar öffentliche Investitionen in eine soziale Infrastruktur, wie z.B. Bildung

-      Arbeitszeitverkürzung

-      Umverteilung von Arbeit und finanziellen Mitteln

-      der Schlüsselfaktor Energie muss zukünftig dezentral, regional und somit „kleinlösig“ organisiert werden. s. Kampagne „Power to the People“ von attac.

 

...mit einem Wort:

Wir brauchen eine Neue Makroökonomie als neue Agenda für Klimagerechtigkeit.

Wir müssen Globalisierungskritik und Gerechtigkeit zusammen bringen.

 

Ausblick für attacies:

attac muss sich erweitern vom Netzwerk zur demokratischen Kontrolle der Finanzmärkte zu einem Netzwerk zur demokratischen Kontrolle der Energiekonzerne.


[1]   Protokoll: Annette. Beileibe habe ich nicht alles verstanden. Für Korrekturen und Ergänzungen bin ich dankbar: bruehl@attac.de.

 

[2]   a) die Kohlendioxidabschneidetechnik CCS (mit der heute der  Bau von Kohlekraftwerken  legitimiert wird, aber, wenn überhaupt, erst 2020 technisch reif ist.

     b) Handel mit Emmissionszertifikaten, wo zum Beispiel die Deutsche Bank fett eingestiegen ist und sich riesige Gewinne erträumt

     c) Atomkraft

     d) Agrosprit

     e) Großtechnisches Geoengeneering

 

[3]   Im Online-Magazin prager frühling gibt es eine Thesensammlung gegen grünen Kapitalismus von ihm – unten auf der Seite auch als deutsche PDF-Fassung

 

 

 

Presse

Quelle: Brühler Schlossbote 03.02.2010

Infos

"Kopenhagen: Der Gipfel des Scheiterns"

Text von Alexis Passadakis und Tadzio Müller

 

"Absehbares Scheitern - Die Klimaverhandlungen von Kopenhagen"

Text von Alexis Passadakis


"Ergebnisse des Klimagipfels eine reine Farce"

Kommentar von attac Deutschland

 

"Eine FDP-Frau? Kommt nicht in Frage!"

Interview mit Alexis Passadakis in der Süddeutschen Zeitung

 

"Die Lust am Widerständigen"

Presseartikel in Das Parlament

Präsentation

Fotos

Treffpunkt

Kontakt

Alexis Passadakis: alexis.passadakis@attac.de

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