Eine allgemeine Definition der Solidarischen Ökonomie gibt es nicht, weil Solidarische Ökonomie dezentral und von unten aufgebaut wird und niemand die Definitionshoheit hat.
Allerdings gibt es Kriterienkataloge und auch Definitionen von verschiedenen Akteuren - z.B. von internationalen Organisationen, die sich seit langem mit dem Thema beschäftigen, Kongresse organisiert, Erfahrungswissen gesammelt und Definitionen ausgearbeitet haben.

Eine solche Organisation ist RIPESS (Interkontinentales Netzwerk Soziale und Solidarische Ökonommie). Sie definiert SÖ wie folgt: Solidarische Ökonomie (SÖ) bezeichnet Formen des Wirtschaftens, die menschliche Bedürfnisse auf der Basis freiwilliger Kooperation, Selbstorganisation und gegenseitiger Hilfe befriedigen.
"Das Prinzip der Solidarität steht dabei im Gegensatz zur Orientierung an Konkurrenz, zynischer Eigenverantwortung und Gewinnmaximierung in kapitalistischen Marktwirtschaften. Solidarität in der Wirtschaft bedeutet, sich an den Bedürfnissen der KooperationspartnerInnen zu orientieren. Damit emanzipieren sich die AkteurInnen von der durch den Markt vorgegebenen Handlungslogik. Solidarität kann dabei sowohl auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit (z.B. gemeinschaftliche Selbsthilfe) als auch auf Umverteilung beruhen" - präzisieren Dagmar Embshoff und Sven Giegold (Hrsg.) in ihrem Buch "Solidarische Ökonomie im globalisierten Kapitalismus", S. 13

Auf der Homepage des bundesweiten Forums Solidarische Ökonomie e.V.  wird folgender Kriterienkatalog vorgeschlagen:

9 Prinzipien Solidarischer Ökonomie

Form: Solidarische Kooperation
1. Freiwillige & offene Beteiligung:
Keine Zwangskollektivierung. Keine Diskriminierung. Sondern: Kultur der Kooperation.
2. Demokratische Entscheidungsfindung:
Kein Einfluss nach Geldbeutel. Sondern: Gleiche Mitspracherechte für alle (one person, one vote statt one dollar, one vote). Konsense suchen.
3. Bildung, Experimente & Transparenz:
Basis für „Ermächtigung" & Wandel! SÖ selbst ist Such- & Lernprozess.
4. Vernetzung & Kooperation:
Sich vernetzen, um SÖ öffentlich voranzubringen. Kooperation unter Betrieben/ Projekten.
5. Autonomie & Unabhängigkeit:
Weder staatlich noch privatwirtschaftlich kontrolliert. Kollektives Eigentum/ Besitz.

Inhalt: Sinnvolle Bedürfniserfüllung

6. Ökonomische Selbsthilfe:Bedürfnisse erfüllen durch gemeinsames Wirtschaften. Selbstorganisation vor Wohltätigkeit.
7. Not-for-private-profit:Un-kommerzielles (nicht gewinnorientiertes) Wirtschaften wird durch nachhaltige Gewinnverwendung unterstrichen.
8. Fokus: regionale Ökonomie - plus fairer Handel:Fairen Handel und direkte Kooperationen stärken - auch lokal.
9. Gemeinwohldenken, „vivir bien" & Ökologie: Echte Nachhaltigkeit. Die Abkehr von Wachstumsdoktrin, neoliberaler Globalisierung und kapitalistischer Ideologie zeigt sich in sozial & ökologisch sinnvollen Zielen, Produkten, (kollektiven) Produktionssystemen & Nutzungsformen (Commoning; Ko-Konsum;...). Gemeinwohlmatrix als neuer Maßstab für Betriebe. Beitragen zu einem würdigen und naturverwobenem „guten Leben" (vivir bien)!

 

 

 

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