23.10.2008 - Konferenz in Caracas: ErklÀrung zur Finanzmarktkrise
Die internationale wirtschaftspolitische Konferenz in Caracas, Venezuela prĂ€sentierte eine AnschlusserklĂ€rung zur Finanzmarktkrise. Darin wurde eine Reihe von VorschlĂ€gen mit Ideen und Allianzen fĂŒr die Regierungen von Lateinamerika gemacht.
Der Text umfasst Themen, wie das Bankensystem, die neue Finanz-Architektur, die sozialen Nöte und die Finanz-Organe. Alle diese Themen wurden analysiert unter BerĂŒcksichtigung der neuen ZusammenhĂ€nge der Weltwirtschaft.
In der Folge brachte TeleSUR (La Nueva TelevisiĂłn del Sur) eine Zusammenfassung dieses internationalen Kongresses:
INTERNATIONALE KONFERENZ ĂBER WIRTSCHAFTSPOLITIK:
ANTWORTEN DES SĂDENS AUF DIE WELT-WIRTSCHAFTS-KRISE.
SCHLUSSERKLĂRUNG.
In Caracas, Venezuela fand vom 8. bis zum 11.Oktober eine internationale Konferenz statt mit Wissenschaftern und Forschern aus Argentinien, Australien, Belgien, Kanada, Chile, China, SĂŒd-Korea, Kuba, Ecuador, USA, Frankreich, England, Mexiko, Peru, Uruguay und Venezuela statt: Antworten des SĂŒdens auf die Welt-Wirtschafts-Krise Es gab eine umfangreiche Debatte ĂŒber die aktuelle Wirtschafts- und Finanzsituation der Weltwirtschaft, neue Perspektiven und die Herausforderungen an die Regierungen und die Völker des SĂŒdens angesichts der internationalen Finanzkrise.
Die Versammlung evaluierte die Situation, wie sie sich in den letzten Wochen verschlimmert hat, wie sie sich von den FinanzmĂ€rkten der zentralen Staaten sehr rasch ausgebreitet hat und zu einer internationalen Krise mit enormen Auswirkungen angewachsen ist. Diese Krise hat die LĂ€nder des SĂŒdens in eine sehr schwierige Lage gebracht.
Die Krise hat auch die Real-Wirtschaft erfasst, und kann eine starke Belastung fĂŒr die Weltbevölkerung darstellen, besonders fĂŒr die Sektoren, die jetzt schon am wenigsten geschĂŒtzt und hintan gestellt sind, wenn nicht sofort energische und effektive MaĂnahmen ergriffen werden.
Die Empfindlichkeit der Börsen, die finanziellen Ungleichgewichte und die schwere Rezession entlarven heute die neo-liberalen Methoden rund um die ZwĂ€nge der Deregulierung der MĂ€rkte und die SoliditĂ€t und VertrauenswĂŒrdigkeit der bestehenden Finanz-Institute. Damit werden die Grundlagen des aktuellen kapitalistischen Systems ernsthaft in Frage gestellt.
Die BeitrĂ€ge, die bei diesem Seminar prĂ€sentiert wurden, haben die Kraft, die Ăberreste eines Finanz-Systems zu retten. Es ist durch den Prozess der Krise, der im August 2007 ausgelöst wurde und die Misserfolge der vermehrten ZugestĂ€ndnisse, durch RettungseinsĂ€tze und PfrĂŒnden und auch durch die Intervention des Staates in den kapitalistischen entwickelten LĂ€ndern, schon durcheinander geraten.
Wir beklagen die Absicht, die Kosten fĂŒr die Rettung des Finanz-Systems der ganzen Welt aufzubĂŒrden, und damit die Armut, die Arbeitslosigkeit, die Ausbeutung der arbeitenden Menschen und der Weltbevölkerung zu verschlimmern,
Weder die gigantische staatliche Intervention, die man in den letzten Wochen zur Rettung der Unternehmen gesehen hat, die durch Spekulation zerschlagen und entleert wurden, noch die massive öffentliche Verschuldung sind plausible Alternativen zu einem Ausweg aus der Krise. Die aktuelle Dynamik ermutigt zu neuen Runden der Konzentration des Kapitals und weil es keine starke Opposition der Bevölkerung gibt, betont man einmal mehr in einer perversen Form eine Perspektive der Umstrukturierung nur um die privilegierten Sektoren zu retten. Das kann auch die Gefahr bedeuten, dass die Tendenz zu einem autoritĂ€ren Kapitalismus wiederkehrt, der sich schon manifestiert hat in sehr regressiven Anzeichen, fĂŒr ein Anwachsen der Diskriminierung und des Rassismus gegen die Menschen, die aus den LĂ€ndern des SĂŒdens in den Norden emigriert sind.
Wenn die aktuellen Tendenzen der Umstrukturierung des kapitalistischen Systems beibehalten werden, dann können enorme produktive und soziale Kosten entstehen. Zudem könnten SchĂ€den fĂŒr die zerbrechliche Umwelt und gegen die Nachhaltigkeit entstehen.
Heute besteht eine unumgÀngliche Notwendigkeit die internationale Wirtschafts- und Finanz-Architektur umzuformen. Aus dieser Perspektive muss man die Notwendigkeit eines post-kapitalistischen Auswegs unterstreichen. In Venezuela nennt man ihn den Sozialismus des 21. Jahrhunderts.
In einem kritischen Moment wie diesem mĂŒssen die nationalen und regionalen Politiker den sozialen Aufwendungen PrioritĂ€t einrĂ€umen und die natĂŒrlichen sowie die produktiven Ressourcen schonen. Die Regierungen mĂŒssen Methoden zur Regulierung der Finanzen einfĂŒhren, um die Ersparnisse zu sichern, die ProduktivitĂ€t zu fördern und die Gefahr der unkontrollierten Wechselkurse und KapitalflĂŒsse zu bekĂ€mpfen.
In diesem Sinne liegt der SchlĂŒssel bei einer Entwicklung zu einer komplementĂ€ren und integrierten Wirtschaft in einer ausgewogenen Form. Damit können die industriellen, landwirtschaftlichen, Energie- und Infrastruktur- KapazitĂ€ten potenziert werden. Initiativen wie ALBA (Alternativa Bolivariana para AmĂ©rica Latina y El Caribe) und die Banco del Sur (Bank des SĂŒdens) mĂŒssen ihren Aktionsradius erweitern und ihre Perspektive konsolidieren bis zu einer stĂ€rkeren alternativen Integration inklusive einer neuen gemeinsamen WĂ€hrung. In einer Perspektive einer neuen Welt-Finanz-Architektur, die eine andere Integration des SĂŒdens in die internationale Arbeitsteilung möglich macht.
In diesem Zusammenhang, mĂŒssen wir die BeitrĂ€ge und VorschlĂ€ge zu einer sozialen Wirtschaft als wichtig bewerten. Damit wird die WĂŒrde der Arbeit gefördert und werden die lokalen Probleme wegen der Auswirkungen der Krise artikuliert.
Die Forderungen nach einer grundlegenden Reform des internationalen monetĂ€ren Finanzsystems auf einer globalen Ebene mĂŒssen fortgesetzt werden. Das impliziert den Schutz der Spareinlagen und die Kanalisation der Investitionen in die wichtigsten BedĂŒrfnisse der Menschen. Es gilt die stĂ€ndige Wiederkehr eines Systems zu unterbrechen, das hauptsĂ€chlich von Spekulationen profitiert, das die wirtschaftlichen Unterschiede vertieft und beschĂ€digt besonders die am wenigstens geschĂŒtzten LĂ€nder und Sektoren.
Zugleich mĂŒssen neue (multilaterale) Wirtschafts-Institutionen auf neuer Grundlage geschaffen werden. Diese sollen ĂŒber die Instrumente und die AutoritĂ€t verfĂŒgen, um gegen die Anarchie der Spekulationen vorzugehen. Diese sollen sich verĂ€ndern in unersetzliche dringende Interventionen durch die nationalen Behörden, welche die Fundamente des Marktes herausfordern und die Finanzen der betroffenen Bevölkerung schĂŒtzt. Die Krise hat die gemeinsamen Interessen aller Menschen aller Nationen getroffen.
Auf Grund dieser Analysen und Ăberlegungen kam die internationale wirtschaftspolitische Konferenz zu folgenden âAntworten des SĂŒdens auf die Krise der Weltwirtschaftâ.
SCHLUSSFOLGERUNGEN UND AKTIONSPLĂNE.
Ausgehend von der folgenden Charakteristik der internationalen wirtschaftlichen Situation:
Wir befinden uns in einer noch nie da gewesenen Situation auf globalem Niveau. Die wirtschaftliche und finanzielle Krise hat sich in den letzten Tagen enorm verschlimmert und beschleunigt. Die zukĂŒnftige Entwicklung, auch wenn sie schwer voraus zu sagen ist, kann von Tag zu Tag einen dramatischen Anstrich erhalten.
Die Krise hatte ihr Epizentrum anfangs an den Börsen in den USA, aber heute ist es eine weltweite Krise, die das gesamte Finanzsystem betrifft und zunehmend auch die produktive Wirtschaft kontaminiert. Nun hat die Krise besonders starke Auswirkungen auf West- und Osteuropa.
Nach den ersten Erwartungen glaubte man, dass Lateinamerika von der Krise verschont und âabgeschirmtâ sein könnte. Zum heutigen Tag gibt es manifeste und sichere Anzeichen der kommenden Auswirkungen. Es ist nicht nur eine langanhaltende Störung des AuĂenhandels zu erwarten, sondern auch ein heftiger und kurzfristiger Schock fĂŒr die Finanzwelt. Inzwischen sind das Bankensystem und die Wertpapierbörse stark internationalisiert und sehr fragil.
Wir machten diese VorschlĂ€ge im Bewusstsein, dass es in einer solchen Krise immer Gewinner und Verlierer gibt. Unsere Wette ist, dass Methoden ergriffen werden, die den Wohlstand und die Rechte unserer Völker garantieren, der BĂŒrger und BĂŒrgerinnen und dass nicht den verantwortlichen Bankiers geholfen wird, die verantwortlich sind fĂŒr die Krise, die in Europa und den USA entstanden ist.
Ausgehend von diesem neuen Szenario und vom beschleunigten Effekt, halten wir es fĂŒr notwendig, dass die folgenden AktionsplĂ€ne umgesetzt werden. Einige davon mĂŒssen schleunigst durch politische Entscheidungen auf höchster Ebene implementiert werden.
Zu diesem Zweck soll die unmittelbare Einberufung eines auĂerordentlichen Gipfeltreffen der PrĂ€sidenten von Lateinamerika und der Karibik oder zumindest der UNASUR (Union SĂŒdamerikanischer Nationen) ĂŒberlegt werden.
ĂBER DAS BANKENSYSTEM
Angesichts des Zusammenbruchs des internationalen Finanzsystems, mĂŒssen die Staaten der Region sofort mit der Ăberwachung des Banksystems beginnen unter der Form der Steuerung, der Intervention oder Verstaatlichung ohne das Prinzip zu verletzen, das in der neuen Verfassung von Ecuador niedergelegt ist und verbietet, dass private Schulden verstaatlicht werden. (Art 290 Absatz 7 âdie Verstaatlichung privater Schulden ist verbotenâ.)
Die Funktion dieser MaĂnahmen ist es die Kapitalflucht ins Ausland zu verhindern, ebenso das Rennen um die Wechselkurse, den Geldtransfer von Filialen auslĂ€ndischer Banken an ihre MutterhĂ€user und die Erhöhung der Kreditzinsen durch Banken, die ihre Einlagen nicht verleihen,
Alle LĂ€nder mĂŒssen ihre Off-shore Filialen schlieĂen. Sie stellen nur einen sehr gefĂ€hrlichen fiskalischen und regulativen Schild dar. Unter diesen UmstĂ€nden bewirken die LiquiditĂ€ts-Probleme einen Siphon-Effekt fĂŒr die Peripherie.
Es ist notwendig, die Banken-Aufsicht zu stĂ€rken und Mechanismen strenger Regulierung einzufĂŒhren, welche die reale Situation des nationalen Bankensystems transparent machen, auch die Sicherheit der Spareinlagen der Bevölkerung. (Damit ist der Finanzsektor so etwas wie ein öffentlicher Dienst. Eine dieser MaĂnahmen muss sein, ein Minimum der liquiden Mittel des Systems fĂŒr Investitionen im Inland zu verwenden. (Koeffizient der liquiden Inlandsmittel)
Es ist notwendig, die Einrichtung gemeinnĂŒtziger und nicht auf Profit ausgerichteter Banken zu fördern, die in ihren Wirkungsbereichen die lokale Entwicklung unterstĂŒtzen.
Im Falle staatlicher Intervention, mĂŒssen die Regierungen die Kosten der Rettung von den Banken ihren AktionĂ€ren und Managern zurĂŒckholen.
DIE NEUE FINANZ-ARCHITEKTUR.
Das Fehlen koordinierter Geldpolitik erzeugt einen âKonkurrenzkampf der Verlusteâ. Das verschĂ€rft die Krise und löst RivalitĂ€ten zwischen unseren WirtschaftsrĂ€umen aus. Damit wird eine koordinierte Antwort aus der Region behindert und bedroht strukturell Integrations-Vorhaben wie UNASUR. Daher muss Lateinamerika ein klares Signal der Einigkeit am Finanzsektor senden. Dieses Signal muss rasch zusĂ€tzliche Möglichkeiten zeigen, wie wir unsere Makroökonomie abschirmen können. Die Definition eines Systems des Zahlungsausgleichs basierend auf einem Finanzkorb fĂŒr Lateinamerika, aus dem alle LĂ€nder zusĂ€tzliche LiquiditĂ€t bekommen, erlaubt es sich von der Logik der Dollarkrise abzukoppeln.
Zum gleichen Ziel soll eine Institution geschaffen werden, die unsere Wirtschaften abschirmt, das bedarf einer engeren Zusammenarbeit der Zentralbanken. Damit soll das neo-liberale Dogma mit einem effektiveren und vorteilhaften Einsatz der Devisen-Reserven ĂŒberwunden werden. Zu diesem Zweck ist es wichtig, den Vorschlag eines Fonds des SĂŒdens als Alternative zum Internationalen WĂ€hrungsfonds (IWF) voranzutreiben. Dieser Fonds kann LiquiditĂ€t zur VerfĂŒgung stellen, um Finanzprobleme und Zahlungsbilanzdefizite auszugleichen.
Durch die erweiterten ĂŒberschĂŒssigen Reserven jeden Landes können mit einem System des Zahlungsausgleichs (Regionale Ziehungsrechte) zusĂ€tzliche Zahlungsmittel aufgestellt werden. Mit der Einrichtung eines Gemeinsamen Fonds des SĂŒdens können Mittel mobilisiert werden, mit denen eine Bank des SĂŒdens zum Funktionieren gebracht werden kann. Damit wird sichergestellt, dass demokratische Regeln wirken und nicht die Logik der multilateralen Finanz-Kredite. Diese Bank wird das Herz der Transformation des bereits existierenden Netzwerks der lateinamerikanischen Entwicklungsbanken. Sie zielt auf den Wiederaufbau der produktiven Einrichtungen und orientiert sich an fundamentalen Menschenrechten.
Es ist notwendig, dass jene LĂ€nder, wo es noch keine Instrumente zur Kontrolle der Wechselkurse gibt, beizutreten, um die eigenen Reserven zu bewahren und KapitalabflĂŒsse zu verhindern.
Im Rahmen der ZahlungsaufschĂŒbe, die entstanden sind durch die Krise des internationalen Finanzsystems ĂŒberlegen die Staaten der Region die Staatsschulden-Tilgung zu suspendieren. Diese Methode kann die souverĂ€nen Mittel wenigstens vorĂŒbergehend vor der Krise schĂŒtzen und eine Entleerung der Staatskassen vermeiden.
Lateinamerika und die Karibik mĂŒssen verstehen, was derzeit in Europa geschieht. Dort versucht jedes Land auf eigene Kosten die Krise zu ĂŒberwinden. Das erfordert, dass die Mechanismen einer alternativen Integration zur Entwicklung der Region verstĂ€rkt werden.
DIE SOZIALEN NOTFĂLLE.
Wir schlagen die GrĂŒndung eines regionalen Fonds fĂŒr soziale NotfĂ€lle vor, um die ErnĂ€hrungs- und EnergiesouverĂ€nitĂ€t zu sichern und das sich zuspitzende Problem der Auswanderung und der abnehmenden Ăberweisungen der Auswanderer. Dieser Fonds kann innerhalb der Bank des SĂŒdens oder der Banco de ALBA angesiedelt sein.
Nach dem Grundsatz nicht die Bankiers zu retten, sondern unsere Völker, mĂŒssen wir die öffentlichen Haushalte bewahren zur Sicherung und Steigerung der öffentlichen Ausgaben fĂŒr unsere Bevölkerung gegenĂŒber den drohenden Auswirkungen der internationalen Krise. Das sind die PrioritĂ€ten: Sicherung vor Arbeitslosigkeit, der Masseneinkommen, öffentliche Gesundheitsdienste und Schulen, vor Wohnungsnot
DIE FINANZ-ORGANE.
Die internationale Finanz-Krise brachte den Beweis fĂŒr die Komplizenschaft des IWF, der Weltbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank (Banco Interamericano de Desarrollo = BID). Ihre transnationalen BankgeschĂ€fte haben den aktuellen Kollaps verursacht mit seinen schrecklichen sozialen Konsequenzen. Diese Organisationen sind zu verachten. Dies ist die Gelegenheit fĂŒr die Staaten der Region, nach dem Beispiel von Bolivien aus dem CIADI auszutreten. Die Wiederaufnahme der AnkĂŒndigung Venezuelas, sich aus dem IWF und der Weltbank zurĂŒckzuziehen. Damit kann die Konstruktion einer neuen internationalen Finanz-Architektur beginnen.
****
Wir rufen auf zur Zweiten internationalen wirtschaftspolitischen Konferenz: âDie Antworten des SĂŒdens auf die Krise der Weltwirtschaftâ in Caracas im ersten Quartal 2009.
Caracas, 11. Oktober 2008.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Zusammenfassung der ErklĂ€rung der Ăkonomen
Caracas 11. Oktober 2008
Das Treffen sollte dazu dienen, eine Antwort des SĂŒdens auf die Finanzkrise zu erarbeiten. Die Krise zeigt das versagen des neoliberalen Modells und ihrer Institutionen IWF und Weltbank. Die Rettungsversuche fĂŒr die Banken und neue Staatsverschuldungen sind nicht die Lösung, sondern sie verstĂ€rken die Konzentration des Kapitals und bringen eine Restrukturierung der privilegierten Sektoren. Das wird soziale Kosten und Auswirkungen auf den produktiven Sektor haben (neudeutsch: Realwirtschaft), sowie sich nachteilig auf die nachhaltige Entwicklung auswirken.
PrioritĂ€t sollten in diesem Moment MaĂnahmen fĂŒr Soziales und Schutz der natĂŒrlichen Ressourcen und der Realwirtschaft haben. Grundlegende VerĂ€nderungen des IWF, Instrumente gegen Spekulation, Schutz der Sparer und Investitionen im Interesse der Bevölkerungen, sowie neue ökonomische multinationale Finanzinstitutionen auf neuen Grundlagen.
Wir erwarten, dass Lateinamerika nicht so sehr von der Finanzkrise betroffen sein wird. Wie immer gibt es Gewinner und Verlierer der Krise. Der Washington Consensus muss weg!
Bank System
- staatliche Bankenaufsicht durch Kontrolle, Interventionen oder Verstaatlichungen
- Folgen des Artikels 290 Abs. 7 nach dem es dem Staat verbunden ist private Schulden zu Sozialisieren
- Kapitalflucht ins Ausland verhindern, Transfer von Geld aus Bankenzweigstellen in die âMĂŒtterhĂ€userâ unterbinden,
- SchlieĂung von Offshore-Centern in allen LĂ€ndern
- Supervision der FinanzmĂ€rkte, transparente Bankensysteme, öffentliche Banken fĂŒr Sparer, Minimum an staatlicher Beteiligung von privaten Banken
- VerstĂ€rkung der UnterstĂŒtzung nicht kommerzieller, dezentraler demokratisch kontrollierter Banken fĂŒr die lokale Entwicklung
- Falls der Staat bei privaten Banken eingreift muss sichergestellt sein, dass er die Kosten erstattet bekommt aus dem Vermögen der Banken, der AktionÀre und der Manager
-
Neue Finanzarchitektur
- Die Abwesenheit der koordinierten Geldpolitik produziert einen Krieg der konkurrierenden Abwertung der die Krise verstĂ€rkt und zu RivalitĂ€ten zwischen unseren Ăkonomien fĂŒhrt (in Lateinamerika)
- FĂŒr Lateinamerika bedeutet das den UNASUR Prozess zu verstĂ€rken und ein Signal fĂŒr eine gemeinsame WĂ€hrung auszusenden
- Kreierung eines kompensativen Zahlungssystems basierend auf dem WĂ€hrungskorb der LĂ€nder
- MaĂnahmen zur Sicherung des Geldflusses, Abwendung von der Bezahlung mit Dollar (schon realisiert zwischen Argentinien und Brasilien und den ALBA LĂ€ndern) und damit sich von dem System der Dollarkrise zu entfernen
- Institutionelle Abschirmung fĂŒr die Wirtschaften: Abwendung von dem neoliberalen Dogma der autonomen Zentralbanken mit einer effektiveren Verwaltung und einer angemessenen Handhabung der internationalen Reserven
- GrĂŒndung eines âFondo del Surâ als Alternative zum IWF, ausgestattete mit ausreichenden Finanzmitteln um bei Krisen eingreifen zu können
- Devisen fĂŒr die Bank des SĂŒdens nutzen unter demokratischer Kontrolle, die nicht die Fehler des IWF wiederholt (1 Land eine Stimme und nicht Stimmrechte anteilig an Einlage)
- Die Bank des SĂŒdens sollte das Herz der Umgestaltung darstellen fĂŒr die schon eingerichteten Bankennetze zur Förderung einer produktiven Wirtschaft, die sich nach den fundamentalen Menschenrechten orientiert
- In den LĂ€ndern in denen es noch nicht vorhanden ist: Devisenkontrolle zum Schutz der Devisenreserven und Schutz gegen Kapitalflucht
- Durch die internationale Krise nicht ausgefĂŒhrte Zahlungen sollen im Gegenzug mit Nichtbezahlung der öffentlichen Auslandsschulden beantwortet werden
- Schaffung eines Fonds fĂŒr NotfĂ€lle zur Sicherung der ErnĂ€hrungs- und EnergiesouverĂ€nitĂ€t und beim RĂŒckgang der Zahlungen der Migranten an ihre HeimatlĂ€nder (in Mexiko sind im Zuge der Krise diese Zahlungen um 30% zurĂŒckgegangen
- RĂŒckzug der LĂ€nder aus IWF und Weltbank (wie dies schon einige LĂ€nder gemacht haben)
Nicht die Banken mĂŒssen gerettet werden, sondern die Bevölkerungen. Das bedeutet Schutz der öffentlichen Haushalte fĂŒr Sozialausgaben. PrioritĂ€ten sollten sein: Finanzierung zum Schutz der ArbeitsplĂ€tze und der Einkommen, Gesundheits- und Bildungswesen, Wohnen.
Ăbersetzung: Coorditrad (trad-anfrage@attac.org)
Weitere Informationen
AG Lateinamerika - 31.07.09
Attac Lateinamerika-Kongress - 09.09.08




