Continente Rebelde - Alternativen zum Neoliberalismus

Attac Lateinamerika-Kongress, 31. Oktober bis 2. November 2008 in Mannheim

 

Mit mehr als 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist heute in Mannheim der erste Lateinamerika-Kongress von Attac zu Ende gegangen. Unter dem Motto "Continente Rebelde – Alternativen zum Neoliberalismus" kamen Interessierte aus ganz Deutschland am Wochenende zusammen, um sich über Alternativen zur neoliberalen Politik aus verschiedenen Ländern Lateinamerikas zu informieren und darüber zu diskutieren.

Gäste aus Bolivien, Ecuador, Argentinien, Venezuela und Kuba stellten Projekte wie die neuen Verfassungen von Ecuador und Bolivien vor, die mit breiter Beteiligung der Bevölkerung erarbeitet und anschließend durch Referenden verabschiedet wurden. Der Kongress zog Parallelen zum aktuellen Verfassungsverfahren in Europa. In den lateinamerikanischen Ländern lässt sich beobachten, dass die direkte Beteiligung der Bevölkerungen zu einem großen Interesse an Politik und den Verfassungsinhalten führt. Dies zeigt, wie berechtigt die Forderung von Attac nach einem vergleichbaren Prozess für den EU-Vertrag ist - einschließlich der Referenden. Stattdessen ist der EU-Vertrag absichtlich so kompliziert formuliert, dass die Bürgerinnen und Bürger in der Europäischen Union seinen Inhalt kaum kennen. Und sie werden erst recht nicht gefragt, ob sie mit ihm einverstanden sind.

Ein weiterer Diskurs in den lateinamerikanischen Bewegungen, an den es sich lohnen würde, anzuknüpfen, ist das Prinzip des 'Vivir bien', des guten Lebens. Gutes Leben heißt in diesem Sinne eben nicht, möglichst viel zu konsumieren, sondern Lebensqualität zu erreichen durch die Beteiligung an der gesellschaftlichen Entwicklung und die Möglichkeit, in einer intakten Umwelt zu leben.

In den Diskussionen während des Kongresses ist deutlich geworden, dass es in Lateinamerika bereits heute viele umgesetzte Alternativen gibt, die nicht mehr der neoliberalen Ideologie folgen. Es gibt keinen Grund mit der derzeitigen Politik fortzufahren, die die Menschen unglücklich macht, die Natur zerstört und teilweise die Demokratie gefährdet. Wie das Beispiel Lateinamerika zeigt, bedarf es dazu jedoch starker sozialer Bewegungen, die eine Änderung der Politik einfordern. Der Kapitalismus in seiner gegenwärtigen Form steckt derzeit in einer schweren Krise. Dies eröffnet ein historisches Fenster, um konkrete Alternativen in die Debatte einzubringen. Am Beispiel Lateinamerika sehen wir, dass vieles auch anders geht. Attac wird sich weiterhin dafür engagieren, auch in Europa entsprechende Veränderungen herbeizuführen.

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