19. Januar 2009 - Heinrich Fecher, Rosemarie Thiele:

Offener Brief

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin

Sehr geehrter Herr Außenminister,

wir sind sehr erstaunt, dass Sie in Bezug auf den Krieg Israels in Gaza eine Politik auf Bildzeitungsniveau betreiben mit katastrophalen Folgen für die palästinensische Bevölkerung. Werden Sie schlecht oder falsch beraten oder gibt Ihnen George Bush immer noch die Maximen des Handelns vor?
Sie behaupten, die Hamas sei für den Krieg verantwortlich und Israel müsse für seine Sicherheit kämpfen.
Das stellt die Tatsachen vollständig auf den Kopf. Alle israelischen, palästinensichen und auch die deutschen Friedensorganisationen - also unabhängige Organisationen, die nicht wie leider auch viele deutsche Medien, die Propaganda der israelischen Regierung übernehmen - haben festgestellt, dass Israel über Jahre hinweg immer wieder alle Waffenstillstandsabkommen gebrochen hat und willkürlich in palästinensiche Gebiete eingefallen ist, um gezielt Menschen umzubringen. Im Übrigen sprechen alle Anzeichen dafür, dass dieser Krieg mit vernichtenden Folgen für die palästinensiche Bevölkerung lange vorbereitet worden ist. Uri Avnery ist einer von denen, die diesen Sachverhalt sehr gut belegt haben.     

Es sollte Ihnen auch bekannt sein, dass die israelischen Regierungen über Jahrzehnte hinweg z.T. mit alleiniger Vetounterstützung der USA alle UNO-Resolutionen zur Regelung der Organisation eines selbständigen Staates der Palästinenser, zur Aufhebung der Besatzung, zur Rückführung der der von Israel vertriebenen palästinensichen Bevölkerung rücksichtslos mißachtet hat. Es sollte Ihnen auch nicht entgangen sein, dass die israelische Regierung bei ihrer völlig illegitimen Kriegführung ständig die elementarsten Menschenrechte mißachtet und verletzt, Phosphorbomben einsetzt, UNO-Gebäude, Krankenhäuser, Schulen und Moscheen bombardiert, also einen barbarischen Krieg in einem der dichtbesiedelsten Gebiet der Erde führt.
Wir finden es sehr merkwürdig, wenn der Herr Außenminister in die Region reist, um den Schmuggel von Raketen für die Hamas zu unterbinden, während Israel von vielen westlichen Staaten, auch der Bundesrepublik, unter Führung der USA mit den mörderischsten Waffen hochgerüstet wird und diese Waffen gegen eine zum größten Teil wehrlose, über Jahrzehnte hinweg unterdrückte, gedemütigte und terrorisierte Bevölkerung einsetzt.

Wir fragen Sie, Frau Bundeskanzlerin, die Sie so sehr um die Sicherheit des israelischen Staates besorgt sind, was Sie unternehmen um das bloße Überleben der verbliebenen, traumatisierten und geschundenen Reste der palästinensichen Bevölkerung zu gewährleisten, von der Existenz und Sicherheit eines palästinensichen Staates ganz zu schweigen, den die verschiedenen israelischen Regierungen mit Unterstützung oder zumindest stillschweigender Duldung der westlichen Mächte seit 6o Jahren hintertreiben.
Haben Sie schon einmal von dem gleichen Recht aller Menschen auf körperliche Unversehrtheit und ein Leben in Würde gehört?
Wir erwarten Ihre Antwort und fordern Sie auf, alles in Ihrer Macht stehende zu unternehmen, dass die israelische Regierung diesen barbarischen, völkermörderischen Krieg ebenso beendet wie die Besatzung der den Palästinensern noch verblieben Reste ihres ehemaligen Landes, damit auch verbunden die Öffnung der Tore des "größten Freiluftgefängnisses der Welt". Ebenso treten wir dafür ein und halten es für selbstverständlich, dass alle Staaten, die Israel über Jahrzehnte in seiner Politik gegenüber der palästinensischen Bevölkerung ermuntert und z.T. auch instrumentalisiert haben, eine angemessene Aufbauhilfe zur Beseitigung der Zerstörungen und Verwüstungen dieses Krieges leisten, die es den Palästinensern ermöglicht, in einem eigenen Staat so in Sicherheit und Ruhe zu leben, dass sie eine ausreichende Existenzgrundlage haben. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass auch die israelische Bevölkerung in Ruhe und Sicherheit leben kann.
Es gibt keine Zukunft auf den Gräbern der Palästinenser.

Mit freundlichen Grüßen

Heinrich Fecher          
Rosemarie Thiele        

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